Hotel Hafen Flensburg : Die Nacht, als das Wasser kam

1,79 Meter: Höchststand kurz nach Mitternacht am 5. Januar.
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1,79 Meter: Höchststand kurz nach Mitternacht am 5. Januar.

Ein Jahr nach der Überschwemmung vom 5. Januar zieht Kirsten Herrmann vom neuen Hotel an der Schiffbrücke entspannt Bilanz

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05. Januar 2018, 10:37 Uhr

Wer es nicht mehr glauben mag: Gleich links neben dem Haupteingang des Hotels Hafen Flensburg hängt eine Fotostrecke, daneben eine Kette mit vielen gebrauchten Gummistiefeln. „Die Gäste können sogar Gummistiefel ausleihen“, erzählt Hotel-Chefin Kirsten Herrmann (39) heute entspannt. Als Sturmtief „Axel“ kurz nach null Uhr an jenem 5. Januar auf 1,79 Meter über dem mittleren Wasserstand kletterte, begann zunächst das große Zittern und dann das beherzte Anpacken im gerade fünf Wochen alten Sterne-Hotel: „Wir haben eine ganze Nacht lang bis zum nächsten Mittag Wasser geschöpft“, erinnert sich Kirsten Herrmann. Das habe die 50 Mitarbeiter starke Crew erkennbar zusammengeschweißt.

Draußen steht das Wasser in der Nacht entlang der Schiffbrücke einen halben Meter hoch auf der Straße. Die 1,50 Meter hohen Schotten halten es nicht mehr. Drinnen dringt die Förde durch Grundmauern, Gulli und Toilette. Antike Möbel werden beschädigt, die Aufzugsschächte und die zum Glück leere Tiefgarage geflutet. Als Reaktion auf die größte Flut des neuen Jahrtausends in Flensburg sind die Schotten auf 2,10 Meter erhöht worden. Doch hält dies das Wasser wirklich fern?

Dänemark-Kenner Henrik Vestergaard zum Beispiel erinnert sich, dass man in Flensburg das Hochwasser vor einem Jahr womöglich unterschätzt habe. Als für Flensburg 1,30 bis 1,40 Meter vorausgesagt worden sei, habe man in Sonderburg schon mit 1,80 Metern gerechnet: „Dort legten sie einen Riesenschlauch aus richtig schwerem Material um die Baustellen.“

Dem Erfolg des Hotels Hafen Flensburg hat die große Flut indes nicht geschadet, vielleicht hat sie sogar geholfen. Das Acht-Häuser-Ensemble mit seinen 69 Zimmern, zwei Veranstaltungsräumen und dem Restaurant „Columbus“ (72 Plätze) sei zuletzt fast jeden Tag ausgebucht gewesen. An Wochenenden zählten bis zu 75 Prozent Dänen zu den Gästen des Hauses mit dem Hafenflair, in der Woche dominiere die Business-Kundschaft: „Wir sind überwältigt vom Erfolg, den wir uns gar nicht getraut haben auszumalen“, sagt Herrmann fast demütig.

Seit Dezember hat die alte Kutschendurchfahrt auf der Südseite ihre restaurierte Tür und den hölzernen Bogen zurück. Von der Hotel-Crew bis zur Restaurant-Küche: Man habe sich erst finden müssen, sagt Herrmann. Das Hotelfach hat sie selbst von der Pieke auf gelernt: 1994 fing sie im Historischen Krug in Oeversee an – als Tellerwäscherin.

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