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Dänisches Generalkonsulat : Diplomaten-Desaster in Flensburg: Ex-Minister Haarder kommt doch nicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Volte beim Prestigeamt: Dänemark verwirrt bei der Besetzung des Postens in der Grenzstadt Flensburg.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2016 | 16:55 Uhr

Flensburg | Der frühere dänische Kulturminister Bertel Haarder (Venstre) will nun doch nicht Generalkonsul in Flensburg werden. „Ich habe gedacht, der angebotene Posten wäre dabei, neu besetzt zu werden“, sagte der rechtsliberale Politiker in einer schriftlichen Stellungnahme an die dänische Nachrichtenagentur Ritzau. „Ich hatte mich auf die Arbeit gefreut (…). Ich bin im Grenzland aufgewachsen.“ Darüber hinaus wollte er sich nicht dazu äußern.

Das dänische Generalkonsulat in Flensburg – das war schon immer ein ganz besonderer Posten des diplomatischen Dienstes Ihrer Majestät. Nicht wie anderswo Berufs-Diplomaten füllen diese Funktion in der Grenzstadt aus, sondern verdiente Persönlichkeiten mit verschiedener beruflicher Biografie. Es ist ein prestigeträchtiges Amt zur freien Verfügung derjenigen, die in Kopenhagen an den Hebeln der Macht sitzen.

Vor gut zwei Wochen hatte die neue dänische Regierung Haarder vorgeschlagen, nachdem er im Kabinett nicht mehr berücksichtigt worden war. Der 72-Jährige sollte zum 1. September 2017 den bisherigen Generalkonsul Henrik Becker-Christensen ablösen, der seit 1998 im Amt ist. Zahlreiche Leserbriefe in der Minderheitenzeitung „Flensborg Avis“ kritisierten den geplanten Wechsel. Laut dem Blatt würde der Amtsinhaber auch gern weitermachen. Chefredakteur Jørgen Møllekær sagte dem Sender TV2, Becker-Christensen mache einen „hervorragenden Job“ und sprach von einem „abruptem Wechsel“.

„Ich will mich nicht aufdrängen“, teilte Haarder nun Ritzau mit. Er wolle sich auf sein Mandat als Abgeordneter im Parlament konzentrieren. Dänischen Medien zufolge will Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen dem Amt des Generalkonsuls gern ein stärker politisches Profil geben. Ob Becker-Christensen bleiben darf oder die Regierung einen neuen Kandidaten benennt, war zunächst offen.

Er werde „auf eine andere Weise Generalkonsul sein“ als sein Vorgänger, hatte Haarder angekündigt, als ihn das Außenministerium bei einem Pressetermin als neuen Mann in Flensburg vorstellte. Weil er bereits vor seinem Amtsantritt „enorm bekannt sei“, so Haarder, gebe ihm das „die Möglichkeit, zur dänischen Öffentlichkeit durchzudringen“. Auch wenn man dort betont, mit Becker-Christensen voll zufrieden zu sein: Die Volksgruppe ist im Bewusstsein der „Reichsdänen“ längst nicht mehr so präsent wie früher. Was langfristig die Akzeptanz einer Überweisung von jährlich 77 Millionen Euro Steuergeld über die Grenze gefährden kann.

Update 17.20 Uhr: Laut Ritzau soll der amtierende Generalkonsul bei einer neuen Suche 2017 nicht berücksichtigt werden.

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