Flensburg : Die Tage des Schuppens sind gezählt

Wird abgerissen: Der alte Schuppen. Foto: Staudt
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Wird abgerissen: Der alte Schuppen. Foto: Staudt

Am Flensburger Ballastkai hat der Abriss des Kailagerhauses begonnen. Nachdem die Pläne für ein Hotel an dieser Stelle gescheitert waren, soll hier nun das Wohn-Büro-Gebäude "Klarschiff" entstehen. Die Interessengemeinschaft Ostufer hat damit ihren Kampf für den Erhalt des alten Schuppens verloren.

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21. August 2008, 08:01 Uhr

Flensburg | Der Abriss des Hafenschuppens ist gleichzeitig der erste Schritt zur Umsetzung des Bauprojektes "Klarschiff" aus der Feder des Flensburger Architekten Laust Lorenzen. Zwei Wochen wird der Abriss etwa dauern, gestern wurde mit der Entkernung - dem Ausbau der "Innereien" des Gebäudes - begonnen. Der Bau eines Gerüstes an der Ostseite des Schuppens sollte nicht mit dem Beginn der Sanierung verwechselt werden: Das Gerüst ist erforderlich, um vor dem Abbruch der Grundmauern das Dach des Schuppens abzutragen.
Mit dem Abriss werden nach jahrelanger Diskussion und wechselnden Planungen erstmals Tatsachen geschaffen. Das jetzt geplante Bauvorhaben "Klarschiff" wurde erstmals im Januar 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt: Vier Stockwerke, "schiffige Formen", Büro- und Wohnnutzung, Tiefgarage, Verlegung der Mündung des Lautrupbaches nach Norden. Im Mai 2007 war die ursprüngliche Planung eines Hotel-Hochhauses kurz vor der endgültigen Genehmigung von der Ratsversammlung mit den Stimmen von SPD, SSW und Grünen gekippt worden. Diese Planung hatte zuvor erheblichen Widerspruch aus der Bevölkerung hervorgerufen.
Der Verkauf des Grundstücks wurde kontrovers diskutiert
Die beiden Flensburger Investoren des Hotelprojekte, Hermann Höft und Gerd Theilen, sind jetzt auch Bauherrn des alternativen Projektes. Sie hatten das Grundstück mit dem Schuppen mittlerweile erworben. Auch der Verkauf des Grundstücks wurde kontrovers diskutiert; auch Vertreter der jetzigen Mehrheitsfraktion im Rat, der WiF, hatten sich massiv gegen den Verkauf ausgesprochen.
Zu Beginn des Jahres scheiterte die IG Ostufer mit ihrem Antrag, den Schuppen unter Denkmalschutz zu stellen, um auf diese Weise Abriss und Neubau zu verhindern. Sowohl das Landesamt für Denkmalpflege als auch der Denkmalrat hatten es abgelehnt, den Schuppen, der 1922 von Fahrensodde an seinen jetzigen Standort verlagert worden war, unter Schutz zu stellen.
Der Neubau wird 20 Meter niedriger sein als das ursprünglich geplante Hotel
Gestern versammelte sich ein rundes Dutzend Mitglieder am Schuppen, um ihrer Ablehnung des Projektes noch einmal Ausdruck zu verleihen. "Traurig" sei man, sagte etwa Andreas Meding; mit dem Abriss werde eine einmalige Chance für die Stadt verpasst. Die IG Ostufer hatte vorgeschlagen, den Schuppen zu sanieren und in eine Markthalle für regionale Produkte mit Gastronomie zu verwandeln. "Hier wird ein Kleinod vernichtet", sagte Bärbel Leuendorf.
Mit knapp 14 Metern Höhe wird der Neubau nach Fertigstellung rund vier Meter höher sein als der alte Schuppen, dafür aber 20 Meter niedriger als das für dieses Grundstück geplante Hotel, das der Rat im Mai 2007 nach monatelanger Diskussion gekippt hatte. Die IG Ostufer hat nach eigenen Angaben in vier Wochen 3700 Unterschriften gegen dieses Bauprojekt gesammelt.

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