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Kinder ohne Instrumente : Diebe plündern Musikraum in Flensburg

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Kein Keybord mehr, keine Gitarre, kein Verstärker: In den Sommerferien räumten Unbekannte den Musikraum der Hohlwegschule in Flensburg leer. Die Enttäuschung ist groß.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2013 | 04:25 Uhr

Flensburg | Thies guckt betreten. Der Neunjährige kann nicht so recht begreifen, was passiert ist. Dabei ist das Malheur deutlich sichtbar. Einbrecher räumten in den Sommerferien den Musikraum der Hohlwegschule an der Glücksburger Straße leer.
Fast. Bongo, Conga und Cajon stehen noch, doch wertvolle Instrumente, Mischpult, Mikrofon und mehr haben die Diebe mitgehen lassen. "Oh Gott, jetzt ist alles weg", schoss es Thies durch den Kopf, als er nach den Ferien in den Musikunterricht kam. Schockiert. Kabel hingen lose von der Decke, der Beamer fachmännisch entfernt, keine Gitarre mehr, kein Keyboard. Jetzt, dachte Thies, brauchen wir die Polizei!

Vandalen in der Turnhalle

Die kümmert sich längst um den Fall, doch es gibt noch keine Spur. Immerhin lässt sich der Tatzeitraum eingrenzen. Denn in der der dritten Ferienwoche haben sich Unbekannte in der Turnhalle mächtig ausgetobt. Als der Hausmeister dort am Wochenende nach dem Rechten sah, hingen Roller in den Basketballkörben und an der Sprossenwand. Ein Schrank aufgebrochen, die beiden neuen Fahrräder - gespendet von der Landesverkehrswacht - entwendet, ein weiteres zerstört. "Da haben Jugendliche offenbar sehr große Langeweile und jede Menge Zeit gehabt", meint Schulleiterin Marlis Fenner (59) lakonisch.
Warum Jugendliche? Für die Pädagogin liegen die Indizien auf der Hand: Es waren Spiel- und Turngeräte in der Halle verstreut und die Hallenwand beschmiert worden: "Schule ist ein Hurensohn" klingt nicht unbedingt nach erwachsenen Menschen.

Keine Einbruchsspuren

Marlis Fenner betont, dass das entwendete Equipment ganz frisch für die Musical-Aufführungen angeschafft worden war. "Die stehen jetzt auf wackligen Füßen, wie der gesamte Musikunterricht." Das Stage Piano, Neupreis 1400 Euro, war Leihgabe einer Kollegin. "Die guckt jetzt in die Röhre." Allerdings sind versicherungstechnische Fragen noch nicht endgültig geklärt. Einbruchsspuren - nicht vorhanden. Doch Marlis Fenner ist sich sicher, dass Fenster und Türen des Musikraums abgeschlossen waren. Der wiederum liegt im Erdgeschoss und ist voll einsehbar.
Besonders aber tun ihr die Kinder leid. "Die waren entsetzt und konnten nicht fassen, dass ihnen einer so etwas antut", sagt sie. Khulangoo etwa. Die Viertklässerin fragt: "Wozu brauchen sie bloß die Instrumente? Wir brauchen sie doch viel dringender." Und Mandy hat nur ein einziges Wort für die Tat übrig: "Gemein!"

Instrumente Musikhändler angeboten

Die Schulleiterin hofft immer noch darauf, dass Piano, Gitarre, Verstärker oder CD-Player irgendwo auftauchen werden. Bei Ebay vielleicht, beim An- und Verkauf oder überall dort, wo unter der Hand gehandelt wird. Ganz unberechtigt scheint diese Hoffnung nicht zu sein. Denn anscheinend gehen die Diebe mit ihrer Beute bereits hausieren. Cnud "Cuddel" Jensen vom Musikladen erinnert sich an eine Begegnung, die eine derartige Vermutung nahe legt. Vor einigen Wochen nämlich standen ein Junge und ein Mädchen, 15 bis 18 Jahre alt, bei ihm am Tresen - Gitarre und E-Piano im Gepäck. "Die Instrumente sahen den gesuchten sehr, sehr ähnlich", sagt Cuddel. Abgekauft hat er sie dem Duo nicht. "Zum Glück, ich hatte da so ein komisches Gefühl."
Wer Instrumente, Verstärker oder Ähnliches spenden will, kann sich an das Sekretariat der Schule (Telefon 0461/85-2587) wenden.

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