Die Weichen für Angelns Dampfbahn sind neu gestellt

Hofft auf den Bau zweier eigener Gleise auf dem Süderbraruper Bahnhof: Iver Andreas Schiller,  Geschäftsführer sowohl der Angler Dampfeisenbahn als auch der  neuen Eisenbahn-Gesellschaft  Fotos: Köhler
Hofft auf den Bau zweier eigener Gleise auf dem Süderbraruper Bahnhof: Iver Andreas Schiller, Geschäftsführer sowohl der Angler Dampfeisenbahn als auch der neuen Eisenbahn-Gesellschaft Fotos: Köhler

Lange war mit einem Fragezeichen behaftet, ob die Angler Dampfeisenbahn in diesem Jahr wie geplant in ihre Saison würde starten können. Nach einigen Turbulenzen stehen die Signale nun auf Grün, so dass die Lok Julchen am Ostersonntag mit einer Eiersuchfahrt den Betrieb wiederaufnimmt. Möglich ist dies, weil es einen neuen Inhaber der Streckenrechte gibt. Hoch bleibt der Handlungsdruck, soll die Perle für den Tourismus über 2009 hinaus erhalten bleiben. Die Trasse muss saniert, der Bahnhof in Süderbrarup umgebaut werden.

shz.de von
11. April 2009, 04:59 Uhr

Kappeln/Süderbrarup | Große Freude herrscht kurz vor Ostern bei den Flensburger Schienenfreunden und damit zugleich bei der nördlichsten Museumsbahn Deutschlands. Geschäftsführer Iver Andreas Schiller aus Glücksburg von der Angelner Dampfeisenbahn zeigte jetzt auf dem Süderbraruper Bahnhof eine langersehnte Urkunde, mit der die Gründung der "Angelner Eisenbahn Gesellschaft UG"

(Unternehmergesellschaft) mit Wirkung vom 7. April behördlich genehmigt worden ist. Diese Zustimmung erteilte der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. Das Dokument erlaubt das Betreiben einer Eisenbahninfrastruktur - ausschließlich auf der alten Kreisbahnstrecke zwischen Kappeln und Süderbrarup - für den öffentlichen Museumszug-Verkehr gemäß dem "Allgemeinen Eisenbahngesetz". Diese Genehmigung gilt für 50 Jahre.

Parallel dazu hat der Kreis Schleswig-Flensburg einen Pachtvertrag mit der neuen Gesellschaft für "seinen" Gleiskörper geschlossen. An "Miete" haben die Museumsbahner lediglich die symbolische Gebühr von einem Euro zu berappen. Schiller fungiert als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der "UB".

Im Vorfeld hatte es noch eine handfeste Auseinandersetzung mit dem bisherigen Inhaber der Streckenrechte, der in Malente ansässigen "Feld- und Kleinbahn-Betriebsgesellschaft" (FKBK), gegeben. Diese hatte zum Verdruss der Betreiber der Angelner Dampfeisenbahn im Januar 2009 jegliche Nutzung des Gleiskörpers untersagt. Doch kam im März bei Verhandlungen der beiden Gesellschaften eine Einigung zustande. "Wir können nun den Museumseisenbahnbetrieb planmäßig zu Ostern aufnehmen", zeigte sich Schiller erleichtert.

Mit der Übernahme der Infrastruktur durch die neue Gesellschaft herrsche nunmehr Planungssicherheit hinsichtlich des Fahrweges, doch seien damit die finanziellen Hürden in keiner Weise genommen, erläutere Schiller. "Ich habe mit der Gründung der Angelner Eisenbahn-Gesellschaft lediglich die rechtlichen und gesetzlichen Voraussetzungen für den Betrieb der Infrastruktur und damit der Angelner Dampfeisenbahn als Eisenbahnverkehrsunternehmen geschaffen." Schiller macht deutlich: "Es liegt nunmehr in der Entscheidung der Stadt Kappeln, der anderen Anlieger-Gemeinden, des Kreises und des Landes, ob Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden, damit die Museumseisenbahn über das Jahr 2009 hinaus unter touristischen Aspekten erhalten werden kann." Diesbezügliche Gespräche will der Geschäftsführer mit den politischen Gremien unverzüglich aufnehmen.

Zu den vorrangigen Aufgaben gehört der Umbau des Süderbraruper Bahnhofs mit einer Neuverlegung der Gleise 4 und 5. Erst durch sie wird die Dampfeisenbahn in die Lage versetzt, einen eigenen Bahnsteig samt Rangiermöglichkeit zu unterhalten. Hierfür hat der Kreis als Bauträger 35 000 Euro aus Fördermitteln des Amtes für Ländliche Räume erhalten. Die Gemeinde Süderbrarup will mit ihrem Bauhof Eigenleistungen erbringen - ebenfalls im Wert von 35 000 Euro. Iver Schiller hofft jetzt, dass der Kreis in Kürze grünes Licht für die Bauarbeiten gibt.

Was die Sanierung des Schienenweges nach Kappeln betrifft, so sind aus touristischen Fördermitteln des Kreises 5000 Euro bewilligt worden. Kappeln und Süderbrarup haben versprochen, mit gleich hohen Beträgen einzuspringen.

Einem jüngsten Gutachten von Sachverständigen der Bahn zufolge ist diese Strecke weiterhin "betriebstauglich" - bei einem Tempolimit von 40 Stundenkilometern. In den nächsten acht Jahren müssen etwa 280 000 Euro für neue Schwellen aufgebracht werden. Der Geschäftsführer: "Ohne öffentliche Zuschüsse kann die Museumsbahn auf Dauer nicht auskommen."

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