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Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 19:24 Uhr

Tempo-30-Zone : Die Wrangelstraße wird bunt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kinder und Erwachsene kämpfen Hand in Hand um Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Einige Schulkinder haben in der Wrangelstraße teils schwere Unfälle mitbekommen.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | In einem Klassenraum im ersten Stock der Waldschule rauchen die Köpfe. Die Konzentration ist spürbar. Große Bögen Papier werden eifrig mit Stiften bearbeitet. Dabei spielt die Zahl 30 eine zentrale Rolle. Und die Farbe Rot. Nicht Mathematik wird hier gebüffelt, wie man vermuten könnte. Es geht vielmehr um ein Kunstprojekt, das Malen, Zeichnen und Verkehrserziehung miteinander vereint.

Martje Rabeler gab den Anstoß für die Aktion. Sie wohnt in der Wrangelstraße und hat in der Tempo-30-Zone massive Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt. Um dem entgegen zu wirken, hat die 44-Jährige Gespräche mit diversen Behörden geführt. „Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen“, sagt sie, „Geschwindigkeitsdisplays zu installieren.“ Eine freundliche Art der Verkehrsberuhigung, verbunden mit einem lachen „Smiley“ oder aber einem traurigen Gesicht (Sadly). „Ich glaube, vielen Verkehrsteilnehmern ist gar nicht bewusst, wie schnell sie fahren.“ Auch eine Rechts-vor-links-Regelung am Marienhölzungsweg könnte ihrer Überzeugung nach helfen, Autofahrer zu defensivem Fahren zu bewegen.

Überdies würde Martje Rabeler gern den Schwerlastverkehr aus der gepflasterten Straße, in der viele Häuser unter Denkmalschutz stehen, verbannen. Bislang haben ihre Bemühungen keine Früchte getragen. Bis auf eine Ausnahme. Nach einem Besuch bei der Verkehrsüberwachung stand schon tags darauf ein mobiler Blitzer an der Einmündung Wrangelstraße...

Die Anwohnerin würde, wie andere auch, sogar ihr Grundstück zur Verfügung stellen, um dort Radargeräte zu platzieren. „Schließlich sind wir hier nicht im Wilden Westen.“ Abgesehen davon, dass eine derartige Maßnahme verkehrsrechtlich nicht durchzusetzen wäre, hätte sie am liebsten eine Kontrolle ohne Sanktionen. Eine Aktion, die an die Einsicht der Autofahrer appelliert.

Ihr Vorschlag, eine Schulklasse zu inspirieren, kreative Ideen zur Tempo-30-Problematik zu entwickeln, stieß bei einem Elternabend auf große Resonanz. Auch Schulleiter Volker Masuhr war davon angetan. Nicht zuletzt war Lehrerin Britta Lippert begeistert, das Thema in ein Kunstprojekt der vierten Klasse zu integrieren. „Das passt in diesen Jahrgang, da es gut mit der Verkehrserziehung korrespondiert.“ Die Schüler machen derzeit ihren Fahrrad-Führerschein. „Es ist wichtig“, sagt die Pädagogin, „dass die Kinder im eigenen Lebensraum dafür sensibilisiert werden, warum es Regeln gibt.“

In der Klasse waren die „Kunstwerke“ nach einer kurzen Vorbesprechung schnell gefertigt. Die Zahl 30 fehlt auf keinem Blatt, daneben steht „Schulkinder unterwegs“, „Denkt an uns“, „Lächeln“, „Stop“ und „Danke!“ Die Plakate sollen nun in den Vorgärten entlang der Wrangelstraße platziert werden.

Aber auch andere verkehrsberuhigte Bereiche stehen im Blickpunkt. Emily wohnt am Schwarzental, unweit der Harrisleer Straße. „Dort ist schon mal ein Kind überfahren worden“, erinnert sich die Neunjährige. Es sei fast unmöglich, die Straße zu überqueren. „So viele Autos fahren da.“ Auch in der Bauer Landstraße, erzählt Maja (10), ist es zu einem schrecklichen Unfall gekommen. „Ein Auto hat ein Kind erfasst, mitgeschleift und schwer verletzt.“ Und Lukas (11) hat erlebt, dass in der Björnsonstraße viele Eltern zu schnell unterwegs sind, weil sie ihr Kind pünktlich an der Schule abliefern wollen. „Ich bin mal mit dem Fahrrad hingefallen, das Auto hinter mir konnte gerade noch bremsen. Es war nur Glück!“

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