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150 Jahre Flensburger Tageblatt : Die neue Lust an den Lustbooten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1890 wird mit dem FSC der erste Flensburger Segelverein gegründet. Dieser war nie ein beliebiger Segelclub. Das gut sortierte Vereinsarchiv dokumentiert beste Kontakte zu den kaiserlichen Majestäten.

Flensburg | Siegfried Lenz wollte „diese friedliche Postkarte bewohnen“. Sie wurde gemalt, besungen – und befahren. Die Flensburger Förde mit der dänischen Südsee vor der Haustüre gilt als eines der schönsten Segelreviere Nordeuropas. Wassersport ist hier seit dem 18. Jahrhundert dokumentiert, die Flensburger Regatta vom 6. September 1855 gilt – lange vor der Kieler Woche – als erste organisierte Regattaveranstaltung der westlichen Ostsee. Dass 12 distinguierte Herren am 17. Mai 1890 im Bahnhofshotel (jetzt Europa-Haus) den Flensburger Segel Club aus der Taufe hoben, war eigentlich überfällig. Das Rudern, vor allem aber die Segelei, entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts vom Vergnügen der Fischer zur Passion der besseren Kreise.

Die Anfänge des frisch gegründeten Vereins waren bescheiden. Zu Beginn lagen die Boote an Brücken und Pfählen verstreut in einem geschäftigen Wirtschaftshafen, in dem sie mehr gelitten als geliebt waren. Über die „Englische Brücke“, die Bahn nach Tönning und von dort über die Nordsee lief der Ostseehandel mit England. Erst 1901 wurde dem Verein in Höhe der HaGe-Siloanlagen, gegenüber der heutigen FFG (alte Werft von 1872) eine kleine Fläche im Hafen und eine nicht minder kleine an Land zugewiesen, die 1911 – Gipfel der Gemütlichkeit – mit einem Pavillon, 1924 durch einen finanziellen Kraftakt sogar mit einem richtigen Clubhaus bebaut wurde. Diese Keimzelle hatte im Prinzip bis 1959 Bestand – dann tauschten die FSC-Segler den Innenhafen mit dem Paradies.

Bereits 1934 hatte die Stadt Flensburg auf Betreiben des FSC in Glücksburg-Quellental über das Beschäftigungsprogramm der Notstandsarbeiten einen Schutzhafen bauen lassen, der nach dem Zweiten Weltkrieg unter den Bootseignern immer beliebter wurde, weil er schöner gelegen und viel ruhiger als der hektische Wirtschaftshafen war. 1959 schlossen die Städte Flensburg und Glücksburg einen Erbbaupachtvertrag über das Gelände – ab 1960 konnte hier das Clubgelände des Flensburger Segelclubs in Glücksburg-Quellental ausgebaut werden – an der wohl schönsten Stelle der schönsten Förde der Ostsee.

Der FSC war nie ein beliebiger Segelclub. Das gut sortierte Vereinsarchiv dokumentiert beste Kontakte zu den kaiserlichen Majestäten (Auguste Viktoria war eine Prinzessin des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg), Herzog Friedrich-Ferdinand zu Schleswig-Holstein-Glücksburg wurde hier Commodore – mit besten Verbindungen nach Berlin. Gerade in der standesbewussten wilhelminischen Gesellschaft waren Vereine wie der FSC, der Kieler Yachtclub oder der Norddeutsche Regattaverein in Hamburg in ihren frühen Jahren Orte, in denen die Eliten überwiegend unter sich blieben. Massentauglich und zur Bürgerbewegung wurde Segeln erst in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem Auftauchen der günstig zu bauenden Kunststoff-Yachten.

Wobei es durchaus durchlässige Stellen gab. An Bord der „Isa“ zum Beispiel. Dort sammelte Friedrich Maaß, der Verleger der Flensburger Nachrichten, gerne zwei Brüder gerne auch zu größeren Touren um sich: den künstlerisch hoch talentierten Alexander Eckener und seinen älteren Bruder Hugo, der es als Luftschiffer zu Weltruhm bringen sollte. Vierter im Bunde: ein Flensburger Original, „de ole Sören“, ein Fischer von der Ballastbrücke, der einen legendär guten Riecher für Wind und Wetter hatte und nicht nur bei den Meeres-Schippern sehr begehrt war. Auch der Luftschiffer Eckener soll bei Sören in die Lehre gegangen sein.

Sören trank angeblich nur Kaffee und das in beängstigenden Mengen, er sprach nur platt – und das mit jedermann. Überliefert ist eine Begegnung mit Prinz Heinrich im Glücksburger Strandhotel anlässlich einer Preisverleihung. Alle Club-Leute hatten Sören bekniet, bloß Hoheit und nicht Du zum Prinzen zu sagen. Und was passiert? „Sie sind ja ein glänzender Segler“, spricht der Prinz. „Aber sagen Sie mal. Stimmt es, dass Sie zu jedem Du sagen?“ „Jo, Königliche Hoheit“, sagt der Fischer. „Dat stimm chanz chenau! Aber mi smeerst Du nich an. To Di sech ik nich Du! To Di sech ik Königliche Hoheit!“

Den Fischer und den Verleger auf der „Isa“ hat Alexander Eckener auf einem Bild verewigt, dass die Kaufmannsfamilie H.G. Dethleffsen 1970 erwarb und dem FSC schenkte. Der FSC feiert am 17. Mai sein 125-jähriges Jubiläum.

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erstellt am 24.Mär.2015 | 16:30 Uhr

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