„Mint“ in Flensburg : Die Show der kleinen Wissenschaftler

Versuch macht klug: Die Waldschüler haben herausgefunden, dass sich ein rotierendes Rad weniger leicht zur Seite kippen lässt als ein ruhendes Rad.
Versuch macht klug: Die Waldschüler haben herausgefunden, dass sich ein rotierendes Rad weniger leicht zur Seite kippen lässt als ein ruhendes Rad.

Ein Jahr nach Einführung der „Mint“-Jahreskarte zieht die Phänomenta eine positive Bilanz. 1600 Schüler besuchten das Science-Museum.

shz.de von
03. Juli 2014, 13:08 Uhr

Das Schuljahr ist so gut wie vorüber. Doch es war ein ganz anderes als die vorangegangenen. Der Unterricht wurde durch ein vorbildliches Pilotprojekt begleitet. Erstmals griff die Phänomenta in das Geschehen ein – als außerschulischer Lernort für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik („Mint“).

24 von 31 Flensburger Schulen haben auf das Angebot zurückgegriffen. „1600 Schüler waren beteiligt“, freute sich Achim Englert, Chef des Science-Centers. Auch viele mit Migrationshintergrund. „Sie wachsen in etwas hinein, was sie aus ihrem Milieu nicht unbedingt kennen.“ Und er kündigte an: „Wir wollen diese Zahl noch höher treiben.“

Möglich gemacht hat das Angebot die Mint-Jahreskarte: Zum Preis von einmalig drei Euro pro Schulkind kann ein gesamter Jahrgang zwölf Monate lang die Einrichtung besuchen – dank einer Vielzahl von Unterstützern. Der Arbeitgeberverband gehört dazu. „Wir haben die Voraussetzungen für ein Sponsoring geprüft“, sagt Justititiar Christian Jaekel, „und sind zu dem Schluss gekommen, dass ein solches Projekt durchaus im Interesse der regionalen Wirtschaft liegt.“ Man dürfe sich nicht einfach nur über den Fachkräftemangel beklagen oder über schwierige Azubis. „Die Weichen für die Zukunft müssen früh gestellt werden, da ziehen wir gern mit.“ Die Finanzierung ist aktuell für zwei weitere Schuljahre gesichert, doch Jaekel ließ durchblicken, dass man sich das Engagement auch darüber hinaus vorstellen könne. Balsam für die Ohren von Achim Englert, der betonte, dass die Idee unmöglich aus Eigenmitteln weiter Bestand haben könne. „Betriebswirtschaftlich ist das Harakiri.“ Am liebsten würde der Geschäftsführer das Angebot gänzlich kostenfrei für alle Klassen in Flensburg und darüber hinaus vorhalten. „Doch öffentliche Zuschüsse sind gegenwärtig utopisch“, sagte er. Dafür seien mindestens 300 000 Euro pro Jahr erforderlich.

Schulrat Hans Stäcker fand nur positive Worte. Kinder, die fern von Naturwissenschaften sind, kämen nun auf spielerische Weise dahin. So werde eine Brücke zu den weiterführenden Schulen gebaut. „Und später werden diese Fächer verstärkt in die Berufswahl einbezogen.“ Das sieht auch Volker Masuhr, Leiter der Waldschule, so: „Es ist grundsätzlich richtig, wenn Schule in Kontakt mit Profis kommt.“ Das gelte nicht nur für Wissenschaft und Technik, sondern auch für Sport und Kunst.

Fast täglich sah man im Schuljahr 2013/14 Lehrer mit ihren Klassen in der Einrichtung am Nordertor. Nicht nur in der Schulzeit, auch am Nachmittag wurde die Gelegenheit zum Experimentieren genutzt. Eine Kostprobe dessen, was alles aus der Jahreskarten-Initiative heraus entstehen kann, wurde gestern von Viertklässlern der Waldschule präsentiert. Die Schüler hatten zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Andrea Kliem eine galant moderierte Science Show entwickelt, die sie auf der Empore im „Saal des Lichts“ vor Publikum aufführten. Dafür gab es viel Applaus, auch wenn nicht alles auf Anhieb klappte. „Die Mädchen und Jungs waren aufgeregt, aber von Anfang an begeistert dabei“, sagte Andrea Kliem. „Sonst sind sie von PC und Playstation ja kaum wegzukriegen.“








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