Radfahrer-Radar in Flensburg : Die zweite Chance

2010 war das Rad-Radar bei der Verwaltung schnell abgemeldet – jetzt kommt die Version 2.0.
2010 war das Rad-Radar bei der Verwaltung schnell abgemeldet – jetzt kommt die Version 2.0.

Nach tödlichem Unfall auf der Neumarkt-Kreuzung: Erfinder will verbessertes Warngerät entwickeln / OB Lange bietet weitere Testphase an

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08. September 2017, 08:00 Uhr

Wenigstens geht niemand wieder zur Tagesordnung über. Der tödliche Unfall eines 14 Jahre alten Radfahrers am Montagmorgen auf der Neumarkt-Kreuzung hat die Sicherheit der Rad- und Fußwege in den Fokus einer öffentlichen Diskussion gerückt. Wie berichtet war Ende 2010 ein exakt an dieser Kreuzung montiertes radargestütztes Warnsystem von der Stadt wieder aus dem Verkehr gezogen worden. Jetzt könnte es – in verbesserter Form – wieder zum Einsatz kommen. Sein Erfinder Martin Budde will bis Ende des Jahres an der Neumarkt-Kreuzung einen neuen, besseren Prototypen erproben. Den Segen der Verwaltungs-Chefin Simone Lange hat er bereits.

Der so tragisch verlaufene Unfall im toten Winkel eines Lastwagenfahrers hatte via Internet bundesweit Aufmerksamkeit erregt. „Die Frage der Verkehrssicherheit gerade für Schulkinder bewegt die Menschen zu Tausenden. Ich hatte seit dem Unfall unglaublich viele Anrufe und konkrete Anfragen aus ganz Deutschland“, sagt Budde. „Dieses Kreuzungsproblem beschäftigt Verwaltungen, Schulen und Eltern von Passau bis Flensburg.“ Für den jetzt in Hamburg lebenden Flensburger Unternehmer soll das Anlass sein, ein deutlich verbessertes System auszutüfteln. „Es wird völlig autark arbeiten, nicht in die Ampelschaltung eingreifen und von externem Strom unabhängig sein“, kündigt er an. Das ist nicht ganz unwichtig, denn Rechtsabbieger-Unfälle ereignen sich häufig auch an Ein- und Ausfahrten, an denen Energie für den Betrieb nirgendwo abgezweigt werden kann.

Sieben Jahre nach dem gescheiterten Feldversuch kann der Tüftler zudem von einer ganzen Reihe von Technologiesprüngen profitieren, die hohe Zuverlässigkeit bei geringeren Kosten garantieren. Die Sensorik beispielsweise, die sich damals noch durch Schneeflocken austricksen ließ, ist im beginnenden Zeitalter des autonomen Fahrens unbestechlich geworden. „Das neue System wird zuverlässig arbeiten“, kündigt Martin Budde an. „Das ist mit dem Prototypen von 2010 gar nicht mehr zu vergleichen.“

Der Tüftler will schon vor dem Eintritt in den Kreuzungsbereich die Verkehrsräume von Radfahrern und Autoverkehr per Leitplanke trennen. Die letzten Meter soll sich der Radler in einer sicheren Zone bewegen, in der er vor Erreichen des Kreuzungsbereiches (wie der Autofahrer) ein eigenes eindeutiges optisches Warnsignal erhält.

Ähnliche Forderungen hatte auch der ADFC aufgestellt, der vor allem in der Trennung der Verkehrswege von Radfahrern, Fußgängern und motorisiertem Verkehr mehr Sicherheit erwartet.

All dies will Oberbürgermeisterin Simone Lange ohnehin mit Verwaltung und Politik diskutieren. Dass sich Martin Budde, aufgerüttelt durch den Unfall an „seiner“ Kreuzung, wieder an die Arbeit setzt, begrüßt Simone Lange sehr. „Möglicherweise haben wir 2011, als die Ampel schon einmal zur Debatte stand, eine Chance vertan“, sagt sie. „Das sollten wir jetzt anders machen. Ich lade Herrn Budde sehr herzlich ein, es nochmal mit uns in Flensburg zu versuchen!“

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