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Flensburger Tageblatt

21. August 2017 | 12:45 Uhr

Wrangelstraße 4 : Die Stadt greift ein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Jahren verkommt ein Mehrfamilienhaus auf der Westlichen Höhe. Behörden schließen jetzt ein Instandsetzungsgebot für das marode „Geisterhaus“ nicht aus.

Flensburg | Die Wrangelstraße 4 – ein Spekulationsobjekt? Das Geisterhaus auf der Westlichen Höhe spukt nicht nur in den Köpfen aufgeschreckter Nachbarn herum. Auch die Stadt hat jetzt verstärkt ein Auge auf das denkmalgeschützte, unbewohnte Gebäude geworfen, das dem Verfall preisgegeben ist.

Der Schwamm nistet dort seit Jahrzehnten. Im Innern finden sich, wie berichtet, verrottete Fußböden, zertrümmerte Waschbecken, demolierte Duschen. „Wir führen eine dicke Akte mit Vandalismusschäden“, sagt Eiko Wenzel, Leiter der Bauordnung. Man spürt: Seine Geduld ist arg strapaziert. Und es könnte nicht mehr lange dauern, bis die Stadt dem Eigentümer die Daumenschrauben anlegt.

Die Baugenehmigung wurde im Dezember 2010 erteilt – die Frist läuft zum Jahresende aus, mit der Option auf Verlängerung. Ob die städtischen Behörden so lange still halten werden, ist fraglich. „Wir haben das Gefühl, dass es dem Eigentümer nicht gelingt, einen geeigneten Investor zu finden. Geplant sind (oder waren) sieben Wohneinheiten in dem Gebäude, dass derzeit 24 Einzimmerwohnungen, oder das, was davon übrig ist, beherbergt.

In einer Informationsbroschüre der zuständigen Hausverwaltung an potenzielle Käufer ist davon die Rede, dass hinter wunderschöner Fassade „ab Oktober 2010 sehr hochwertig ausgestattete Eigentumswohnungen mit eigenem Stellplatz“ entstehen sollen. Preis der günstigsten Wohnung: gut 300 000. „An der Konzeption an sich ist nicht auszusetzen“, sagt Eiko Wenzel, „der Bauherr könnte sofort loslegen.“ Woher die Blockade rühre, entziehe sich seiner Kenntnis. „Wir kennen die Hintergründe nicht. Das ist undurchschaubar.“

Die Stadt will den Niedergang des 1885 von dem Flensburger Architekten Alexander Wilhelm Prale entworfenen Kulturdenkmals mit besonderer Bedeutung jedoch nicht tatenlos mit ansehen. „Die Hoffnung, dass das Baurecht wahrgenommen werde, habe sich zerschlagen und man werde nunmehr alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, heißt es aus dem Rathaus. Denkbar sei etwa, ein Instandsetzungsgebot anzudrohen, um zumindest den schleichenden Verfall zu stoppen. Die Maßnahme indes käme reichlich spät. Denn durch die Umbauten und Verwüstungen hinter der einst schmucken Fassade ist das Innere aus denkmalpflegerischer Sicht völlig belanglos geworden. „Da gibt es nichts mehr zu retten“, sagt Wenzel, „wir können nur noch das Gesicht zur Wrangelstraße wahren.“

Wie kann die Stadt gegensteuern, wenn der Eigentümer einen Abbruchantrag stellt? „Dann“, so Wenzel, „können wir das Gebäude durch einen Eintrag ins Denkmalbuch dauerhaft sichern.“ Und dann gibt es ja noch die Erhaltungssatzung. „Und die lässt sich nicht ohne Weiteres aushebeln.“

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erstellt am 21.Sep.2013 | 12:20 Uhr

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