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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 06:24 Uhr

Mittelangeln : Die Rehkitz-Retter von Rehberg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jakob Franzen und sein Onkel Matthias Franzen vertreiben die Tiere vor der Mahd mit Haarspray aus der Wiese.

Mittelangeln | „So ein Rehkitz ist einfach nur süß.“ Jakob Franzen kann sich nicht sattsehen an den kleinen possierlichen Tieren in der kleinen Badewanne. Heute Abend, wenn das Gras gemäht und von der Koppel abgefahren ist, wird er mit seinem Onkel Matthias Franzen die kleinen Tiere am Wiesenrand wieder aussetzen. „Die Mutter findet ihre Jungen und wird sie weiter aufziehen“, ist Matthias Franzen sicher.

Der 55-jährige selbstständige Tischlermeister aus Mittelangeln ist Jäger. Er kennt die Klagen seiner Jägerkollegen über die vielen toten Rehkitze während der Grasmahd. Während das Muttertier, durch die Geräusche der schweren Maschinen aufgeschreckt, von der Wiese flüchtet, bleiben die wenigen Tage alten Kitze im Gras liegen und werden allzu oft ein Opfer kreisender Messer. Auch Landwirt Peter Espenmüller in der Nachbarschaft ist nicht glücklich über die getöteten Tiere. Es hat schon eine Drohne im Einsatz, um aus der Luft die Standorte für die Rehkitz-Nester zu finden. Der Erfolg dieser Bemühungen aber ist eher gering.

Erfolgreicher sind Jakob und sein Onkel Matthias Franzen. Peter Espenmüller benachrichtigt Franzen, wann und wo die Grasmahd beginnt. Gemeinsam gehen Onkel und Neffe dann zu den Wiesen und schauen, wo der Kopf einer Rehmutter über das Gras schaut. Dort sammeln sie dann die kleinen Kitze ein, bis die Wiese abgemäht ist. Haben sie mehr Zeit, wird an Stangen Stoff befestigt und mit Haarspray eingesprüht. Diese Stangen werden in der Nähe der Rehkitzkinderstube eingeschlagen. Der ungewohnte Geruch sorgt dafür, dass die Rehmutter die Jungen aus dem vermeintlichen Gefahrenbereich wegholt.

Jakob, der in Langballig zur Schule geht und jedes freie Wochenende bei seinem Onkel Matthias und Oma Renate in Rehberg verbringt, liebt die Natur. Stundenlang kann er gemeinsam mit seinem Onkel die Tiere in der Natur beobachten. Oftmals ist auch Onkel Heinrich dabei, der ebenfalls Jäger ist. Da wird viel über die Jagd, aber auch die Tiere und die Natur erzählt. Inzwischen ist Jakob ein versierter Kenner der Tier- und Pflanzenwelt in dieser Region. Er hat damit vielen Gleichaltrigen etwas voraus, die sich nur noch mit Smartphone und Internet beschäftigen.

Am meisten freut sich Jakob, wenn er wieder Rehkitze vor dem sicheren Tod bewahren kann. „Der Erfolg ist eindeutig“, unterstreicht Matthias Franzen. „Früher haben wir acht und mehr tote Rehkitze bergen müssen, diesmal war es nur eines.“

„Die Suche ist ganz schön anstrengend“, berichtet Jakob. An manchen Tagen streifen er und sein Onkel den ganzen Tag über eine Wiese auf der Suche nach den kleinen possierlichen Rehkitzen.


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