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Flensburger Tageblatt

23. November 2017 | 21:43 Uhr

Die schrille Emmy in elf Stationen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Heimathafen: Emmy Hennings – ein Leben am Rande von Dada“ thematisiert das Leben einer Flensburgerin, der diese Stadt nie Heimat war

Das ist spannend: auf der Flensburger Kleinen Bühne des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters ist das Stück „Heimathafen: Emmy Hennings – ein Leben am Rande von Dada“ aufgeführt worden. Emmy wurde 1885 in Flensburg geboren, doch ist ihr diese Stadt nie Heimat geworden, denn die angehende Schauspielerin sehnte sich nach Freiheit und Abenteuer. Emmys wild bewegtes Leben führte über München und Zürich, wo sie zahlreiche Künstler und Hugo Ball kennenlernte. Mit ihm zog sie ins Tessin in die Nachbarschaft von Hermann Hesse, schrieb Gedichte und Romane und später auch Biografien über ihr Leben mit Hugo Ball. Nach vielen Reisen starb sie im Jahr 1948.

In elf Stationen wird das Leben der Schauspielerin erzählt, am Klavier begleitet von dem Schauspielkapellmeister des Landestheaters Dietrich Bartsch, der Vertonungen von Emmys Gedichten mit dem Erzählten geschmeidig verbindet. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen deutschem Chanson und einfach-harmonischen Liedern, die liebenswert-naive Seite der Künstlerin hervorhebend. Emmy Hennings verkörperte gerne ihre „Vielfachheiten“, denen aber eine Ernsthaftigkeit zugrunde lag, die auch ihren späteren Übertritt in die katholische Kirche begründete. In der Theater-Aufführung wird die Rastlosigkeit einer schrillen Emmy betont, die unter dem Einfluss von Morphium in halluzinatorische Zustände abdriftet. Katrin Schlomm spielt und singt diese verletzliche Zerrissenheit überzeugend. Ihr zur Seite ein väterlich agierender Hugo Ball (Jürgen Böhm) und der lebenslange Freund Hermann Hesse. Er wird wenig profiliert dargestellt von dem jungen Schauspieler Stefan Wunder, was an der Rollenverteilung liegen mag. Die Altersverhältnisse kehren sich in diesem Stück um, denn Hesse war im richtigen Leben zehn Jahre älter als Hugo Ball und Emmy Hennings. Oder soll man sich von den bisher auch in Flensburg gesehenen Ausstellungbildern und Lesungen einfach lösen?

Einen Höhepunkt der Aufführung stellt die Station Zürich im Cabaret Voltaire dar, wo die Dadaisten einst eine neue Kunstrichtung einführten. Unübertroffen das mehrstimmige „Dada-da“ im rhythmischen Background inklusive dreierlei herrliches Katzengeschrei. Emmy selber blieb ja trotz ihres Engagements dem Dadaismus gegenüber auf Distanz. Zu viele Leute waren ihr „zu entzückt“. Diese Ernsthaftigkeit kam erst gegen Ende der Aufführung zur Geltung, als sich die Angespanntheit unvermittelt in Ruhe wandelte und dem Mystizismus in Emmys Leben Raum gab.

Das Publikum spendete reichlich Beifall.









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