Hofkultur-Festival in Flensburg : Die triumphierenden Trompeten

Überzeugen mit reinen Tönen und Klängen, die an Kaffeemaschine und Didgeridoo  erinnern – oder in Trance versetzen könnten: Musiker des  Melbourne Brass Ensembles.
Überzeugen mit reinen Tönen und Klängen, die an Kaffeemaschine und Didgeridoo erinnern – oder in Trance versetzen könnten: Musiker des Melbourne Brass Ensembles.

Das Melbourne Brass Ensemble begeistert in der Zentralbibliothek – und gastiert am Donnerstag noch einmal in Sonderburg.

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21. Juli 2014, 11:08 Uhr

Der erste Gedanke: Sind die jung. Der zweite: Sind die gut. Triumphierend und klar klingen die Trompeten des ersten Stücks „Olympic and fanfare theme“ von John Williams, satt und harmonisch die Tiefen. Zwischen 18 und 25 Jahre alt sind die Bläser des Melbourne Brass Ensembles – ausgenommen die beiden erfahreneren Köpfe Joel Brennan und Don Immel. Und es sind die besten zwölf Studenten des Melbourne Conservatorium of Music, die den weiten Weg aus Australien in den Hof der Dänischen Zentralbibliothek nach Flensburg gemacht haben und für zwei Wochen in der Region bleiben. Nicht nur, um als Gast der Hofkultur (am Freitag) aufzutreten, sondern auch um bei der Sommerakademie für Blechbläser im dänischen Gråsten (Gravenstein) noch mehr zu lernen.

Posaunist Don Immel, der im Wechsel mit Brennan dirigiert, aber auch selbst zum Instrument greift, erklärt die Hintergründe der Stücke wie auch des Besuchs. Zunächst auf Dänisch. Das spricht der sympathische Kalifornier, weil er Posaunist des Sonderjylland Symfoniorkesters war und hier spürbar immer noch ein bisschen zu Hause ist. Mancher im Publikum ist dennoch vermutlich so erleichtert wie Immel selbst, als dieser seine Moderation auf Englisch fortsetzt. Denn keineswegs jeder der 150 Zuschauer versteht Dänisch. Um die Pointe einer Anekdote über das Talent aus Hongkong indes zu verstehen, genügt es sicher: Immel verrät, dass der junge Mann an der Tuba als eher zurückhaltend gelte. Doch auf dem Flug nach Kopenhagen sei der Student aus Hongkong nicht wiederzuerkennen, sondern ständig in Bewegung gewesen, hätte sich pausenlos umgesehen. „Sein Name ist Lai Tak“, löst Immel auf, und das klinge eben wie „Nej, tak“. Später bei einem tragenden Part unterstreicht Lai Tak Chun eindrucksvoll, dass stille Wasser tief sind.

Die andere Ausnahme im australischen Ensemble bildet Mads Sørensen. Den dänischen Trompeter nennt Don Immel als einen der Gründe dafür, dass dieses „ein besonderes Konzert“ sei. Nach einem Jahr der Ausbildung in Melbourne werde Sørensen nach der Tour nach Freiburg gehen. Er verabschiedet sich später als Solist mit der heimlichen dänischen Nationalhymne.

Vielfalt ist das Kennzeichen des Repertoires der Blechbläser und der Wille, neue Wege zu gehen, sich auszuprobieren, all das auf makellosem Niveau. Dieser Ansatz klingt auch zwischen den Zeilen Joel Brennans hervor, als der nur vermuten kann, warum ausgerechnet zwei US-Amerikaner ein australisches Hochschul-Ensemble dirigieren.

Leonard Bernsteins „Somewhere“, warm und erhaben präsentiert, erfreut die Konzertbesucher ebenso wie das Tannhäuser-Arrangement. Doch insbesondere australische Komponisten finden Würdigung. „Cross sections“ ist der Titel eines Stücks von Katy Abbott, das auch Klänge enthält, die eher nach Kaffeemaschine klingen denn nach Posaune, warnt Joel Brennan. Tatsächlich hört mancher auch ein Didgeridoo und erzeugen Echo-Effekte fast eine Trance-Stimmung. In „Hope“, dem letzten von drei Teilen des Werks „Winmalee Mourning“ des Australiers Paul Terracini, beweisen beide Leiter der Gruppe ihre einfühlsame Virtuosität als Solisten. Das Stück zum Gedenken an die Opfer der Buschfeuer um Sydney im Vorjahr hat Melbourne Brass dort erst in diesem Monat bei einem Festival uraufgeführt. So viel Exklusivität und Güte ist den Zuschauern in Flensburg bewusst. Als ihr Applaus nicht enden will, bekommen sie noch eine Polka für den Heimweg.

Wer das Melbourne Brass Ensemble nochmal erleben will, hat beim Abschlusskonzert der Sommerakademie Gelegenheit: 24. Juli, 20 Uhr, im Schloss Sonderburg – bei freiem Eintritt.

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