Zeitung in der Schule : Die Sauber-Männer aus der Szene

Schrille Kunst, bodenständige Künstler: Björn Hansen (links) und Daniel Heger.
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Schrille Kunst, bodenständige Künstler: Björn Hansen (links) und Daniel Heger.

Bunte Bilder auf heruntergekommenen Wänden ärgern viele. Doch bei "Clean" sind das Augenweiden auf weißen, sauberen Wänden.

shz.de von
12. März 2009, 11:51 Uhr

Flensburg | Bunte Schriftzüge und verschmierte Bilder auf heruntergekommenen Wänden - solche Anblicke ärgern viele Flensburger. Doch "Clean" ist anders: Von weißen, sauberen Wänden leuchten dem Gast moderne, farbenfrohe Kunstwerke entgegen. Spiegelscherben, comicartige Wesen, Neonfarben, 3-D-Gebilde, schwarz-weiße, abstrakte, figürliche Malereien - all das ist Graffiti der Flensburger Künstler Björn Hansen (30) und Daniel Heger (31). Seit September 2008 zeigen die Profis der Sprühkunst in drei Räumen eines ehemaligen Kiosk in der Bismarckstraße 67 ihre Kreationen.

Locker lehnen der gebürtige Berliner Heger und der Ex-Lübecker Hansen vor dem Schaufenster. Trotz des ähnlichen Kleidungsstils - Jeans und schwarze Fleecejacke - und der Leidenschaft für Graffiti, sind der Verkäufer und der Pädagoge von Grund auf verschiedene Typen - als Menschen und als Maler. Hansen repräsentiert den "typischen" Künstler: "Mich inspiriert das ganze Leben. Durch die Arbeit an meinen Bildern veranschauliche ich meine Gefühle." Die dunklen Haare sind zu einem Zopf gebunden, hin und wieder gestikuliert er. Malen empfindet Björn Hansen als Muss, was ihm in seiner Jugend viel Ärger einbrachte. Er hatte einiges an Lehrgeld zu bezahlen, so viel, dass die Existenz seiner Familie auf dem Spiel stand. Daher ist das illegale Sprühen von Graffiti für beide Künstler heute ein Tabu, obwohl sie erklären, dass "jeder Sprüher mal illegal angefangen hat."
Künstler ohne Vorbilder
Daim aus Hamburg, Seak aus Köln, Locmit aus München - das waren die Vorbilder von Daniel Hansen, früher, als er mit dem Sprühen anfing. In der Zeit des Hip-Hop-Booms in Deutschland ist er durch Freunde zur Kunst gekommen. Manche wurden Tänzer und DJs, doch er interessierte sich für Malerei. Anfangs verdiente er noch seinen Lebensunterhalt mit dem Sprühen, doch heute hat der Verkäufer Familie und betreibt seine Kunst nur noch als Hobby. "Ich schaue mir zwar immer noch gerne Bilder anderer Künstler an, aber Vorbilder habe ich keine mehr", erklärt der Blonde, während er nebenbei seine Gemüsesuppe löffelt.

Auf die Frage, wie Anfänger am besten mit dem Sprayen beginnen, brechen beide in schallendes Gelächter aus und Hansen antwortet: "Am besten gar nicht". Ernst meint er das offenbar nicht, denn er bietet Workshops für Kinder und Jugendliche an. Allerdings ist viel Disziplin und natürlich auch zeichnerisches Talent notwendig. Das Motto: üben, üben, üben. Während Hansen das Abstrakte favorisiert, zeigt sich in Hegers Stil eher das Figürliche: Comic, Bubble-Style und 3-D.

Viel über Graffiti lernen kann man heute auch im Internet. Dort gibt es entsprechende Foren mit Diskussionen und Bildern zu diesem Thema. Graffiti ist auch in der Werbung präsent. Bekannte der beiden Wahl-Flensburger arbeiten als Grafiker in der Branche.

"Einen Konkurrenzkampf gibt es zwischen uns nicht, es ist ein Geben und Nehmen", erklären die beiden Sprayer. "Wir ergänzen uns optimal", was sich sogar in gemeinsamen Bildern ausdrückt. Graffiti kann ein saubere Sache sein. Schade nur, dass nicht mehr Menschen in den Genuss der Arbeiten kommen. "In Flensburg gibt es einfach zu wenig legale Sprühflächen", so die Künstler mit Nachdruck. Was nicht ist, kann ja noch werden. .Informationen zu Workshops und Ausstellung unter 0461-4808437

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