Ein Augenzeuge berichtet : Die silberne Zigarre über Gut Buckhagen

95 Jahre alt und ein Zeitzeuge der Zeppelin-Ära: Paul von Schiller.
95 Jahre alt und ein Zeitzeuge der Zeppelin-Ära: Paul von Schiller.

Paul von Schiller spricht heute im Nordertor über Graf Zeppelin und seinen Onkel, einen Kapitän der Luftfahrt

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10. August 2018, 07:02 Uhr

Paul von Schiller lebt zwischen Kappeln und Flensburg in Rabel, ist 95 Jahre alt und hatte einen Onkel, der Kapitän auf der Graf Zeppelin war. Er ist fraglos einer der wenigen lebenden Augenzeugen, die noch einen Zeppelin in der Luft gesehen haben. „Eine silberne Zigarre über unserem Haus auf Gut Buckhagen, ich war sechs Jahre alt“, so von Schiller über einen Abend Ende der 20er Jahre. Heute spricht er im Nordertor anlässlich der Jubiläumsveranstaltung „150 Jahre Hugo Eckener“.

Eckener, ein Flensburger Kind, war quasi der Nachfolger des legendären Ferdinand Graf von Zeppelin, der schon früh starb (1917) und die Blüte der Luftfahrtschiffe bis zum Absturz der Hindenburg in Lakehurst (1937) nicht selbst erlebte. Paul von Schiller indes erinnert sich trotz der vielen Jahrzehnte, die ins Land gegangen sind: „Ich weiß noch, wie ein Zeppelin über Rabel flog, ich stand am Fenster im 1. Stock und hatte Angst, runter zu fallen, weil ich mich weit aus dem Fenster gelehnt habe.“ Die historischen Bilder im Kopf wird der 95-Jährige heute Abend für 20 Minuten vor allen Besuchern während der Eckener-Ausstellung wachrütteln und sicher den einen oder anderen zum Staunen bringen (Beginn 19 Uhr).

„Mein Onkel Hans von Schiller war Flugkapitän im Zeppelin, ich habe extra in seine Bücher geschaut, um mir noch einmal die wichtigsten Dinge in Erinnerung zu rufen“, so von Schiller. In diesem Jahr hatte er bereits beim Flensburger Rotary-Club einen Einblick in das Leben seines Onkels gegeben. „Mein Vater war im Krieg gefallen und mein Onkel hat mich in der frühen Phase meines Lebens geprägt“, weiß er zu berichten. Paul von Schiller, der bereits mit 20 Jahren den heimischen Hof auf Gut Buckhagen übernehmen musste, obwohl er einen weitaus stärkeren Hang zu technischen Tätigkeiten entwickelt hatte („Kühe zu melken, fand ich nicht so erstrebenswert“), ließ sich sein Interesse für die Luftfahrt natürlich nicht nehmen.

Er besuchte seinen Onkel am Bodensee in den Ferien und erfuhr viel von dem „Abenteurer“. Denn Hans von Schiller wurde nach dem Krieg ein Pionier der Luftreisen. Auf mehr als 20 Zeppelinen legte er rund eine Million Kilometer zurück, umrundete noch vor dem Zweiten Weltkrieg als Navigationsoffizier unter Hugo Eckener die Welt und arbeite später in Köln als Kommandant auf einem Flughafen. Paul von Schiller über seinen Onkel: „Er hat mir mal erzählt, wie er den Absturz der Hindenburg in Lakehurst erlebt hat. Hans von Schiller war selbst mit Passagieren in einem Zeppelin unterwegs und behielt die Nachricht, die ihn per Funk erreichte, bis zur Landung für sich, um jeden Anflug von Panik an Bord zu verhindern.“

Der 95-Jährige will heute Abend diese Bezüge zum Leben seines Onkels in den 20-minütigen Vortrag packen. „Letztendlich ist er durch Hugo Eckener zur Luftfahrt gekommen und hat viele Reisen allein zur Erkundung der Flugsicherheit unternommen“, so der agile Rentner rückblickend. Ein wenig wird Paul von Schiller vielleicht auch aus seinem Leben berichten: die Monate am Bodensee, erste Kontakte zu den Firmen Maybach und Dornier, aber auch über das Leben auf Gut Buckhagen, sein erstes Motorrad, seine Stunden auf dem Mähdrescher, die Zeiten, als der Hof noch 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Arbeit gab und er mit seiner Frau und den drei Kindern das Landleben organisierte.




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