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Tag der Bibliothek : Die Mutter aller Bibliotheken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Landeszentralbibliothek in der Waitzstraße versorgt alle öffentlichen Büchereien des Landes.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Wer zu einem beliebigen Zeitpunkt des Tages durch die Tür in diese ganz besondere Bibliothek tritt, begegnet vielleicht nur einem Leser, der in einer alten Zeitung blättert. In einem gemütlichen Sessel, in einem Saal voller Ruhe, mit Enzyklopädien und einzigartigen Beständen. Ein ungewöhnliches Bild für eine typische öffentliche Bücherei, aber ein ganz normales für eine Leihverkehrs- und Ergänzungsbibliothek, kurz LEB. „Mutter aller Bibliotheken im Lande“ – so hat die Landesministerin für Justiz, Kultur und Europa, Anke Spoorendonk, diese besondere Bibliothek einmal bezeichnet. Der Name hat sich eingebürgert.

„Wir sind eine Zentralbibliothek für alle öffentlichen Büchereien. Und in dieser Form gibt es uns in Schleswig-Holstein uns nur einmal“, erklären die Leiterin Antje Funk und der Diplom-Bibliothekar Oke Simons. Die Medien, und das sind nicht nur Bücher, sondern auch Hörbücher, CDs, DVDs, Blue-Ray-Filme, die sich beispielsweise in einer Stadtbibliothek nicht mehr im Bestand befinden, sind alle hier, an diesem zentralen Punkt am Rande Schleswig-Holsteins. Wenn jemand in Neustadt in Holstein ein Buch bestellt, bringen Simons und sein Team die Bestellung über einen Fahrdienst direkt in die lokale Bibliothek auf den Weg. Für kleine Büchereien wie in Neustadt in Holstein, die nur über eine begrenzte Zahl von Medien verfügen, leistet die LEB mit ihren Bestand von 140 000 Werken eine immens wichtige Hilfestellung.

Die LEB versucht, alle möglichen Fachgebiete abzudecken: Kochbücher, Gärtnerbücher und andere. Aber ein großer Bestandsschwerpunkt der Bibliothek sind Medien über Schleswig-Holstein. Jahrbücher, Zeitschriften, Monografien und audiovisuelle Medien aus allen Regionen stehen zur Verfügung. Und wenn jemand ein Buch aus einer Universitätsbibliothek in Bonn oder in München braucht, besorgt es die Bibliothek natürlich auch.

Das digitale Medienangebot bringt natürlich eine Veränderung in die Bibliotheken. Das Ausleihverhalten der Leser hat sich gewandelt, hat Oke Simons festgestellt. In Schleswig Holstein gibt es einen großen Verbund, der „Onleihe“ heißt, und wohl die Zukunft der Ausleihe verkörpert. Man lädt sich als Kunde via Internet digitalisierte oder digitale Medien einfach auf PC oder Tablet-Computer. Mehr als 100 Büchereien bieten diese Dienstleistung schon an. Diese digitale Ausleihe, so Simons, wächst und Ausleihe von physischen Medien geht leicht zurück. Hinzu kommt die größere Verfügbarkeit von Informationen. „Früher“, so Simons, „wurden viele Kochbücher ausgeliehen, heute nicht mehr. Rezepte findet man viel einfacher im Internet.“

Nicht dramatisch, fügt er an. Es sei auch nicht so, dass die LEB schlimme Einbrüche verzeichne. Aber in den letzten zehn Jahren sei die Ausleihe kontinuierlich auf ein sehr hohes Niveau gestiegen – „und jetzt steigt sie eben nicht mehr“, sagt Simons. Für ihn ist insgesamt überraschend, dass die Ausleihe im Land immer noch so gut ist. Im traditionell Technik-affinen Dänemark beispielsweise verzeichnet man schon deutliche Ausleihe-Einbußen, weil eben digitale Inhalte mehr genutzt werden. „Vielleicht“, so der Bibliothekar, „sind Schleswig-Holsteiner etwas konservativer.“ Antje Funk, Simons Stellvertretende, die aus Baden-Württemberg kommt, hat dazu auch eigene Erklärung: „Schleswig-Holstein ist sehr ländlich geprägt, hier sind nicht so viele Großstädte. Darum ist Nutzerverhalten anders. Den Unterschied sehe ich schon auch.“

Und trotzdem: Viele sowohl ältere als auch jüngere Leser möchten eigentlich noch heute ein Buch haben, behaupten beide Bibliothekare. Es gibt viele Gründe dafür. Zum Teil ist das dem deutschen Urheberrecht geschuldet. Man kauft ein E-Book, aber man kann es nicht weiterleiten. Ein Buch hat eine ganz eigene Wertigkeit: „Ein Buch ist Luxus. Aber Luxus, der man sich als normal verdienender Mensch einigermaßen leisten kann“.




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