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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 19:37 Uhr

Die Motive der Nichtwähler

vom

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Guckt man sich die Beteiligung aller Wahlen der vergangenen Jahre an, kann man eigentlich nur zu einem Ergebnis kommen: Bundestagswahlen sind richtig wichtig, Landtagswahlen ziemlich wichtig, Europawahlen so la la. Spätestens wenn es um Kommunalwahlen geht, hat grundsätzlich mindestens die Hälfte des Wahlvolks Besseres zu tun. Genau 40 Prozent der Flensburger konnten es beim letzten Urnengang am 25. Mai 2008 zwischen 8 uns 18 Uhr einrichten, in ihrem Wahllokal vorbeizuschauen. Ein Trend, mit dem Flensburg noch nicht die Rote Laterne trägt - Rendsburg etwa meldete 2008 gerade noch 39,6 Prozent Wahlbürger beim Urneneinwurf, und selbst ländliche Metropolen wie Niebüll kamen zuletzt kaum über 41 Prozent. Also, Flensburg liegt hier nicht am untersten Ende einer ansonsten pflichtbewussten Kommunenschar. Wir befinden uns in gleichermaßen schlechter Gesellschaft.

Aber warum ist das so? Haben die Bürger den Eindruck, dass sie im Bundestag oder im Kieler Landeshaus besser vertreten werden als in der Ratsversammlung? Wohl kaum. Und: Ob Ausleihgebühren in der Bücherei, Kosten für den Kita-Platz in der Kommune oder künftig auch wieder den Eintrittspreis im Campusbad - wer über zahlreiche Preise in seiner Stadt mitbestimmen möchte, hat hier in der Stadt den unmittelbarsten Einfluss. Selbst auf die Energiepreise der Stadtwerke können die Wähler Einfluss nehmen - mittelbar wenigstens: Weil nach den Mehrheiten in der Ratsversammlung auch die Vertreter im Aufsichtsrat der Stadtwerke gewählt werden, die die Strom- und Wärmetarife absegnen müssen.

Den größten Einfluss haben Wähler bei Kommunalwahlen mit ihrer Stimme sowieso: Schließlich bestimmen schon 600 bis 700 Wähler darüber, wer einen Sitz im neuen Rat bekommt.

Dennoch spricht nichts dafür, dass die Wahlbeteiligung in Flensburg wieder hochschnellen wird. Doch wo liegt die Latte für ein Wahlbeteiligungsdesaster: Unter den 40 Prozent der Wahl von 2008? Wohl kaum. Vor zehn Jahren waren es auch nur gut 41 Prozent. Oder die 27,7 Prozent der Oberbürgermeisterwahl von 2010? Am Ende gar die 23,3 Prozent der OB-Stichwahl? Immerhin: Je geringer die Wahlbeteiligung, desto mehr ist die Stimme des einzelnen Wählers "wert".

In Südtondern hat man aus der rapide gesunkenen Beteiligung ganz eigene Schlüsse gezogen: Nur noch für 80 Prozent der Wahlberechtigten gibt es Stimmzettel. So pessimistisch sind die Flensburger nicht. Für jeden Wahlberechtigten gibt es einen Zettel - und womöglich im Rathaus bald viel Schmierpapier.

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