Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein : Die Prinzessin im Wohnwagen

Als Prinzessin Alexandra Viktoria und Prinz August Wilhelm von Preußen heirateten, wurden Postkarten mit ihren Porträts gedruckt.
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Als Prinzessin Alexandra Viktoria und Prinz August Wilhelm von Preußen heirateten, wurden Postkarten mit ihren Porträts gedruckt.

Wie aus Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg Frau Rümann wurde, die im Wohnwagen durch die Welt reist.

shz.de von
20. Juni 2015, 17:30 Uhr

Das Jahr 1928 bedeutete für eine Frau aus schleswig-holsteinischem Adel einen Neustart. Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1887-1957) war durch ihre zweite Heirat mit einem bürgerlichen Seeoffizier zwar zu Frau Rümann geworden. Doch war es ihr in New York gelungen, als Künstlerin auf sich aufmerksam zu machen. Eine Notiz in der Kieler Zeitung vom 11. April 1928 wertet eine Ausstellung der Malerin als „Erfolg“.

Auf Schloss Glücksburg erinnert man sich heute wieder gerne an jene Dame, die 1908 den Flensburger Salondampfer auf ihren Namen taufte. Zu Lebzeiten wird man ihrem Lebenswandel bisweilen kritisch gegenüber gestanden haben. Denn die Prinzessin, in erster Ehe mit einem Sohn des letzten deutschen Kaisers verheiratet, führte ein unkonventionelles und abenteuerreiches Leben.

Die Prinzessin malte gerne – wie ihre Tante Feodora, die ihr kurzes Leben ganz der Kultur, dem Malen und Schreiben, gewidmet hatte. Alexandras zweite Tante war die Kaiserin Auguste Viktoria.

Deren Sohn heiratete Alexandra. Er war ihr Cousin ersten Grades. Fast hätte Prinz August Wilhelm – so sein Name – Malunterricht bei Max Liebermann genommen. Er interessierte sich auch für die Kunst. Doch die Mutter soll es ihm verboten haben. Der Schwiegertochter war Zeichenunterricht gestattet.

Die Ehe zwischen Cousin und Cousine ging schief. Prinz „Auwi“ hatte homosexuelle Neigungen. Später machte er Karriere in der NSDAP.

Prinzessin „Auwi“, wie die Prinzessin nach ihrem Mann genannt wurde, zeigte nach ihrer Scheidung erstmalig der Öffentlichkeit ihre Bilder – im Flensburger Kunstgewerbemuseum. Die Flensburger Nachrichten vom 4.12.1920 lobten sie. „Ein sicherer Blick für das motivisch Wirksame“ wurde ihr bescheinigt sowie „souveräne Beherrschung des Pinsel-Technischen und ein … ungemein kraftvolles und fein kultiviertes Farbempfinden.“ Die Prinzessin malte realistisch mit lockerem impressionistischen Pinselstrich: Landschaften, Blumen und Porträts.

Nach der reichlich skandalumwitterten Scheidung vom Kaisersohn heiratete Alexandra unstandesgemäß zwei Jahre später einen ehemaligen Korvettenkapitän und etablierte sich damit endgültig als Enfant terrible ihrer Familie. Mit dem zweiten Mann, Arnold Rümann, ging sie nach Amerika. Bereits 1926 stellte sie in New York aus. Ein Foto zeigt sie in der Illustrierten Wochenchronik der Kieler Zeitung vom 24. Januar 1926 als schicke Frau im Flatterkleid mit kurzem Haar.

Kurze Haare, Flatterkleid ... so war die Prinzessin 1926 in Amerika unterwegs, wie in der Illustrierten Wochenchronik der Kieler Zeitung am 24.1.1926 zu lesen war.
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Kurze Haare, Flatterkleid ... so war die Prinzessin 1926 in Amerika unterwegs, wie in der Illustrierten Wochenchronik der Kieler Zeitung am 24.1.1926 zu lesen war.
 

Bis 1932 bereiste „Frau Rümann“ Amerika und lernte dabei den Wohnwagen kennen und schätzen.

Nach der Rückkehr aus den USA wurde auch die zweite Ehe geschieden und die Prinzessin beschloss, fortan für die Malerei zu leben. Ein erster Schritt in ihrem neuen Leben war die Anschaffung eines Wohnwagens. Sie beauftragte einen Bootsbauer aus Schleswig mit dem Bau. Der hatte „so ein Ding noch nie gesehen“, wie er der Prinzessin erklärte. Doch mit Hilfe ihrer Zeichnungen gelang das Projekt. Es dauerte wegen der Materialknappheit nach dem Krieg allerdings drei Jahre, bis der Wagen fertig war. Er hatte einen Ofen. Die Prinzessin konnte auf engstem Raum kochen, heizen, Toilette machen, arbeiten und schlafen. Sie lebte mit Hund und schneiderte ihre Kleider selbst.

Nach Wiesbaden kam die Prinzessin oft, um ihr einziges Kind aus der Ehe mit „Auwi“, Prinz Alexander Ferdinand, zu besuchen. „Die beiden hatten ein gutes Verhältnis“, sagt Prinzessin Elisabeth zu Ysenburg und Büdingen, die im Kavalierhaus von Schloss Glücksburg lebt und die malende Prinzessin als Kind erlebt hat. Prinzessin Elisabeths Vater, Prinz Friedrich Ferdinand, war ein Cousin und Bewunderer von Alexandra. „Sie war eine schicke Frau“, hat er gesagt. 1969 arrangierte er eine Ausstellung mit den Bildern der geschätzten Cousine. Alexandras Nachlass befindet sich bis heute in Glücksburg. Inzwischen kann sich die Familie vorstellen, mal wieder etwas zu zeigen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Prinzessin Alexandra überwiegend im Wohnwagen. Sie bereiste Spanien, Griechenland, die Türkei, Ägypten und Marokko und malte Landschaften und Porträts von Menschen, die ihr dort begegneten. „Viele Bilder sind schon am Entstehungsort verkauft worden.“

Sie erinnere sich an die Cousine ihres Vaters als „ulkige Nudel“, die aber alle durch eine offene, fröhliche Art sofort für sich einnahm. Auch etwas „unruhig“ habe sie bisweilen gewirkt. Kam sie nach Glücksburg, hatte sie stets „das Ding“ dabei, erzählt Prinzessin Elisabeth und meint damit den Wohnwagen. 1957 war die Prinzessin wieder damit unterwegs nach Südfrankreich. In Lyon starb sie im Alter von 70 Jahren einen plötzlichen Herztod. Ulrich Schulte-Wülwer, früherer Museumsdirektor Flensburgs, hat einige Aquarelle der Prinzessin gesehen. Seiner Meinung nach würde es sich lohnen, eine Ausstellung zu machen und zwar in doppelter Hinsicht: „Wegen ihrer unangepassten Lebensweise und ihrer künstlerischen Leistungen“.

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