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Deutscher Wetterdienst : Die Wetterfrau aus Satrup

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Dorothea Truelsen ist ehrenamtliche Mitarbeiterin des Deutschen Wetterdienstes.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Mittelangeln | Dorothea Truelsen schaut zum Himmel. Die Sonne scheint, aber es ist windig und es ziehen bereits einige Wolken auf. „Heute Nachmittag könnte es noch Regen geben“, sagt sie. Die 61-Jährige ist ehrenamtliche Wetterbeobachterin und beschäftigt sich seit sechs Jahren mit dem Klima in ihrem Wohnort Satrup. Sie geht über die Wiese vor ihrem Haus zur automatisierten Wetter- und Niederschlagstation und schaut nach, ob sich im Regenbehälter Wasser angesammelt hat. Doch der ist leer.

Die Station hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) 2012 in ihrem Garten installiert. Sie misst neben Lufttemperatur, Luftfeuchte und Wind auch die Erdbodentemperatur in fünf, zehn, 20 und 50 Zentimetern sowie in einem Meter Tiefe. Die Werte werden dann über eine Telefonleitung automatisch an die DWD-Zentrale nach Offenbach übermittelt. Dorothea Truelsen leert lediglich jeden Tag den Wasserbehälter und mäht regelmäßig den Rasen um die Station herum.

Als sich die Satruperin vor sechs Jahren für die ehrenamtliche Stelle bewarb, war das noch anders. Zwar wurden die Werte über eine konventionelle Niederschlagstation auch direkt an den DWD übertragen – Regen, Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Wolkendichte musste Dorothea Truelsen aber manuell messen. „Jeden Morgen habe ich den Inhalt des Wasserbehältnisses in ein Zylinderglas gegossen und so die Regenmenge abgelesen“, erinnert sie sich. Die Zahlen hat sie in ein Tagebuch eingetragen und immer zwischen 7.30 Uhr und 9.30 Uhr im Sommer elektronisch über ein Eingabegerät an den DWD übermittelt. Wenn sie im Urlaub war, haben ihr Vater oder ihre Tochter den Job übernommen. Das Wetter macht schließlich keinen Urlaub.

Nicht nur die Regenmenge, sondern auch die Intensität, den Zeitpunkt und die Dauer des Niederschlags hat sie dokumentiert. „Heute wird die Regenmenge gewogen“, erklärt die Wetterfee. Das gelte auch für Schnee. Doch das war nicht alles. „Ich musste auch beobachten, wann es ein Gewitter, Sturm, Tau, Frost oder Nebel gegeben hat“, erzählt die Hausfrau. Wann die Sonne schien, ein Regenbogen am Himmel auftauchte oder Wolken über ihr Haus hinweg zogen – all das steht in ihrem Wetter-Tagebuch. „Ich habe praktisch immer zum Himmel geschaut“, sagt sie und lacht.

Für ihre Messungen hat sie nicht nur ihr Auge, sondern auch altbewährte Methoden eingesetzt. „Um die Windrichtung zu messen, habe ich ein Handtuch in die Luft gehalten“, beschreibt die Wetterfee ihre Vorgehensweise. Auch die Wäsche auf der Leine half ihr, die Windrichtung zu bestimmen. Die Stärke dagegen habe sie geschätzt. „Windstärke drei bis vier hatten wir immer“, erklärt sie. Wehte der Wind mal mehr, mal weniger stark, hat sie geschätzt. Um genauere Werte zu bekommen, habe sie sich später einen richtigen Windmesser angeschafft.

Zwischen dem 1. Oktober und dem 30. April dokumentierte Dorothea Truelsen zusätzlich Schneefall und Schneehöhe. Auch dafür nutzte sie eine einfache Methode. „Ich habe ein Brett auf die Wiese gelegt und eine Stange in die Mitte gesteckt“, erzählt sie. „Rechts von der Stange blieb der Altschnee liegen und links davon habe ich das Brett freigefegt, um den Neuschnee zu messen.“ An insgesamt drei Stellen liegen auf ihrem Grundstück Bretter. Die Schneehöhe muss sie auch heute noch an den DWD übermitteln. Doch diese Arbeit hält sich in Grenzen, denn durch den Klimawandel schneit es immer weniger. In diesem Jahr sei in Mittelangeln höchstens ein halber Zentimeter gefallen, so Dorothea Truelsen.

2012 hat der DWD die konventionelle Mess-Station auf eine automatisierte umgestellt. Dorothea Truelsen hat aber aus eigenem Interesse weiterhin Daten in ein Tagebuch eingetragen. „Das Wetter zu beobachten, finde ich total interessant“, erzählt sie begeistert. Sie habe oft zum Himmel geschaut, bevor sie die Wäsche draußen aufhängte oder mit dem Hund eine Runde drehte. Viel Zeit am Fenster verbringt sie aber nicht mehr. Mit einer Wetter-App vergleicht sie nun die Vorhersage mit dem aktuellen Wetter. „Das stimmt nicht immer“, stellt sie fest. Auch ihr Mann, der Landwirt ist, beobachte oft interessiert die Wetterentwicklung.

Auch in Zukunft will Dorothea Truelsen ihre Wetter-Tagebücher weiterführen und Niederschlag, Sonnenscheindauer und Windrichtung messen. Das Handtuch bleibt dann aber im Schrank.

Wetterbeobachter: Bewerbung

Der Deutsche Wetterdienst sucht im Kreis Schleswig-Flensburg ehrenamtliche Wetterbeobachter – besonders dringend in Langballig, Stolk und Böklund. Grundvoraussetzung für die Tätigkeit ist ein geeignetes Grundstück. Bäume und Häuser müssen mindestens doppelt soweit weg sein, wie sie hoch sind. Der Beobachter muss zudem einen Internetanschluss und ein internetfähiges Gerät zur Eingabe der Messungen haben. Die Stromversorgung der installierten Mess-Geräte erfolgt über den Hausanschluss des Beobachters. Die entstehenden Stromkosten werden  jährlich erstattet, ebenso ein Entgelt, das der DWD für die Bereitstellung der Fläche für die Messgeräte zahlt. Für ihre ehrenamtliche Mess- und Pflegetätigkeit gibt es  eine Aufwandsentschädigung von 635 Euro.

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