zur Navigation springen

An der Wasserkante : Die Wassertester von der Förde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Alle zwei Wochen prüft das Gesundheitsamt die Qualität an Flensburgs Badestränden – aber wie und was wird überhaupt geprüft?

Sommerferien, perfektes Urlaubswetter: Da rücken Hafen und Strände in den Blick der Flensburger und Feriengäste. Deshalb bringt das Tageblatt seine Sommerserie „An der Wasserkante“. Heute: Prüfung der Wasserqualität am Ostseebad.

Einen Durchmesser von 30 Zentimetern hat die weiße Plastikscheibe mit sechs Löchern, die Hans Lindberg gestern Morgen um neun Uhr am Strand Ostseebad von der Seebrücke ins Wasser hält. Dabei handelt es sich um eine Secchi-Scheibe – ein Hilfsgerät zur Messung der Sichttiefe von Wasser. Hans Lindberg senkt die Scheibe so weit ab, dass sie kaum noch zu sehen ist – auf diese Weise ermittelt er die Sichttiefe. „Heute beträgt sie über zwei Meter“, stellt Lindberg fest. „Das ist mehr, als ich von der Seebrücke aus messen kann.“

Der Sichttiefen-Test ist nur ein Bestandteil des alle zwei Wochen durchgeführten Wassertests an Flensburgs Badestränden Ostseebad und Solitüde. Wassersleben und Glücksburg fallen in den Aufgabenbereich des Kreises.

Hans Lindberg ist seit 24 Jahren Gesundheitsingenieur beim Gesundheitsamt Flensburg und somit für Hygiene- und Gesundheitsschutz zuständig. Die Wassertests in der Badesaison vom 1. Juni bis zum 15. September fallen in seinen Aufgabenbereich. „Nach der EU-Richtlinie muss an Badestränden in Europa alle vier Wochen das Wasser getestet werden. Wir hier in Flensburg testen es öfter. Das ist ja auch ein Service für Touristen und Flensburger“, sagt der Gesundheitsingenieur.

Von der Seebrücke aus testet Hans Lindberg nun die vorgeschriebene Parameter und trägt alles sauber in eine Liste ein. „Ich mache das lieber von der Brücke aus, sonst müsste ich eine Badehose anhaben“, erklärt er schmunzelnd.

Neben dem Test der Sichttiefe sind auch die Bestimmung der Temperatur von Luft und Wasser, des PH-Wertes, der Windrichtung, des Seegangs, des Wetters und zuletzt des Badebetriebs Aufgaben des Gesundheitsingenieurs. Zudem wird das Wasser auf Abfälle, Feuerquallen und Blaualgen überprüft. „Wenn Blaualgen im Wasser sind, sieht das Wasser eher aus wie eine Spinatsuppe“, beschreibt es Hans Lindberg. Blaualgen sind giftig, und bei Befall wird ein Badeverbot ausgerufen. Jedoch treiben Blaualgen selten und nur mit langem, starken Ostwind von der offenen See in die Förde herein, erläutert Hans Lindberg.

Außerdem wird noch eine Wasserprobe aus einem Meter Tiefe genommen. Diese Probe wird im Hygieneinstitut in Kiel auf E. coli und intestinale Enterokokken untersucht. „Das sind zwei Bakterien, die Indikatorparameter sind“, erklärt es Hans Lindberg. Sprich: Je mehr dieser Bakterien im Wasser vorhanden sind, desto mehr andere Krankheitserreger sind auch zu finden.

Obwohl es dieses Jahr relativ warm ist und das Algen- und Bakterienwachstum dadurch begünstigt wird, hat das Badewasser in Flensburg eine gute Qualität. „In den letzten fünf bis sechs Jahren hatten wir keine Überschreitung der Grenzwerte“, erklärt der Gesundheitsingenieur zufrieden. Nur nach Sturzregen gebe es ab und zu schlechtere Werte, da mit dem Regen Schmutz ins Wasser gespült werde.

Zuletzt prüft Hans Lindberg noch die allgemeine Sauberkeit am Strand. Und: Ist ein Rettungsring vorhanden? Der wird laut Lindberg oft gestohlen – auch dieses Mal. Dann fährt der Gesundheitsingenieur mit Wasserprobe zum nächsten Strand, nach Solitüde. Diesmal mit trockenen Schuhen. „Bei stürmischem Wetter werden sie auch mal nass.“ Nach der Auswertung kann dem Fördewasser in einigen Tagen dann hoffentlich ein gutes Attest ausgestellt werden – wie immer.

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 05.Aug.2014 | 12:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen