zur Navigation springen

Keine Seilbahn : Die Spielplatz-Posse von Harrislee

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Den Kindern wird eine Seilbahn an der Straße Nörrmark versprochen, seitenverkehrt aufgebaut und nach Anwohnerprotesten wieder abgerissen.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 18:12 Uhr

Flensburg | Ein Neubaugebiet, viele Familien mit Kindern, kein Spielplatz. Da hatten findige Köpfe in der Gemeindeverwaltung eine Idee: Man wolle, so der Plan, die Kleinen an der Konzeption für einen neuen Spielplatz zwischen den Arealen Nörrmark 1 und 2 beteiligen. So wurde vor einem Jahr ein Workshop mit den Nutzern in spe abgehalten. Auch die zwölfjährige Lara war dabei – und wie viele ihrer Spielkameraden stand ein Wunsch an erster Stelle: die Attraktion, eine Seilbahn!

Tatsächlich wurde am Ende der Findungsphase den Kindern eine Seilbahn versprochen – nebst Nestschaukel, Klettergerüst, Drehscheibe „Supernova“. Sogar ein kleiner Bolzplatz. Nur ein Trampolin, das wurde abgelehnt.

„Die Kinder waren euphorisch“, erinnert sich Tanja Petersen-Knutzen, Mutter von Lara. Nach den Sommerferien sollte alles fertig sein. Bürgermeister Martin Ellermann habe eine Eröffnungsfeier angekündigt, mit Würstchen und Getränken gratis für alle Kinder. Doch dazu sollte es nicht kommen.  .  .

Im Juli bereits war der Spielplatz nahezu fertig – inklusive Seilbahn, versteht sich. Doch die Verwunderung war allenthalben groß, dass er nicht freigegeben wurde. Der Rasen war bereits eingesät, doch es passierte – nichts! „Plötzlich aber tauchten die Bagger wieder auf“, sagt Tanja Petersen-Knutzen.

Eine Landschaftsbaufirma riss im Auftrag der Gemeinde die bereits einbetonierte Seilbahn kurzerhand wieder ab. Der Bauzaun verschwand, ein Wall wurde aufgeschüttet. „Alles war wieder kaputt“, sagt die enttäuschte Mutter, einer Mondlandschaft gleich. „Unsere Kinder waren traurig, konnten das Ganze nicht verstehen.“ Die Gerüchteküche begann zu brodeln. Demnach sei der Abriss wegen Beschwerden der Eigentümer aus den benachbarten Stadtvillen verfügt worden, die sich wegen des zu erwartenden Lärms sorgten.

Nach Tageblatt-Informationen belaufen sich die Kosten für Material, Aufbau und Demontage auf über 30.000 Euro. Ein Betrag, den selbst die wohlhabende Gemeinde Harrislee nicht mit einem Griff in die Portokasse bezahlen kann.

Spätestens jetzt führt der Weg nach Schilda. Denn nach Recherchen der Anwohner im Internet soll der Plan versehentlich seitenverkehrt und in verkleinerter Form umgesetzt worden sein. Erst dadurch sei die Seilbahn bis auf wenige Meter an die Villen herangerückt. Ein Verschulden der Verwaltung, des Architekten, der ausführenden Firma? „Da hat die Bauaufsicht wohl geschlafen“, vermutet Anwohner Rainer Schmidt. Im Bauausschuss wurde nachgebohrt. „Dort mauerten die Mitglieder“, heißt es.

Auf Nachfrage lieferte dazu gestern Kai Dummann-Kopf, Leiter der Abteilung Gemeindeentwicklung, eine verblüffende Erklärung. So habe es zunächst verschiedene Varianten der Ausführung gegeben. „Und wir haben schließlich eine Lösung gewählt, die sich vom Reißbrett nicht so gut auf die Realität übertragen ließ.“ Einige Aspekte seien „nicht zu 100 Prozent bedacht worden“.

Wie auch immer: Als man feststellte, dass die Kinder, sollten sie einmal von der Seilbahn fallen, direkt in die Nachbargärten plumpsen würden, zog man die Reißleine. „Wir können die Enttäuschung der Kinder natürlich verstehen.“ Warum aber sind Anwohner nicht über den jeweiligen Sachstand unterrichtet worden? Dummann-Kopf: „Wir können nicht bei jedem Handschlag, den die Gemeinde tut, große Kommunikationswege beschreiten.“

Jetzt gibt es einen neuen Anlauf: Am Dienstag hat die Gemeinde mit einem Aufstellungsbeschluss eine Änderung des B-Plans auf den Weg gebracht. Jetzt sind nur noch wenige Hürden zu nehmen, bis die Seilbahn auf einer öffentlichen Grünfläche ganz in der Nähe entfernt errichtet werden kann. Am 18. Januar naht der Entwurfs- und Auslegungsbeschluss, es folgen die Bekanntgabe und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, Anfang Februar die öffentliche Auslegung, bevor der Bauausschuss in seiner März-Sitzung, sollte alles reibungslos verlaufen, einen entsprechenden Beschluss fassen wird.

Somit könnte die Seilbahn im April, spätestens Mai festlich eingeweiht werden. Wenn ... ja wenn ein Anwohner nicht bereits angekündigt hätte, dagegen rechtliche Schritte einzuleiten. Nach einer einstweiligen Anordnung dürfte es nur noch wenige Jahre dauern, bis den Kindern ihre versprochenes Geschenk übergeben wird.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen