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Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 09:17 Uhr

Konzert im Orpheus-Theater : Diva in Rot

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Jazz-Sängerin Lisa Bassenge gastierte mit ihrem Programm „Wolke 8“ an zwei Tagen in Flensburg

In einem eng geschnittenen, leuchtend roten Kleid schwebt sie divenhaft von Wolke 7 auf „Wolke 8“. Das gleichnamige Album steht im Mittelpunkt des aktuellen Programms von Lisa Bassenge, das sie mit ihrem exquisiten Quartett an zwei Abenden im Orpheus-Theater zelebrierte. Die Sängerin changiert zwischen Chanson und Pop, doch unüberhörbar ist ihre Affinität zum Jazz.

Dort hat sie ihre Wurzeln. Die versierte Band besticht durch eine große musikalische Bandbreite, sie gibt den Apfelbaum-Blues (mit einem tollen Solo von Gitarrist Kai Brückner) oder den Titelsong der Vorgänger-CD „Nur fort“ genauso gekonnt wie swingende oder balladeske Nummern. Die 1974 in Berlin geborene Lisa Bassenge wandelt derweil auf den Spuren von Hildegard Knef oder Udo Lindenberg, dessen Song „Leider nur ein Vakuum“ mit stampfendem Rhythmus und wuchtigem Finale eine wunderbare Wiederauferstehung feiert. Und der „Goldene Reiter“ kommt so kunstvoll verschlüsselt und verjazzt daher, dass viele im Publikum lange rätseln, bis sie – ah! – das Original von Joachim Witt wiedererkannt haben. Besonders die leisen Töne aber sind es, die innige Momente in das plüschige Theater zaubern. Wunderbar das getragene „Nach dem Glück“ oder „Staub im Regal“. Auch für die Texte – von nachdenklich bis frech und heiter – lohnt es sich, ein offenes Ohr zu haben. Der aufstrebende, von der Kritik gefeierte Schriftsteller Thomas Melle („Sickster“) hat acht der elf Songs gemeinsam mit Bassenge erarbeitet. Kostprobe: „Wär ich ’ne Geschichte, kämst du nicht vor / Wär ich van Gogh, wärst du das Ohr / Wärst du die Zeit, wär’ ich der Zahn / Wärst du ein Telefon, ging ich nicht ran.“

Lisa Bassenge dominiert kraft ihres Charismas die Bühne, ohne sich in den Mittelpunkt zu spielen. Sie gibt ihrer Band, mit der sie sich tagsüber noch einen Ausflug nach Röm gönnte, immer wieder Gelegenheit für solistische Exkurse, die insbesondere Christoph Adams am Piano mit brillantem Spiel zu nutzen weiß. Er verspricht, mit einem Soloprogramm zurück nach Flensburg zu kommen. Demnächst in diesem Theater...

 

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