Schifffahrtsmuseum Flensburg : Die sieben Leben der „Feuerland“

Feuer und Flammefür die Feuerland: (v.l.) Mit-Entdeckerin Carola Buchner, Museumschefin Susanne Grigull, Förderer Jens Fiedler und der Dithmarscher Rainer Prüß.
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Feuer und Flammefür die Feuerland: (v.l.) Mit-Entdeckerin Carola Buchner, Museumschefin Susanne Grigull, Förderer Jens Fiedler und der Dithmarscher Rainer Prüß.

Schifffahrtsmuseum eröffnet am Sonntag Sonderausstellung über die Abenteuer eines Büsumer Fischkutters in den „Furious Fifties“

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18. August 2018, 06:31 Uhr

Es ist die Ausstellung mit der kürzesten Vorlaufzeit und ihr zentrales Thema liegt gegenüber auf der anderen Seite der Schiffbrücke. Am Sonntag um 11.30 Uhr beginnt mit dem Grußwort des Landeskonservators Dr. Michael Parmann im Schifffahrtsmuseum eine Reise durch wilde Zeiten in eine raue Welt zu einem tapferen Schiff: der „Feuerland“.

Gegenüber auf der Museumswerft liegt der Rumpf eines Büsumer Nordseekutters von 1927, der die längste Zeit an der wilden Nordspitze Amerikas unterwegs war. Sicher würde niemand über das kleine Schiffchen viel Aufhebens machen, hätte es nicht einen berühmten Erstbesitzer gehabt: Gunther Plüschow (1886-1931), Abenteurer, Kampfflieger, Forscher, der mit seiner kühnen Flugvermessung des Feuerland-Archipels in Südamerika und im deutschsprachigen Raum Heldenstatus genoss – und besonders in Argentinien und Chile noch genießt.

Carola Buchner und ihr damaliger Mann Bernd entdeckten die Feuerland, die „kleine Holzpantine“, wie Plüschow die segelnde Expeditionsbasis nannte, während einer Kreuzfahrt auf den Falklandinseln und sorgten für ihre Heimkehr. Seit dem Frühjahr liegt sie als offizielles Denkmal des Landes Schleswig-Holstein in der Museumswerft, wo sie in Regie des Förderkreises Expeditionsschiff Feuerland restauriert werden soll. Gegenüber, im Schifffahrtsmuseum, rekonstruierte Sabine Grigull den Teil der Schiffsgeschichte, der außerhalb des Rampenlichts spielt, aber mindestens ebenso spannend und sehr detailreich aufbereitet ist.

Unterstützt wurde sie vom Spezialisten für Kulturkonzepte und Miterfinder des Museumshafens, Rainer Prüß. Zur Schnitzeljagd durch die sieben Leben der Feuerland steuerte er nicht nur das markante Plakat bei (das wegen großer Nachfrage schon jetzt nachgedruckt werden muss), er sorgte auch dafür, dass Susanne Grigull, die hauptsächlich mit Bild und Textmaterial arbeiten musste, auch plastisch werden konnte. Die gestern noch fertiggestellte Doppelkoje aus dem Mannschaftsquartier erzählt von der Enge an Bord, das Modell von Plüschows fragiler Heinkel HD 24 W trieb Prüß im Landesmuseum in Wismar auf, auf einem Monitor laufen Dokumentationsfilme des Forschers über seine Expeditionen in der damaligen terra incognita. Die Flensburger Bildhauerin Luise Harfmann stellte einen Pinguin (samt Eisscholle) und ein Schaf auf die Beine. Illustration nicht nur für das Einsatzgebiet in den „furious fifties“, sondern auch für den Schiffsalltag. Deck und Laderaum der „Feuerland“ beförderten Schafe, Füchse, Straußvögel und einmal – im wohl höchst dramatischen Moment im Falkland-Krieg – 21 Schulkinder, die vor den anrückenden Argentiniern in Sicherheit gebracht werden sollten und ins Visier eines Harrier-Kampfjets gerieten. Das Kopfkissen eines Kindes soll als rettende weiße Fahne gedient haben.

„Es ist die Geschichte eines tapferen kleinen Schiffes“, sagt Grigull. Ein Schiff, das stets auch für menschliche Momente gut war. Der mit jener Frau in Buenos Aires beispielsweise, die 2003 beim Anblick der Feuerland in Tränen ausbrach, weil das während des Kriegs kurze Zeit für Argentinien fahrende Schiff bei einem Angriff der Briten für ihren Sohn die tödlichen Kugeln abgefangen habe. Oder die Militär Attachés der einander nicht sonderlich wohlgesonnenen Staaten Chile und Argentinien, die anlässlich der Ankunft der Feuerland in Büsum einander in die Arme fielen – Auftakt zu einem feucht fröhlichen Abend.

Puristen bemängeln, ein Dithmarscher Nordseekutter gehöre nicht nach Flensburg. Aber Rainer Prüß, der das museal-maritime Flensburg in vielen Jahren entscheidend mitgeprägt hat, ein Dithmarscher übrigens, widerspricht. Plüschow war in Flensburg stationiert! Seine Biografie führt in die Seefliegerstation Fahrensodde und zur Marineschule Mürwik. Die Feuerland, ganz klar, ein schleswig-holsteinisches Denkmal.

Die Ausstellung ist bis zum 3. März 2019 zu sehen.

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