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Flensburger Tageblatt

25. Juli 2017 | 20:43 Uhr

Hürup : Die Mitfahrbank macht Karriere

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

34 Flensburger Umlandkommunen haben jetzt die Chance auf eine eigene Haltestelle.

Hürup | Die Hüruper Mitfahrbank macht Karriere: Was vor anderthalb Jahren als Versuchsballon des örtlichen Vereins „Boben Op“ begann, soll nun in der ganzen Region zum festen Bestandteil des dörflichen Lebens werden. Der Verein, der sich um Förderung von Umwelt- und Klimaschutz sowie um bürgerliches Engagement bemüht, hatte einen Antrag beim Bundes-Umweltministerium gestellt – und überzeugte die zuständigen Entscheider. Das Ergebnis ist eine Fördersumme von 70  000 Euro, die über zwei Jahre verteilt, zum Aufbau von weiteren Mitfahrbänken in der Klimaregion Flensburg genutzt werden kann. Bewerben können sich insgesamt 34 Kommunen zwischen Eggebek und Langballig, Satrup und Schafflund. „Das ist eine echte Chance, das Prinzip des Miteinanders weiter zu verbreiten“, sagt John Wilner-Höfer vom Verein „Boben Op“, der seine Ziele auf sehr unterschiedlichen Wegen mit sehr unterschiedlichem Erfolg verfolgt. Während das Car-Sharing nach zwei Jahren mangels Beteiligung wieder eingestellt werden musste, versorgt der Bürgersolarpark bereits 200 Haushalte im Amt. „Manches klappt, anderes nicht. Man muss es eben ausprobieren“, sagt Wilner-Höfer.

Die Mitfahrbank ist aus der Not entstanden: Einen Bahnhof gibt es in Hürup nicht, die Busverbindung nach Flensburg empfanden die Initiatoren als unzureichend, Verbindungen in die Nachbardörfer erst recht. „Die Bank sehen wir als Ergänzung zum ÖPNV – und so kann sie sehr nützlich sein“, bilanziert Wilner-Höfer. Seine Schätzung: Niemand wartet dort tagsüber länger als zehn Minuten auf eine Fahrt.

Praxistest: Wilner-Höfer klappt das Schild mit dem Fahrtziel Flensburg auf und macht es sich auf der Bank gemütlich. Schon nach 20 Sekunden bremst ein VW-Bus ab. Der Fahrer schaut genau hin, schüttelt dann bedauernd den Kopf. Er biegt nach wenigen hundert Metern in Richtung Husby ab. Es dauert gerade mal drei Minuten, da stehen Alfred und Renate Hansen mit ihrem Wagen vor der Bank. Dass es sich nur um einen Test handelt, nehmen die beiden Flensburger nicht übel. Natürlich kennen sie die Bank, Bedenken, einen Fremden mitzunehmen, haben sie nicht. „Wir sind da ganz offen, ist doch eine tolle Sache“, sind sich die beiden einig.

Wilner-Höfer hofft, dass eine weitere Verbreitung der Mitfahrbank auch zu größerer Akzeptanz führt. „Natürlich gibt es Hemmungen mitzufahren oder jemanden mitzunehmen“, sagt er, „aber wenn es so etwas in allen Dörfern rundum gibt, könnte es Normalität werden.“ Interesse haben schon jetzt Freienwill, Ausacker, Munkbrarup und Großsolt angemeldet. Und es finden Gespräche mit der Stadt Flensburg statt. Dort, so Wilner-Höfer, könnte er sich drei bis vier Haltestellen vorstellen.

Ralf Schmidt, der zu den Gründungsmitgliedern von „Boben Op“ gehört, verspricht sich einen spürbaren Schub für das Projekt, wenn Hürup nicht mehr allein ist. „Die Chance, auch für die Rückfahrt eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen, wird sich positiv auswirken. Zudem ermuntert Schmidt dazu, das Angebot zu nutzen: Die Fahrten bieten die Gelegenheit nette Menschen kennenzulernen und interessante Gespräche zu führen.

Wichtig sei jetzt aber zunächst, dass sich Gemeinden anmelden. Angeschrieben wurden alle. 95 Prozent wird durch die Förderung abgedeckt, den Rest können die Gemeinden oder Vereine durch Eigenleistungen begleichen. „Letztlich bleiben unter dem Strich nur die Kosten für das Aufstellen von Bank und Schild – und schon werden die Bürger ein Stück mobiler und tun nebenher auch noch etwas für den Klimaschutz“, wirbt Wilner-Höfer. Im September, so stellt er sich den Zeitplan vor, können in der Nachbarschaft von Hürup schon die nächsten Mitfahrbänke stehen.

 

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erstellt am 25.Jun.2017 | 11:29 Uhr

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