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Deutsches Haus Flensburg : Die Party der 149 Nationen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

2000 Flensburger unterschiedlichster Herkunft feiern im Deutschen Haus das Fest der Kulturen

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 10:45 Uhr

Mit anderen inhaltlichen Schwerpunkten als in den Vorjahren versprach das Programm des Festes der Kulturen spannende Unterhaltung. Doch füllt das Motto „Vielfalt verbindet“ den großen Saal des Deutschen Hauses wirklich mit buntem Leben? Wer am Sonnabend-Nachmittag mit dabei war, kann dies nur bestätigen: Der Funke, mit dem andere in der Stadt lebende Nationalitäten ihre kulturellen Besonderheiten akzentuierten, sprang voll über – mehr als 2000 Gesamt-Flensburger sangen und tanzten teils Fähnchen schwingend, vor allem aber begeistert mit. Im Kontext anderer turbulenter Auftritte bringt das Flensburger Duo Karma Karakta mit sensiblen Texten zu harmonischer Gitarrenbegleitung dabei ein eher ruhiges Intermezzo auf die Bühne, angefangen mit dem Titel „Allein“ – unter diesem Gefühl leidet an diesem Nachmittag wohl keiner der Besucher.

Aber wie bunt kann Flensburg mit seinen Bürgern aus 149 Nationen wirklich sein? Und wie sind diese integriert? Die Brüder Joseph (20) und Sebastian (15) hat es vor acht Jahren an die Förde verschlagen; Mama Yolanda hatte seinerzeit in der kolumbianischen Heimat einen deutschen Lehrer kennen- und lieben gelernt. Seitdem lebt die Familie in Flensburg, die Jungs sprechen längst fließend Deutsch (Joseph absolviert derzeit eine Lehre zum Maler und Lackierer in Husum). An ihrem Stand bieten sie landestypische Souvenirs wie Lederwaren und Tücher an – und natürlich echten kolumbianischen Kaffee. Außerdem die in Lateinamerika weit verbreitete „Panela“, eingekochten Zuckerrohrsaft, hier in Würfelform, der mit heißem Wasser als Tee serviert wird, vitamin- und mineralstoffreich. „Mit unserer Initiative wollen wir in Flensburg Aspekte unserer Kultur vorstellen“, sagt Mutter Yolanda. Mehrere Flensburger nutzen die Gelegenheit, ihre Spanischkenntnisse anzuwenden und tauschen sich lebhaft über eigene Reiseerfahrungen aus. So auch Dirk Metzger, der Kolumbien bereist und dessen Sohn an einem Schüleraustausch mit diesem Land teilgenommen hat. „Wir sind eine offene Stadt, und die kolumbianische ist eine der vielen uns bereichernden Kulturen“, so sein Statement.

Ebenfalls leicht versteckt im Nebengang zum Saal hat eine „Ghana Corner“ eröffnet: Sie bietet Schmuck und bemalte Steine, Hefeteig-Chips und Mini-Doughnuts an, alles selbst gemacht. „Wir leben auch hier als Teil Flensburgs und zeigen unsere Talente“, erklären Lydia und ihre Freundinnen fröhlich. Die Ghanaerin lebt seit 22 Jahren an der Förde, macht beim runden Tisch mit und nennt Flensburg ihr „erstes Zuhause“ – nach ihrem Heimatland.

Im Nebengang auf der anderen Saalseite erfreut sich der Mitmachstand des Jugendzentrums AAK aus der Neustadt großer Beliebtheit: Durchgehend reges Interesse der „bunten“ Kinderschar findet das Angebot, mittels Airbrush kleine Tragetaschen farblich zu gestalten. Die unterschiedlichen, Kulturen übergreifenden Motiv-Renner sind bei den Mädchen unisono das Thema Prinzessin, bei den Jungs Fußball, verrät Erzieherin Swantje.

Zentrum der Aufmerksamkeit beim Fest der Kulturen ist die große Bühne des Festsaals, die die Stadt ihren Bürgern internationaler Herkunft zum zweiten Mal eingeräumt hat. Neben afrikanischem Trommeln, syrischem Theater und griechischen Tänzen gefallen in diesem Jahr besonders (und erstmals) die persischen und kurdischen Tanzdarbietungen, jeweils in farbenfrohen Kostümen. Der junge Kurdische Verein, erst vor einem Jahr initiiert, präsentiert zudem eindrucksvoll heimische Folkloresongs, live begleitet vom Saiteninstrument „Saz“.

Souverän moderiert wird das Programm erneut von Stelios und Anna, die ein gut organisiertes, friedliches Fest mit mehr Zuspruch als im Vorjahr beobachten. Ihr Wunsch: „Dieses Fest verdient eigentlich überregionale Aufmerksamkeit, weil es ein gutes Beispiel dafür ist, wie leicht ein gemeinsames Miteinander trotz unterschiedlicher kultureller Backgrounds möglich ist!“

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