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150 Jahre Flensburger Tageblatt : Die Schokolade vom Mühlenteich

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1895 eröffnete am Munketoft die Schokoladenfabrik / Als Firma Cosmos verschwand sie 1930 vom Markt

Sie hat in der Stadtgeschichte kaum Spuren hinterlassen: die Schokoladenfabrik, 1895 am Munketoft, eingeweiht. Die Suche in den Archiven wird zum Griff ins Leere. Die Produkte waren bei Naschkatzen offenbar nicht so heiß begehrt, dass die Nachfrage dem Unternehmen die Existenz über das Jahr 1930 hinaus gesichert hätte. Und der Wandel des Stadtbildes hat die alte Schokoladenfabrik inzwischen „von der Platte geputzt“. An ihrem alten Standort Munketoft wurde zukunftsweisend in den Bau von Studentenwohnungen investiert.

Der Munketoft war nicht das klassische Industriegebiet, in dem die Dampf-, Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Törsleff und Elley 1895 eröffnet wurde. Allerdings: Im dicht bebauten Stadtgebiet dürfte jedes freie Grundstück von Bauherren mit Kusshand genommen worden sein. So wohl auch vom Nachbarn der Schokoladenfabrik, der 1888 gegründeten Brauerei.

Seit alter Zeit teilte der Munketoft, als Damm aufgeschüttet für einen Reit- und Fahrweg, den Mühlenteich in den Großen und (er reichte bis zum heutigen Bahnhof) und den Kleinen Mühlenteich. Dort wurde nach dem Zuschütten das Deutsche Haus erbaut. An diesem Damm, vermutlich auf verlandetem und aufgeschüttetem Gelände, setzten die Erbauer die Schokoladenfabrik, gegenüber der heutigen Feuerwache.

Im Bauordnungsamt gibt es noch eine Akte, und darin findet sich ein Schatz: Ein Schreiben des Unternehmens, damals noch Törsleff und Elley, an das Flensburger Baupolizeiamt. Darin bittet die Firmenleitung am 27. September 1923 um „gefällige Abnahme“ der Veränderungen am Gebäude und der neu erbauten Lagerschuppen. Sehenswert an diesem Schreiben ist der Briefkopf: Er zeigt eine detaillierte Ansicht des Fabrikkomplexes an der Straße Munketoft, dahinter ein weiteres Gebäude auf dem Hof, neben dem ein rauchender Schlot steht. Aus der Stadtkulisse ragt der Turm der St.-Jürgen-Kirche. Der Briefkopf trug den Firmennamen „Kosmos-Schokoladenwerke“ und den Zusatz „Kakao-, Schokoladen- u. Zuckerwaren-Fabrikation“.

Es ist heute unbekannt, warum, aber die Kosmos-Schokoladenwerke stellten 1930 die Produktion der Süßigkeiten ein. Der Name blieb allerdings, in Zusammenhang mit Speiseeis bis in die 1970er Jahre bestehen.

Daran erinnert sich ein Flensburger Ehepaar, das von 1966 bis 1978 in der Nachbarschaft der Fabrik wohnte. Das Eis sei sehr schmackhaft gewesen und das Ehepaar schwärmt noch heute von der Hufeisen-Torte. „Immer, wenn wir Besuch bekamen, gab es eine Hufeisen-Tortevon Kosmos“, erzählen die beiden. Die dänischen Unternehmer seien nicht nur in Flensburg, sondern auch in der Umgebung unterwegs gewesen. Mit Lkw belieferten sie auf dem Land die kleinen Tante-Emma-Läden und Kioske. Das Eis wurde in Dänemark hergestellt und jede Woche nach Flensburg geliefert, erinnert sich das Paar.

1978 erfuhr die beiden, dass sie aus dem Gebäude ausziehen mussten und siedelten in eine Wohnung am Mühlendamm um. Das Gebäude sollte abgerissen werden. Dazu kam es nicht. Deshalb zogen sie im Jahr 1986 wieder zurück in ihre ehemalige Wohnung.

Dass die alten Gebäude aus dem Stadtbild verschwanden, wollte zumindest Eiko Wenzel, zuständig für Denkmalpflege in der Stadt, nicht einfach hinnehmen. In einer Stellungnahme für die städtischen Gremien verwies er nach dem Abbruchantrag auf die Einschätzung des Landesamtes für Denkmalpflege, wonach die alte Fabrik ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung sei. Allerdings war der Komplex noch nicht im Denkmalbuch eingetragen, stand noch nicht unter Schutz. Die städtischen Gremien, die den Wunsch nach Erhaltung hätten äußern können, verzichteten darauf. Der Bauherr der Studentenwohnungen, der Selbsthilfe-Bauverein, stellte fest, dass in der Fabrik nach einer Sanierung 45 Appartements für Studenten untergebracht werden konnten, in einem Neubau aber 84. Und so kam es zum Abriss. Der Neubau ist der erste Baustein des Konzeptes, das Bahnhofsviertel aufzuwerten.

 

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erstellt am 04.Apr.2015 | 12:10 Uhr

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