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Tourismus in Flensburg : „Die Ochseninsel muss offen bleiben“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Flensburger Günther Wulf kämpft gegen drohende Schließung – und für eine niederschwellige Infrastruktur.

Die Förde ist spiegelglatt an diesem Morgen. Keine Wolke am Himmel, Windstärke < 1. Auf den ersten Blick sieht die Große Ochseninsel verlassen aus. Für Günther Wulf, 71, Urgestein der Flensburger Museumsküste, ist es eine Rückkehr an einen Kindheitsort. „Ich war mit 10 oder 11 Jahren im Sommer regelmäßig auf der Insel, weil meine Eltern in Rønshoved ein Sommerhaus hatten.“ Er kannte die ganze Familie Isaaksen, die jahrzehntelang die Insel bewohnte und bewirtschaftete. „Hans Isaaksen nahm mich zum Fischen mit, manchmal holte ich Besucher vom Festland rüber.“

Später fuhr Wulf mit seinen verschiedenen Segelschiffen hierher, er war Vorsitzender des Vereins „Øens Venner“ (Freunde der Insel), und bis heute ist er einer der größten Liebhaber dieses bezaubernden Eilands in der Förde.

Und jetzt will er helfen, es zu retten – vor dem Niedergang, vor allem vor der drohenden Schließung. Die dänischen Behörden wollen die Insel samt Gebäuden und Gastronomie offenbar nicht wieder verpachten. Der Besuch ist jedoch vorerst noch erlaubt, bei Betreten der Insel über den Steg findet man keinen Hinweis auf irgendwelche Verbote. Es gibt allerdings keine Infrastruktur wie zum Beispiel Toiletten.

Doch das stört viele Menschen offenbar nicht. An diesem Morgen haben sich zwei Freundinnen aus Flensburg – Jule und Kathrin – die Insel als Frühstücksplatz ausgesucht und sind samt Proviant und Jules Tochter Marun im Zweierkajak rübergepaddelt. Sie lieben das Idyll vor Sønderhav – und würden es schmerzlich vermissen.

Wulf bestreitet, dass die Gebäude auf der Insel baufällig sind. Die langjährigen deutschen Pächter, von denen der letzte im September 2016 die Insel verlassen hat, haben vor allem in der Anfangszeit baulich viel investiert. So wurden im mittleren Haus Ferienwohnungen eingerichtet. Günther Wulf führt herum, lädt zum Blick durch die Fenster ein, denn die Gebäude sind alle verschlossen. Er ist sich sicher, dass sich die Häuser mit übersichtlichem Aufwand reaktivieren lassen würden.

Auch die beiden Männer aus Hamburg sind begeistert von der Atmosphäre auf der Insel. Sie sind mit dem Schlauchboot gekommen. Jürgen Diedrichsen kennt sie „seit 30 Jahren“, der Jüngere, Karsten Moos, ist zum ersten Mal hier. „Hier könnte man doch eine Art Bootswerft einrichten, in der Skipper an ihren eigenen Schiffen arbeiten können.“ Dafür müsste der Slip allerdings erneuert werden.

Günther Wulf berichtet von einem Treffen zahlreicher Segler vor zwei Wochen auf der Ochseninsel, um zu verdeutlichen, dass viele Menschen ein Interesse an der Zugänglichkeit der Insel haben. In großer Runde habe man an dem offenen Grillplatz gesessen. Wichtig sei es, den neben der zweiten Halle lagernden Schrott und Sperrmüll von der Insel zu holen. In seinem Bekanntenkreis gebe es eine Familie aus Leipzig, die bereit sei, die Insel wieder „in Schuss“ zu bringen.

Auf dem Weg zur Rum-Regatta hatte die dänische Crew der „Sigyn“, ein Nachbau eines Wikinger-Handelsschiffs, einen Stopp auf der Ochseninsel eingelegt und dort gegrillt. Bei der Gelegenheit wurde ein „Freistaat“ namens „Frit Vikingeland“ ausgerufen. Die eigens entworfene und gefertigte Flagge erhielt bei der Preisvergeudung der Rum-Regatta besonders heftigen Beifall.

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erstellt am 03.Jun.2017 | 07:00 Uhr

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