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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 21:35 Uhr

Förster in Flensburg : Diesseits von Afrika

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Michael Gräf hat in vielen Ländern der Welt gearbeitet und ist jetzt Förster an der Förde / Im Wildgatter verstärken zwei Damwildkälber die Herde

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erstellt am 08.Aug.2017 | 07:36 Uhr

Hessen, Harz und Lübeck, Indonesien und Sri Lanka, Papua-Neuguinea, Afghanistan und der Süden Afrikas – das ist nicht etwa eine ausgefeilte Reiseroute, sondern ein Teil der langen Liste der beruflichen Stationen, auf die Michael Gräf zurückblickt. „Es war ein Traum, nach Afrika zu gehen – und ich bin länger hängen geblieben als gedacht“, sagt Flensburgs neuer Grünflächen- und Forstverwalter. Zugegeben nicht mehr ganz so neu: Seit November arbeitet Michael Gräf in dieser Funktion für das Technische Betriebszentrum. 2015 sei er nach Schleswig-Holstein gezogen, erzählt er und, dass er mit seiner Familie in Ostangeln lebt.

Die Frage, die sich aufdrängt: Warum zieht es einen wie ihn nach Norddeutschland? Eine weitere Frage gibt die Antwort darauf: „Wo gehören wir denn eigentlich hin?“, erklärt der zweifache Familienvater seinen „Grund, sesshaft zu werden“. Seine Kinder seien zum Teil im Ausland geboren, zum Teil dort aufgewachsen. Auch die Region gefällt, und nicht zuletzt freut es ihn, jetzt in seinem Beruf, in seinem Bereich zu arbeiten.

In Afghanistan zum Beispiel zählte er zu den ersten Fachkräften, die im Auftrag des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) der afghanischen Bevölkerung beim Wiederaufbau halfen. Gräf war zweimal zwei Jahre dort, auch für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Zuerst sei er als Portfolioleiter für Qualitätskontrolle zuständig gewesen, für Öffentlichkeitsarbeit und den Einsatz der Entwicklungshelfer, danach für die Neuorganisation des Sicherheitswesens.

Studiert hat der gebürtige Mainzer in Göttingen, und zwar Forstwirtschaft. Wer Michael Gräf eingegrünt und mit Hut in der Marienhölzung trifft, sieht auf den ersten Blick, dass er hier her gehört. Klar und unaufgeregt dröselt der 58-Jährige die Zuständigkeiten im Dickicht des TBZ auf. Er ist der Verwalter über 350 Hektar Waldgebiet, wozu extensive und innerstädtische Grünflächen zählen. Unter letztere, so erklärt Gräf, fallen diejenigen Flächen, die regelmäßig gemäht und bepflanzt werden. Extensive indes gelten mehr oder weniger als Ausgleichsflächen, würden mal gemäht, mal beweidet.

Gräf teilt auf in 131 Hektar, die das TBZ selbst bewirtschaftet, und rund 200 Hektar, die verpachtet sind. Zwei Forstwirte arbeiteten im Wald, ein Azubi beginne jetzt seine Ausbildung. Gräf unterscheidet zwei Abteilungen, wovon sich eine um die Grünpflege der Parks kümmere, während die andere für die Stadtbildpflege zuständig sei. Auch 35 Kilometer Wanderwege (keine Waldwege) wie der Bunzenweg zum Beispiel fallen in die Zuständigkeit des TBZ und seine Verwaltung, zudem die Strandpflege, 16 Hektar sogenanntes Straßenbegleitgrün, 12  000 Straßenbäume und 6000 Bäume, die kontrolliert und gepflegt werden müssen auf den Geländen von Kindergärten und Schulen.

Mit Jagd, sagt Michael Gräf, habe er hier nicht so viel zu tun; der Wildbestand sei nicht so groß. Jedoch gebe es recht viel Fallwild, in und um Flensburg würden viele Wildtiere von Autos überfahren.

Im Wildgatter jedenfalls ist der Bestand zum Glück gerade gewachsen. Die Damen Lotte und Tinka haben zwei Damwildkälber gesetzt. Damit können Spaziergänger in der Marienhölzung jetzt acht Vertreter des Damwilds beobachten: sieben weibliche Tiere um den weißen Hirsch Nathan. Beim Schwarzwild ist nach wie vor kein Nachwuchs zu erwarten, im Gatter leben drei Bachen... „Die werden durch uns ausreichend versorgt“, betont Michael Gräf, „mit Rübenschnitzeln und gebrochenem Mais.“ Er bittet darum, davon abzusehen, „ganze Nudelpackungen“ ans Schwarzwild zu verfüttern. Das sei höchst ungesund. Wer nicht an sich halten kann, könne im Herbst ja ein paar Kastanien oder Äpfel mitbringen. Und weil er gerade dabei ist: „Ich würde mich freuen, wenn mehr Hunde an der Leine geführt würden“, sagt er genauso nett. Strenger wird Gräf beim Thema Feuer im Wald. Das komme öfter vor und sei „erstens verboten und zweitens brandgefährlich“. Niemand wolle einen Waldbrand erleben, mahnt er mit Blick auf seine Erfahrungen in Namibia.

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