Ostseebad Flensburg : Diebstahl, Dreck und Dauerparty im Paradies

Dieter Scholz ist den Mitarbeitern der Hafen GmbH dankbar, die stets die Rettungsringe erneuern.
Dieter Scholz ist den Mitarbeitern der Hafen GmbH dankbar, die stets die Rettungsringe erneuern.

Rettungsringklau ist am Ostseebad nicht das einzige Problem – aber das drängendste: Es folgen Müll und unangenehme Gerüche.

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26. Juli 2018, 08:52 Uhr

Flensburg | Der Rettungsring vom Ostseebad ist so etwas wie der Dreizack vom Neptunbrunnen: regelmäßig geklaut. Anwohner Dieter Scholz wurmt das. Hier hört für ihn der Spaß auf: „Wie viele Menschen baden mit ihren Kindern am Ostseebad“, fragt er und mag sich nicht vorstellen, dass „im Fall der Fälle kein Rettungsring vorhanden ist“. Der 64-Jährige ist denen dankbar, die immer wieder und sofort für Ersatz sorgen.

Das sind die Mitarbeiter der Hafen GmbH. Im Juni musste schon zweimal ein Rettungsring ersetzt werden. 2017 waren es insgesamt ein Dutzend. Ein Drittel davon erhalte die Hafen GmbH immerhin zurück, weil sie die Ringe beschrifte. In Solitüde werden regelmäßig Rettungsringe ans Ufer gespült, nachdem Betrunkene sie zum Spaß in die Förde geworfen haben.

Für Dieter Scholz sind die Diebstähle der Ringe zwar das drängendste Problem. Aber längst nicht das einzige an einem Ort, den er als ein Paradies bezeichnet, das nicht einmal etwas koste. Scholz ist kein notorischer Nörgler, sondern ein freundlicher Rentner, der in Klues lebt und mit offenen Augen durch die Welt geht. Er arbeitet ehrenamtlich für den Verein Haltestelle Sponte Nord und bietet beim früheren Arbeitgeber Stadtwerke-Führungen an.

Zur Veranschaulichung der Problematik am Ostseebad lädt er ein zu einem kurzen Spaziergang von der Busstation Am Lachsbach durch den Wald zum Strand. Wenn er hier täglich zum Schwimmen geht, fallen ihm seit jüngster Zeit die Graffiti auf. Die findet er grundsätzlich gut, nur nicht an Bäumen. Auf dem Rückweg sammle er regelmäßig Plastikteilchen auf und werfe sie in einen Mülleimer. Von anderen weiß er, dass sie es ebenso hielten. Nur bei Papiertüchern, gerade in der Nähe von Bäumen, scheut er sich, weil er ahnt, wofür sie gebraucht wurden. Auch beim Unterstand am Ende der Badebrücke komme ihm regelmäßig ein „Duft wie aus einer öffentlichen Toilette“ entgegen. Er sei nicht der einzige, der häufig mit Eimern voll Wasser die Bänke spüle. Und was er dort schon an verwaisten Kleidungsstücken eingesammelt habe, lässt ihn rätseln: „Wie sind die bloß nach Hause gekommen?“

Und schließlich die überquellenden Mülleimer: Möwen und Krähen haben freies Spiel, beobachtet Scholz. Das Technische Betriebszentrum treffe keine Schuld. „Die vom TBZ haben so viel Arbeit und geben sich so große Mühe“, in der Woche sei am Vormittag zudem ein Ranger unterwegs. Scholz beobachtet wachsenden Egoismus und findet, die Erziehung müsse greifen.

Am 3. Juli hatte sich schon der Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung mit der Sauberkeit an den Stränden befasst. Barbara Hartten, technische Leiterin beim TBZ, berichtete vom Umfang der täglichen Reinigung und zusätzlich aufgestellten Abfallbehältern. Annett Gellinger, Leiterin der Ordnungsbehörde, plädierte für eine Sensibilisierung der Besucher, etwa durch eine öffentlichkeitswirksame Kampagne. Karsten Sörensen, Mitglied des Ausschusses, hat sich gerade an einem Freitagabend einen Eindruck vor Ort verschafft und ergänzt die Falschparker und nur mit Sand abgedeckte Glut am Strand als äußerst gefährlich. Er sagt, dass der zuständige Dezernent Stephan Kleinschmidt den Ausschuss am 10. August zum Ortstermin nach Solitüde eingeladen habe, wo die Probleme ähnlich sind. Angesichts des Sommerwetters halte seine Fraktion diesen Termin aber „für zu spät“ um gegenzusteuern, sagt CDU-Mann Sörensen.

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