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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 15:46 Uhr

Die Unternehmens-Kita vor dem Start

vom

Im Südosten Flensburgs soll eine Kindertagesstätte entstehen, die sich auch an ungewöhnlichen Bedürfnissen von Beschäftigten orientiert

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Flensburg | Nicht nur Frühlingsfans haben die Sonne herbeigesehnt. Auch Visionäre. Wenn jetzt kein Regen mehr falle, könne die Kita Hochfeld Anfang des nächsten Jahres ihre Pforten öffnen, zitiert Brigitte Handler ihren Architekten Axel Waltje vom Büro Asmussen & Partner. Die Geschäftsführerin von Adelby 1, der Kinder- und Jugenddienste, ist Motor des Teams, das eine einzigartige Kindertagesstätte "zwischen Arhus und Hamburg" im Flensburger Südosten errichtet. Nach dem Spatenstich am Gründonnerstag nehme die Vision Gestalt an. Nicht nur baulich, auch konzeptionell.

"Wir haben uns von dem gelöst, was uns so vertraut ist", betont Brigitte Handler. Als Lösungen bietet das Team nun Merkmale an wie "keine Schließtage" und "Ferienprogramm für Geschwisterkinder". Die Unternehmenskita richte sich nach dem Bedarf von Firmen und Non-Profit-Organisationen, darunter Pflege-Einrichtungen. "Wir wollen auch, dass Eltern ganz entspannt ihre Kinder abholen können", erklärt Brigitte Handler. "Es wird auch die Möglichkeit zur Übernachtung geben", ergänzt die Adelby-1-Geschäftsführerin und denkt dabei an Arbeitnehmer, die etwa auf Fortbildung nach München reisen müssen.

Für solche Sonderfälle werde es ein Backup geben, eine Art Rettungsschirm. Die Firma bezahle einmalig 150 Euro und sei dann "quasi Mitglied", sagt Handler. Pro Fall - Fortbildung, Überstunden, kurzfristiger Abendtermin - zahle sie dann weitere 150 Euro fürs Backup, egal ob der außergewöhnliche Betreuungsaufwand zwei oder zehn Stunden dauere. Das Besondere daran: Elternteile können ihre Kinder mitnehmen nach München zum Beispiel, denn die Kita Hochfeld werde mit einem Träger zusammenarbeiten, der bundesweit über 70 Einrichtungen hat. Das erläutert Christoph Lemke-Pensel, der nach Reisen durch Deutschland und auch Skandinavien in seiner Master-Arbeit die Frage zur Kinderbetreuung beantworten will: "Wie machen andere das?".

Die 50 Plätze der Kita Hochfeld - 30 für Knirpse unter drei Jahren (und ab sechs Monaten) und 20 Kinder für über drei verteilt auf vier Gruppen - werden an Unternehmen vergeben. Regulär betrage die Gebühr für einen Platz monatlich für acht Stunden 190 Euro, für zehn Stunden 290 Euro. Konkretes Interesse am Gemeinschaftswerk von Adelby 1, Arbeitgeberverband und Fachhochschule hätten bereits Stadtwerke, Bundeswehr, Hochschulen, Orion, Trixie und sogar eine Reihe Selbstständiger signalisiert. Die Frage, ob junge Leute künftig bei diesem oder jenem Unternehmen arbeiten, entscheide sich auch an der Frage der Familienfreundlichkeit, ist Brigitte Handler überzeugt. Ziel bleibe, darauf legen die Geschäftsführerin und ihr Team wert, dass Mütter und Väter ihre freie Zeit mit ihren Kindern verbringen und ihre Kleinen nicht in der Kita parken.

Für dieses Konzept, das im August festgeschrieben werden soll, ist klar: "Wir benötigen zusätzliches Personal", sagt Handler. Sie geht von insgesamt acht Erziehern aus und vier sozialpädagogischen Assistenten; zusammen mit dem übrigen Personal kommt sie auf 25 neue Arbeitsplätze. "Wir werden die Mitarbeiter gut bezahlen, das heißt, jede Bereitschaftsstunde normal bezahlen." Christoph Lemke-Pensel sieht darin auch eine Chance für "Mitarbeiter in fortgeschrittenem Alter für die Randzeiten", die sich im Tagesgeschäft vielleicht nicht mehr so aufgehoben fühlen.

Sehr jung und frisch zweifache Mutter ist die zukünftige Leiterin der Kita Hochfeld, Svenja Mix. Ab Januar wird die Soziologin und Gesundheitspädagogin an der Hochfelder Landstraße loslegen. Sie ermuntert, Erzieher und Pädagogen, sich ab September zu bewerben, denn "die haben die Möglichkeit, sich wirklich einzubringen". Als Herausforderung betrachtet Mix, die Bindungen zwischen Mitarbeitern und Kindern gedeihen zu lassen, obwohl sie zu unterschiedlichen Zeiten kommen und gehen. Gemeinsame Rituale und ein Bildungsprogramm für den gesamten Tag sollen dabei helfen.

Keine Fortschritte ohne Rückschritte: Der Bau, der mit 2,4 Millionen Euro angesetzt war, ist laut Brigitte Handler um 300000 Euro teurer geworden. Wegen des harten Winters.

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