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Flensburger Architektur : Die Wohnungen der Kaufleute

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der dritte Teil unserer Serie über Flensburger Architektur beschäftigt sich mit den Kaufmannshöfen. Diese sind entstanden, damit viele Häuser an der Hauptstraße und in Wassernähe liegen konnten.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Im Juni erschien ein neuer, kompakter Architekturführer für die Stadt Flensburg, der auf 170 Seiten einen Überblick vermittelt, was die Stadt an herausragenden Bauwerken und Kulturdenkmälern vorweisen kann. Die beiden Autoren Henrik Gram und Eiko Wenzel haben mit den Augen von Architekten und Denkmalpflegern die Objekte ausgewählt und beschrieben, die nach ihrer Meinung die Baukultur in der Fördestadt prägen. Eiko Wenzel gibt in einer zehnteiligen Serie im Flensburger Tageblatt einen Überblick über den Inhalt dieses neuen Buches.

Durch das aktuelle Projekt „Deutsch-Dänische Kulturachse“ sind sie erneut in den Fokus der Stadtsanierung gerückt. Das Bundesbauministerium unterstützt im Rahmen des Programms „Nationale Projekte des Städtebaus“ die Stadt Flensburg bei der Sanierung denkmalgeschützter, gefährdeter Kaufmannshöfe. Und nicht zuletzt das sommerliche Hofkultur-Festival lädt ein, Musik und Architektur zusammen zu genießen.

Warum sind eigentlich die Flensburger Kaufmannshöfe etwas Besonderes? Sie sind die Folge der besonderen Lage der Flensburger Altstadt am Westufer des inneren Fördewinkels. Hier gab es beiderseits des Hauptstraßenzuges nur begrenzten Raum für Besiedlung. Möglichst viele Grundstücke sollten an dieser Straße liegen und gleichzeitig einen Anschluss an das Wasser des Hafens haben, damit Waren direkt umgeschlagen werden konnten. So entstanden die langen, schmalen Grundstücke an Holm, Großer Straße und Norderstraße. Die Seehandelskaufleute siedelten bevorzugt an der Ostseite, wo der Wasseranschluss gegeben war.

Auf den Grundstücken standen zunächst die straßenseitigen Vorderhäuser mit Kontor- und Wohnräumen der Kaufleute. Daran schlossen sich Saalbauten mit repräsentativen Wohnräumen an. Es folgten zurück gestaffelte Seitenflügel mit Kran-Erkern, die der Lagerung von Waren und gewerblichen Aktivitäten dienten.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Bebauung immer weiter verdichtet. Seit dem 18. Jahrhundert, als der Westindienhandel zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte führte, kamen die sogenannten „Querspeicher“ hinzu.

Der Hof, der am besten das Bild eines reichen Kaufmannshof der Renaissancezeit im späten 16. Jahrhundert vermittelt, ist der auf dem Grundstück Holm 19/21. Bereits im 17. Jahrhundert wurden hier zwei benachbarte Höfe zu einem vereinigt.

Der Hof Holm 45 („Holmhof“) hat mit seinem Wendeltreppenturm ebenfalls ein wichtiges Architekturmerkmal der Renaissancezeit, das wohl aus dem gleichzeitigen Burgen- und Schlossbau entlehnt war, bewahrt. Ein weiterer Wendeltreppenturm ist auch im Kaufmannshof Holm 39 erhalten, der in die „Holm-Passage“ integriert wurde. Die Straßenfassaden wurden häufig „modernisiert“: Der Hof Holm 45 erhielt 1726 eine barocke Fassade zur Straßenseite am Holm, die Straßenfassade des Hofes Holm 39 wurde klassizistisch überformt.

Auf dem Grundstück des Westindienkaufmanns Andreas Christiansen zwischen Großer Straße und Speicherlinie erinnert der Westindienspeicher, der 1789 als höchster Speicherbau errichtet wurde, an die wirtschaftliche Bedeutung des Handels mit den dänischen Kolonien in der Karibik.

In der Norderstraße 86 steht ein gut erhaltener Kaufmannshof aus dem 18. Jahrhundert. Er ist sozusagen der Urvater der behutsamen Stadtsanierung in Flensburg. 1975/76 wurde er von der Architektengemeinschaft Rønnow/Kopenhagen und Heinrich/Flensburg Instand gesetzt, und diente als Vorbild für weitere Hofsanierungen. Bevor das Projekt erfolgreich umgesetzt wurde, war vielfach bezweifelt worden, dass die Bauform der Flensburger Kaufmannshöfe überlebensfähig sei.

Ein schönes Beispiel für die Sanierung eines der kleineren Höfe auf der Westseite des Hauptstraßenzuges ist der Hof vom Aktivitetshuset auf dem Grundstück Norderstraße 49. Sie wurde 1988-90 von Architekt Povl Leckband durchgeführt.


Henrik Gram/Eiko Wenzel, Zeitzeichen. Architektur in Flensburg, hrsg. von der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein, dem Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, der Stadt Flensburg und dem Verein Flensburger Baukultur e.V., erschienen im Verlagshaus Leupelt, Handewitt, 2015, ISBN 978-3-943582-11-6, 14,80 €.

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