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Petra Nicolaisen (CDU) : Die Neue im Bundestag: „Wie am ersten Schultag“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wohnungssuche, Irrwege, viele Einladungen und noch keine politische Aufgabe: Die ersten Tage von Petra Nicolaisen im Bundestag.

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 14:18 Uhr

Berlin/Wanderup | Wer Mitglied im Deutschen Bundestag ist, hat es geschafft. Sollte man meinen. Petra Nicolaisen (CDU) setzte sich bei der Bundestagswahl im September mit glatten 40 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Flensburg-Schleswig durch und eroberte so ihren Platz im Reichstagsgebäude – mit eigenem Büroleiter, dem Wahlkreismitarbeiter und einer wissenschaftlichen Assistentin.

Die 51-jährige Politikerin aus Wanderup hat damit alles erreicht, was sie erreichen kann. Und doch steht sie in Berlin noch ganz am Anfang – mittendrin und doch noch nicht ganz dabei. Sie hat am Dienstag Wolfgang Schäuble als Bundestagspräsidenten mitgewählt, aber noch keine Wohnung in Berlin gefunden und verläuft sich gelegentlich auch in den langen Gängen des Bundestags. „Der Dienstag war wie mein erster Schultag“, sagt sie – und jeder, der sich an den Beginn seiner Schulzeit zurückerinnern kann, der kennt diese Gefühlsmischung aus Stolz und Verlorenheit.

Petra Nicolaisen war für die ersten Tage in der WG ihrer Tochter untergekommen, die in Berlin studiert, inzwischen wohnt sie in einem Hotel, das nur 300 Meter von ihrem neuen Arbeitsplatz entfernt liegt. Das Zimmer nutzt sie nur zum Schlafen, denn tagsüber gibt es genügend zu tun. Dennoch soll möglichst bald eine eigene Wohnung her, in der sie sich zu Hause fühlt und abends wirklich entspannen kann. „Ich vermisse auch einen Schrank, in dem ich meine Kleidung unterbringen kann“, sagt Petra Nicolaisen.

Der Tag der ersten Bundestagssitzung begann mit einem ausgiebigen Frühstück („Ohne geht bei mir gar nichts“) und einem Gottesdienst um 8.30 Uhr, ehe es in den Bundestag zur Fraktionssitzung ging. Mittags eine schnelle Kürbissuppe in der Kantine, nach der Wahl des Bundestagspräsidenten noch ein parlamentarischer Abend zum Kennenlernen mit Schnittchen und Infos über die Energiepolitik. Um 21.30 Uhr endete der Tag für Petra Nicolaisen. „Irgendwann ist man durch mit der Bereifung“, sagt sie trocken.

Der „erste Schultag“, wie sie ihren ersten Tag im Parlament nennt, war nicht nur wegen der langen Arbeitszeit anstrengend. Immerhin wuselten den ganzen Tag 708 neue „Klassenkameraden“ um sie herum. Viele Gesichter kannte sie schon aus der Zeitung oder aus dem Fernsehen – aber als Neuling muss man sich trotz Fraktionssitzungen, parlamentarischen Abenden und diversen anderen Einladungen Mühe geben, Anschluss zu gewinnen. Petra Nicolaisen ist deshalb froh, mit Astrid Damerow aus Nordfriesland eine Parteifreundin an der Seite zu haben, die ebenfalls neu im Bundestag ist, und die sie gut kennt. Die beiden Frauen, die für die CDU nun die beiden nördlichsten Wahlkreise der Republik vertreten, haben sich schon zu Landtagszeiten fünf Jahre lang ein Büro geteilt. „Es ist schon schön, in diesem Riesenbetrieb jemanden zu kennen.“

Was ihren eigentlichen Beruf betrifft, befindet sich Petra Nicolaisen in einer Art Schwebezustand. Der neue Bundestag hat sich zwar konstituiert, eine neue Regierung aber gibt es noch nicht. Und keine Aufgabe für die „Neue“, die gern in der Innenpolitik mitmischen würde. Aber erst einmal müssen sich die Spitzen von CDU, CSU, FDP und Grünen auf eine gemeinsame Linie einigen. Zumindest grobe Informationen zu den Sondierungsgesprächen bekommen die nicht beteiligten Abgeordneten in größerer Runde von den Vorsitzenden der Landesgruppen oder auch gelegentlich von der Kanzlerin selbst. „Sehr detailliert ist das nicht“, gibt Petra Nicolaisen zu. Da heißt es nun zunächst, abzuwarten.

Am Mittwoch um 8.30 Uhr saß Petra Nicolaisen dennoch wieder in ihrem Berliner Büro. Vor sich eine dicke Mappe voller Papiere. „Viele Unterschriften und viele Einladungen“, erklärt sie. Obwohl Nicolaisen neu im Bundestag ist, flattern ihr für jeden Abend mehrere Einladungen auf den Tisch. Da heißt es abzuwägen, was wichtig ist – und was nicht.

Ab Donnerstag kann die neue Abgeordnete erst einmal einige Tage durchatmen. Die nächsten Fraktionssitzungen in Berlin sind für den 6. und 17. November vorgesehen, die nächste Sitzung des Bundestages findet noch eine Woche später statt.

Sie nutzt die Zeit nicht nur, um sich von den ersten „Schultagen“ zu erholen. Natürlich gibt es auch Termine im Wahlkreis, und selbst im Landtag hat die neue Bundestagsabgeordnete noch etwas zu erledigen. „Ich habe bei meinem Abschied dort meinen Schreibtisch nur schnell leergefegt – da muss ich noch mal ran.“

Und wenn sie nach der Verschnaufpause wieder nach Berlin zurückkehrt, sollen nach ihren Vorstellungen auch bald die gewünschte politische Aufgabe und eine Wohnung mit Kleiderschrank folgen. Die Orientierung in den verwirrenden Gängen des Hohen Hauses kommt dann irgendwann wie von selbst. „Eine neue Schule ist zuerst immer anstrengend“, sagt die Politikerin, „aber das Gute ist, dass man an jedem Tag dazulernt.“

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