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Segeln: Zwölfer in Flensburg : Die schöne Anita ist wieder Single

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aus zwei mach eins: Prominente 12mR-Yacht in Flensburg umgebaut

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Schon am Karfreitag, recht früh, glitt sie wieder auf ihre angestammte Bühne: Am Karfreitag verließ die schöne „Anita“ den Werftsteg von Robbe & Berking am Harniskai mit Kurs auf ihren Heimathafen Kiel. Diese Abfahrt war anders als alle anderen in den vergangenen 63 Jahren. Nach dem Werftaufenthalt in Flensburg ist die 1938 bei Abeking & Rasmussen gebaute 12 mR-Yacht wieder vollwertiges Mitglied in einem exklusiven Klub. Sie ist wieder ein richtiger „Zwölfer“.

Für Werftleiter Sönke Stich und seine Mannschaft war es ein schiffshistorisch besonders schöner Auftrag in Wechselwirkung mit einem handwerklich besonders anspruchsvollen Auftrag. Das Schöne war, die seit 1954 als zweimastige Yawl geriggte Yacht wieder in den einmastigen Vollblüter zu verwandeln, als der „Anita“ einst konstruiert wurde. Das Anspruchsvolle ist, dass in der Flensburger Werft gleichzeitig für einen weiteren Zwölfer ein komplett neuer Mast gebaut werden muss. Der ist für Spenderin „Thea“ (Baujahr 1918) bestimmt, die an ihrem erst Anfang des Jahrtausends nachgerüsteten 30 Meter-Mast zu schwer zu tragen hatte. „Sie ist ein eher kleiner Zwölfer, ein sehr rankes Schiff mit relativ wenig Ballast“, sagt der Werftleiter. Um ihre Segeleigenschaften zu verbessern, entschied sich der Eigentümer, für seine klassische Schönheit tief in die Tasche zu greifen – und „Anita“ ein Supersonderangebot zu eröffnen. Er bestellte bei Robbe & Berking einen neuen,über 300 Kilo leichteren Mast und verkaufte den alten an den Wiesbadener Förderverein, der „Anita“ betreibt.

Seit Ostern segelt „Anita“ zur Freude der Wiesbadener jetzt wieder als Single. Zuvor hatte die Flensburger Werft die 21-Meter-Yacht auf ihren neuen, stärkeren „Windantrieb“ vorbereitet. „Wir mussten die Unterkonstruktion entsprechend verstärken und haben den Mast noch ein wenig verlängert“, sagt Sönke Stich. Statt eines geteilten Segelplans mit 156,5 Quadratmetern Segelfläche trägt die Yacht jetzt 170 Quadratmeter Tuch an einem Mast. „Sie kann das über 750 Kilo schwere Rigg gut tragen“, sagt der Bootsbaumeister. „Ich finde, das steht dem Boot wahnsinnig gut.“

Derweil arbeiten in der Werfthalle die Bootsbauer am passenden Ersatz für „Thea“, den Spender-Zwölfer. Auch wenn in Flensburg alles Handarbeit ist – die Konstruktion kommt aus einem Computer in Radolfzell am Bodensee. Dort unterhält Dipl. Ing. Juliane Hempel ihr Konstruktionsbüro, sie berechnet und zeichnet das dreidimensionale hochkomplexe Profil für Mast und Baum der klassischen Yacht. Ihre Datensätze gehen nach Flensburg zu den Bootsbauern und nach Alaska, wo John Lammerts van Bueren, Hauslieferant von Robbe & Berking wie auch von Steinway & Sons , ein Übersee-Sägewerk betreibt. „Dort wurde der Mast schon als Vorprodukt aus Alaska-Fichte gesägt“, so Stich. Seine Leute sind jetzt damit beschäftigt, den aus 80 Teilen bestehenden Bausatz zu einem 30 Meter langen Mast und dazugehörigen Baum zu veredeln.

Das hat natürlich seinen Preis. Theas Eigner muss für den Auftrag den Gegenwert eines Einfamilienhauses ansetzen, sagt Sönke Stich. Da ist Joachim Arndt sicher froh, dass er nach langer Suche auf dem Gebrauchtmastmarkt fündig geworden ist. Sein Förderverein „Freunde der Anita“ muss sparsam wirtschaften – sieht im Rückbau der Yacht die große Chance, das einmalige Boot langfristig weiter zu betreiben. Seit 50 Jahren ist die Yacht Vereinsschiff für segelbegeisterte Binnenländer, hat seither fast 300  000 Seemeilen zurückgelegt. „Anita“ war rund Island, segelte über den Polarkreis, rund England, zum Nordkap, nach Nordafrika, nach Madeira und zu den Azoren, später folgten Grönland, Spitzbergen, Bäreninsel, 1992 ging’s nach New York. „Das kommode Zweimastrigg war für diese Touren sehr praktisch“, sagt der Vorsitzende. Aber so viel Zeit und Geld haben viele junge Leute heute nicht mehr – und die will der Verein für Anita begeistern. Der Rückbau vom schnellen Familienkombi zum Sportwagen ist daher auch jungen Bedürfnissen geschuldet. „Wir werden – neben Touren – mehr Eventsegeln anbieten, kurze, sportliche Trips, Regatten, bei denen wir dann hoffentlich nicht mehr unter den letzten sind.“

Darauf muss „Anita“ nicht mehr lange warten. Am 29. Juni beginnt auf der Förde der Sterling Cup – das traditionelle Treffen der Meterklasse-Yachten. Ihr neuer Club, als waschechter Zwölfer.

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