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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 18:31 Uhr

Die Rote Straße - richtig "schnuckelig"

vom

Stadtführungen: Jeden Dienstag geht es im August durch eine der schönsten Gassen Flensburgs

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Flensburg | Mit einem kurzen "Moin!" begrüßt Stadtführer Dieter Hankel die Gruppe, die sich vor dem prächtigen Treppengiebel des Hauses Südermarkt 12 um ihn geschart hat: "Moin kann man auch nachts um zwei sagen", fügt er für die von weiter her angereisten Urlauber fröhlich an.

Herzblut für das "sehr schöne, überschaubare Flensburg" schwingt mit, wenn der gebürtige Thüringer zur Führung in die Rote Straße einlädt, die in Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft IG Rote Straße im Juli und August jeden Dienstag angeboten wird. "Ich hab mir Flensburg ausgesucht, eine liebenswerte Stadt der zwei Kulturen", für uns das Tor zum Norden, für die Skandinavier das Tor zum Süden, erklärt Hankel und ermuntert dazu, in den Straßen auch mal nach oben zur Fülle der wunderschönen Fassaden aus allen Jahrhunderten zu schauen.

Ein Schleswig-Holstein-Himmel wie aus dem Bilderbuch mit schnell vorbeiziehenden Wolken, Sonne und tiefem Blau wölbt sich über dem Marktplatz, auf dem Hankel die Zeit der Bauernmärkte, der Postkutschenstation und der Pferdegespanne wieder aufleben lässt. Für diese hielt die Rote Straße einst den Ausspann vor, wo bis heute Stangen an das Festmachen der Pferde erinnern.

Hankel erzählt vom reichen Bauernland Angeln, zu dem die Angelburgerstraße, von den Frieslanden, in die die Friesische Straße führte. "Nein, mit rot hat die Rote Straße nichts zu tun", erklärt er, als man in die zauberhafte, zweihundert Meter lange, um 1606 gestaltete einstige Ein- und Ausgangsstraße der Stadt einbiegt: "Die Straße führte nach Schleswig durch eine Rodung". Daher der Name; "und das Rote Tor war auch rot gestrichen".

"Flensburg hat seinen Charme, eine maritime Gelassenheit", betont der Dresdener Alexander Hitziger, der seit vier Jahren hier arbeitet und gemeinsam mit den angereisten Eltern Geschichte und Kultur der Stadt erkundet: "Die Nähe zu Dänemark macht das Ganze noch lockerer und persönlicher", ergänzt er angetan. Extra für die Führung sind zwei Kielerinnen hergekommen: "Wir machen uns einen richtig schönen Urlaubstag", meint eine: "Die Innenhöfe sind schon schnuckelig".

Begeistert und neugierig wird Hof um Hof erwandert. Jeder offenbart seine eigene "hyggelige", in diesen Tagen ansteckend fröhliche Sommeratmosphäre. "Oh, hier ist das süß", meint ein Flensburg-Gast leise. Im "Roten Hof" schwanken zartrosa Stockrosen im Sommerwind. Sonnenschirme bieten kühlenden Schatten für Speis und Trank. Verführerischer Kaffeeduft der heute wie damals dort angesiedelten Kaffeerösterei empfängt die Gruppe im "Sonnenhof". "Ein tolles Flair", meint Ulla Jüngling aus Stuttgart, deren Tochter "unbedingt in Flensburg am Wasser" studieren wollte und ganz begeistert ist: "Wir sind total fasziniert! Dass der Norden doch so was bieten kann", zeigt sich die Mama überrascht vom "südländischen Ambiente" des Wein-umrankten Braaschhofes. Nur mit der Werbung hapere es: "Die Touristinformation findet man gar nicht".

Der goldig verwunschen verwinkelte Krusehof erinnert an Glasermeister Günter Kruse als den Motor der gelungenen Bürgerinitiative des bewahrten und wieder belebten Zaubers der Roten Straße. Möwen kreischen wie extra bestellt fürs rechte Flensburg-Feeling, als es auf verstecktem Weg zum liebevollen Rum-Museum geht, bevor es köstlichen Braasch-Rum zum Probieren gibt. Pur: "Das wär Sünde, ihn als Grog zu trinken".

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