Die Uni-Schuhputzmaschine

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shz.de von
09. November 2013, 00:34 Uhr

Der Flensburger Professor Herbert Zickfeld gilt nicht nur als erfahrener Hochschulmanager, sondern auch als ein Präsident, der seinen Spezialisten in den Fachhochschulinstituten fast jeden Wunsch von den Lippen ablesen kann – vor allem, wenn es um hilfreiches zukunftsträchtiges Equipment für das technologische Vorankommen geht. So wundert es nicht, dass Zickfeld zum Start der Flensburger Kurzfilmtage diese Woche von Moderator Jim Lacy als Schleswig-Holsteins bester Hochschulpräsident vorgestellt wurde. Nur, dass dem Animations- und Experimentalfilmer Lacy, der bereits im vierten Semester an der FH Medieninformatik lehrt, keine Schuhputzmaschine für schlappe 542 Euro bewilligt wird, das verwundert doch. Ist die FH mit ihren mittlerweile mehr als 4000 Studierenden dafür nicht groß genug? Oder tragen Fachhochschulstudenten überwiegend Fußkleidung, die so leicht und luftig ist, dass sie herber Bürstentechnik nicht gewachsen wäre?

Vielleicht muss die Frage doch grundsätzlicher, also im größeren Zusammenhang bewegt werden, wie der Besuch des Landeskabinetts am Dienstag in Flensburg belegte. Als Ministerpräsident Torsten Albig seinen Betriebsbesuch bei der Krones AG 15 Minuten überzogen hatte, beeilte er sich entschuldigend: „Ich muss jetzt zu Professor Trill an die Uni. “ Natürlich lehrt der Wirtschaftsprofessor Roland Trill (E-Health, Krankenhausmanagement) an der Fachhochschule – mit überregionaler Ausstrahlung. Wenn es kurz oder schnell gehen muss, wird aus dem Hochschulcampus mit Universität und Fachhochschule eben – „die Uni“. Da ist der Ministerpräsident kein Einzelfall.

Andererseits nennt sich die Fachhochschule selbst „University“ – University of Applied Sciences, also Hochschule der angewandten Wissenschaften. Und anderswo sind aus ähnlicher Historie eine PH und eine FH auch zu einer Uni zusammengewachsen, in Lüneburg zum Beispiel. Und da auch Ministerin Waltraud Wende nicht müde wird, die Zukunft des Flensburger Campus als Europa-Uni weichzuzeichnen, führt am Markennamen „Uni“ wohl sowieso kein Weg mehr vorbei. Es gab zwar in Flensburg auch mal einen Tourismus-Manager, der für den Sandberg den Titel Ostsee-Campus erfunden hatte. Doch der scheiterte an einem Dienstwagen.

Wie auch immer, eine einzige größere Uni hätte mit Lehrerbildung, Wirtschaft und Technik nicht nur über 8000 Studierende, sondern bestimmt auch 542 Euro übrig für eine Schuhputzmaschine.

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