zur Navigation springen

Zu hoher Krankenstand : Die Post schwächelt in Harrislee

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An einigen Tagen der Woche erhalten die Einwohner der Gemeinde keine Briefe und Zeitschriften mehr. Die Post bittet um Verständnis: „Es gibt in Harrislee seit Wochen schon eine sehr angespannte Situation.“

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2015 | 17:00 Uhr

Harrislee | „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern!“ Diese Binsenweisheit spüren einige Harrisleer jetzt am eigenen Leibe. Sie werden von der Deutschen Post mit Publikationen der Presse, Ansichtskarten oder Briefen sehr unzuverlässig beliefert. Grund ist ein aktuell hoher Krankenstand unter den Zustellern.

Jan-Christian Schwarz etwa ist als Kunde ob dieses Missstands äußerst ungehalten. „Nachrichten haben heute kaum noch die Halbwertszeit wie in vergangenen Jahrzehnten“, sagt er. Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag habe das längst verinnerlicht. „Zahlreiche Zusteller tragen bei Wind und Wetter vor Sonnenaufgang die Tageszeitungen aus, damit sie bei den Abonnenten auf dem Frühstückstisch liegen.“ Der Post in Harrislee allerdings sei diese Weisheit anscheinend fremd.

Denn was für die Tageszeitung gilt, gilt auch für ein großes deutsches Nachrichtenmagazin, das viele Leser abonniert haben. „Die Post aber ist mit großer Regelmäßigkeit nicht in der Lage, es zuzustellen – geschweige denn überhaupt Post auszuliefern“, schimpft Schwarz. Wiederholte Nachfragen bei der Post hätten bisher zu nichts weiter als einem freundlichen Gespräch mit einem Callcenter-Mitarbeiter geführt. „Der versprach der Sache einmal nachzugehen.“ Geändert habe sich trotz wiederholten Nachhakens nichts. Nun hat der Gymnasiallehrer die Faxen dicke – und das Abo gekündigt. „Denn der Supermarkt hat die Zeitschrift zuverlässig am Sonnabend im Regal!“

Martin Grundler, Pressesprecher der Post, räumt die Mängel ein, wirbt um Verständnis. „Es gibt in Harrislee seit Wochen schon eine sehr angespannte Situation.“ Man verfüge schlicht über zu wenig Personal, viele Kollegen seien erkrankt. „Viel mehr, als für diese Jahreszeit eigentlich eingeplant war.“ Was die missliche Lage nicht besser macht: Jetzt steht die Advents- und Weihnachtszeit bevor, die Belastung wird zweifellos steigen. Grundler kann für diese Phase nur wenig Hoffnung verbreiten. „Das Problem ist kurzfristig nicht zu lösen.“

Und so wird improvisiert. Die Aufgaben werden an Zusteller aus anderen Bezirken übertragen. „Die müssen nun entsprechend mehr mit sich schleppen, können ihre Touren manchmal nicht zu Ende bringen.“ Und Vertretern aus anderen Zustellstützpunkten fehle es an Ortskenntnis. So landet ein Teil der Post nicht beim Empfänger, sondern wieder auf dem Postamt. Grundler versichert: „Dort, wo die Tour abgebrochen wurde, wird sie am nächsten Tag als Erstes wieder aufgenommen.“ Es seien jedoch niemals bestimmte Tage, wie etwa der Sonnabend, betroffen. Schon in der Vergangenheit hatte die Post einräumen müssen, dass es montags immer wieder Engpässe gebe. Und das weit über Harrislee hinaus.

Die Post sucht händeringend Personal. „Doch wir haben nicht einmal genug Bewerbungen“, so Grundner. „Obwohl wir deutlich mehr als den Mindestlohn zahlen.“ Längst nicht alle Kandidaten erwiesen sich als geeignet. „Wir müssen auf hohe Qualität und Sorgfalt achten.“

Bei so viel Qualität ist Jan-Christian Schwarz selbstredend ein standardisiertes Entschuldigungsschreiben von der Beschwerdestelle in den Briefkasten geflattert. Man ahnt es schon: An einem Sonnabend war es nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen