Kunst in der Roten Straße : Donald Duck und weite Strände

Bild und Ton: Zur Eröffnung von „Zweimalkunst“ singt Bariton Ansgar Hüning (vorn) zufällig an seinem Geburtstag, begleitet am Klavier von Peter Geilich. Joachim Bereuter und Karen Kaul lauschen.
Bild und Ton: Zur Eröffnung von „Zweimalkunst“ singt Bariton Ansgar Hüning (vorn) zufällig an seinem Geburtstag, begleitet am Klavier von Peter Geilich. Joachim Bereuter und Karen Kaul lauschen.

„Zweimalkunst“: Neue Ausstellung bei Bilder im Hof mit Werken von Gerhard Arnold und Joachim Bereuter

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19. März 2018, 09:00 Uhr

Die beiden Künstler haben sich auf einer Gartenparty in Hamburg kennengelernt. Ungefähr 30 Jahre sei das her, schätzt Joachim Bereuter und erzählt die Geschichte, die er nie vergessen wird. Bei solchen Anlässen habe er gern Zaubertricks vorgeführt. Dafür lieh er sich von der Ehefrau seines Kollegen Gerhard Arnold einen Ring und ließ diesen hinter dem Rücken verschwinden. Leider auch im Gras und nicht wie vorgesehen – hokuspokus – auf einem Faden. Der Ring, erinnert sich Bereuter, habe sich zum Glück wieder angefunden.

Er hätte sich gefreut, Arnold wiederzusehen, sagt Bereuter bei der Vernissage „Zweimalkunst“ in der Galerie Bilder im Hof am Sonntag. Doch Galeristin Karen Kaul entschuldigt ihn: Mit seinen 80 Jahren habe er die weite Anreise aus Offenbach gescheut. Doch seine Bilder sprechen für sich. Karen Kaul beschreibt Arnolds „weichen Impressionismus“ als traditionell wie aus dem 19. Jahrhundert, „ohne Effekthascherei“ und verweist beispielhaft auf das Kinderspiel am Strand, den Teddy, flache Marschlandschaften, Spiegelungen. Gerhard Arnold, erklärt Kaul, habe häufig den Norden besucht. Er kennt das Licht dieser Region, das sei offensichtlich in seinen Werken. Drei winzige Männeken an einem vermeintlich einsamen und unendlich weiten Küstenstrich tauchen erst bei genauem Blick auf und überraschen.

Auch die bis ins letzte Saatkörnchen ausgearbeitete Mohnblüte irritiert und ist fehl am Platze zwischen Mohnfeldern. Hier hat sich ein Bereuter unter die Arnolds gemischt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes gibt es den gleichen Überraschungseffekt, nur umgekehrt: ein Arnold unter Bereutern. Dieser, 1946 in Reinbek geboren, kauft Obst und Gemüse auf dem Markt mit dem Blick des Künstlers. Oder Brot beim Bäcker. Seine Stillleben, die überaus realistisch dargestellt sind, zeigen die greifbare Kruste des Brotes, Pflaumen unterschiedlichen Reifegrades, den „Mohrenkopf“ mit einem Knacks, aus dem der weiße Zuckerschaum heraustritt.

Die klassischen Stillleben im Vordergrund ergänzt Joachim Bereuter um seine Markenzeichen, die manchmal auch Albernheiten sein können. So wie Donald Duck, der sich auf historischen Büchern fläzt, oder das gefalzte Eckchen, das in den meisten Bildern wiederkehrt. Das Bücher-Stillleben war ihm „einfach zu langweilig“, erläutert Bereuter und gab dem Bild mit der Comicfigur ein Spannungszentrum. Die modernen Hintergründe sind zum Teil in Airbrush-Technik entstanden.

„Warum High Heels?“ oder „Wie kann man überhaupt Glas malen“: Die interessierten Besucher der Vernissage nutzen die seltene Gelegenheit, den Urheber der Bilder zu fragen. Der 71-jährige Norddeutsche erzählt von einem Spaziergang mit seiner Frau an einem Sommervormittag auf der Reeperbahn, wo er die glänzenden Pumps im Laden sah und „einfach Spaß daran“ empfand, sie zu malen. Und „mit ganz wenig Farbe und an den richtigen Stellen“ gelingt auch das Malen eines Weinglases, sagt Bereuter und lacht.

Und was haben die Farbexplosionen ein einem weiteren Teil der Ausstellung zu bedeuten? Die sind eine Premiere. „Ich wollte einfach mal fremdgehen“, begründet Bereuter, „weg vom anstrengenden, realistischen Arbeiten“ für Auge und Hand und hin zu etwas Beschwingtem, Farbigen, Fließenden. Alle zehn, zwölf Jahre breche er mal aus, sagt Joachim Bereuter.

„Zweimalkunst“ bei Bilder im Hof, Rote Straße, ist bis zum 7. April zu sehen.

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