zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 13:35 Uhr

Folk-Baltica : Die Zähmung der wilden Polen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umjubeltes Winterkonzert mit Poesie-Folk um Sigrid Moldestad aus Norwegen und rasendem Streich-Quintett Volosi aus Polen

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 07:50 Uhr

Fünf Männer, vier Saiten (pro Mann) und ein dreifaches Hoch auf Volosi! So viele Zugaben hat das polnische Quintett zusammen mit der Norwegerin Sigrid Moldestad und ihren schwedischen Musikern zur Krönung des Winterkonzertes von Folk-Baltica am Sonnabend in St. Johannis erfunden. Und die Big Band für eine Nacht zeigte damit, worum es bei dem Festival, das Anfang Mai Zehnjähriges feiert, auch geht: um Völker-Verbrüderung mittels Musik.

Als die „Wilden“ kündigt der fiddelnde Schwede Anders Hall das nachfolgende polnische Quintett an. Das skandinavische Trio stimmt darauf mit einer „Battle“ ein, einem schlachtartig ausgetragenen Song. Tatsächlich deutet dann schon die Anordnung der Instrumente der fünf Polen auf der Bühne auf eine flexible Ordnung hin.

Sogar Harald Haugaard, Conferencier des Winterkonzerts („Brücke“ zu Folk-Baltica) und künstlerischer Leiter des Festivals, kündigt als Musiker die Kunst aus den Karpaten als kompliziert an, bescheinigt den fünf Kollegen aber auch viel Kraft. Die haben sie, gewaltige Kraft! Und so verlieren die Brüder Krzysztof (an der Violine) und Stanislaw (Cello) Lason, Zbigniew Michalek (Violine), Jan Kaczmarzyk (Bratsche, Dudelsack) and Robert Waszut (Kontrabass) keine Zeit durch Worte. Während sich die Violinen bekriegen – natürlich nur in Scheingefechten, aber mit Ausfallschritt und im Zehenstand und mit fieser Miene –, stiften Cello, Kontrabass und Bratsche Frieden an der Basis und halten das Gespiele zusammen.

Bisweilen spielen Volosi in solch atemberaubendem Tempo, dass es manchen Bogen zerfleddert und Bravo-Rufe hagelt aus der vollen Kirche. Denn Präzision, Leichtigkeit und Originalität der virtuosen Fünf bleiben, ob beim Tango oder Walzer, ebenso atemberaubend. Zugleich beherrscht das Streich- und Streit-Quintett die Kunst der Langsamkeit und entschleunigt so manches musikalische Kriegswirren mit einem bewusst schrägen Bogenstrich. Die ersten und einzigen Sätze, die einer spricht, nämlich Geiger Krzysztof Lason, so was wie der (Locken)Kopf der Bande, sind auf Deutsch. Und sie erzählen von der einen Nacht, in der die Polen die Skandinavier kennen gelernt haben und ein Mini-Programm für das gemeinsame Spektakel erdachten.

Gedichte von Robert Burns und Geschichten aus ihrer Heimat bilden die Grundlage der Stücke der Sängerin und Geigerin Sigrid Moldestad. Das blonde Goldkehlchen aus den Bergen West-Norwegens erzählt fröhlich von Bilderbuchlandschaften, die Energie spenden. Und sie ist erfreut von der verbindenden Magie, die sie spürt nach dem gemeinsamen Singen mit den chorerfahrenen Flensburgern. Nicht nur die haben Moldestad und ihre schwedischen Musiker Anders Hall (Violine) und Mattias Perez (Gitarre) spielend im Griff. Auch die wilden Polen vermögen sie schließlich zu zähmen in drei gefeierten Zugaben.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen