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Nicht nur für Flüchtlinge : Die neue Kleiderkammer im Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Um halb fünf öffnet in Flensburg die Kleiderkammer, immer dienstags und donnerstags, und jedes Mal kommen zwischen 50 und 120 Menschen.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Die ersten Kunden stehen schon eine Stunde vor Öffnung der Tür an der Ecke des Bahnhofs. Sie unterhalten sich, irgendwann singt einer etwas, das wie ein arabisches Kinderlied klingt. Um halb fünf öffnet die Kleiderkammer, immer dienstags und donnerstags, und jedes Mal kommen zwischen 50 und 120 Menschen. Die meisten sind wohl immer noch Flüchtlinge. Doch die Einrichtung steht jetzt auch offen für Obdachlose, Rentner in Grundsicherung und Hartz-IV-Empfänger.

Erster Eindruck beim Betreten der Räume: Alles wirkt sehr ordentlich und aufgeräumt. Fein säuberlich gefaltet liegen die Kleidungsstücke, nach Größen sortiert, in den Regalen – getrennt nach Männern, Frauen und Kindern. Dutzende von Oberhemden von teils hoher Qualität laden zum Stöbern ein, daneben gibt es Decken, Handtücher, Spielzeug, Babynahrung, Porzellan, Bücher, Geschirr, Kleinmöbel und vieles mehr. Alles wurde gespendet.

Mario Roth weiß alles über die Kleiderkammer, er ist hier der Chef. Doch das Reden gegenüber der Presse überlässt er Dirk Dethlefs. Der erzählt, wie alles hier anfing – damals im September, als die ersten Flüchtlinge im Bahnhof strandeten und Menschen sich spontan zur Hilfe zusammen taten. Was unkoordiniert anfing, bekam schnell Strukturen, „es wurde fast eine professionelle Einrichtung“, so Dethlefs. Viele Bürger halfen mit Spenden oder mit Einsatzzeiten, Firemen mit Geld oder Sachspenden. Die Bahn hatte die leeren Räume unbürokratisch zur Verfügung gestellt. Als nach Jahreswechsel immer weniger Flüchtlinge kamen, beschloss man, die Kleiderkammer trotzdem weiter zu betreiben – und sie für weitere Bedürftige zu öffnen.

Doch jetzt mussten richtige Strukturen geschaffen werden. Am 1. Februar wurde der Verein „Flensburg hilft grenzenlos“ gegründet, seit 18. Februar ist er ein eingetragener Verein. Mario Roth ist der 1. Vorsitzende. Für die Räume muss jetzt Miete gezahlt werden, die ein Spender übernimmt, doch monatlich laufen weitere Kosten von bis zu 500 Euro auf. Alle Helfer arbeiten komplett ehrenamtlich, darunter sind auch Flüchtlinge, die mit Sprachkenntnissen helfen.

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