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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 03:34 Uhr

Die Lüneburger Heide im Mini-Format

vom

Auf dem 40 Hektar großen Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Tanklagers in Tüdal soll wieder eine typische Geest-Heidelandschaft entstehen

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eggebek | Einst blühten hier Heide und Thymian. Dann holten Bauern Rüben und Kartoffeln aus derselben Erde. Danach lagerten hier, versteckt zwischen Nadelbäumen und hohem Gras, bis zu 18 Millionen Liter Kraftstoff. Jahrelang schließlich war das Gelände sich selbst überlassen - bis es nun endlich aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wurde.

Das ehemalige Nato-Tanklager in Tüdal (Gemeinde Eggebek) hat wahrlich eine bewegte Geschichte hinter sich. Doch damit soll nun endgültig Schluss sein. Alles auf Null: So könnte die Devise lauten, die hinter den Bemühungen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises und des Fördervereins Mittlere Treene stehen, das rund 40 Hektar große Areal in seine Ursprungsform zurückzuverwandeln: in eine artenreiche Heidelandschaft mit Sandböden und flachen Teichen - wie sie jahrhundertelang auf der Geest dominierend war. 120 000 Euro aus Ausgleichszahlungen hat die Untere Naturschutzbehörde dafür zur Verfügung gestellt.

In den vergangenen Wochen sind deshalb die Bagger angerollt, um einen Großteil all dessen zurückzubauen, was der Mensch in der Vergangenheit in die Landschaft gesetzt hat. Das Straßennetz wurde entfernt, ebenso etliche Lampen, Unterstände oder Kabelleitungen. Das Wesentliche aber waren die Erdarbeiten auf der knapp 16 Hektar großen Freifläche. "Wir mussten einen Rohboden schaffen, damit hier in Zukunft wieder eine intakte Heidelandschaft entstehen kann", erklärt Christian Dolnik, Flächenmanager der Stiftung Naturschutz, die das Konversionsgelände 2009 mit Hilfe von EU- und Landesmitteln vom Bund gekauft hat.

Insbesondere galt es bei den Arbeiten, die dicken Grassoden (Drahtschmiele), die große Teile der Freifläche überwuchert und dabei nicht nur die Heide, sondern auch andere bedrohte Arten - wie etwa das Kleine Habichtskraut oder den Englischen Ginster - verdrängt hatten, zu entfernen. Ebenso wurden offene Sandböden, als künftiger Lebensraum für bedrohte Sandlaufkäfer, Erdbienen oder Zauneidechsen, geschaffen. Zudem wurden vier flache Teiche angelegt, die aktuell mit Laich der Kreuzkröte "geimpft" werden und insgesamt 300 Tonnen Findlinge auf dem Gelände verteilt. Im Spätsommer werden schließlich auf größeren Teilen der jetzt entstandenen Sandfläche Samen von einst auf der Geest heimischen aber heute längst verdrängten Pflanzen eingesät.

Thomas Hinrichs ist mit dem Ergebnis der Umbauarbeiten schon jetzt vollkommen zufrieden. Der Ingenieur vom Busdorfer Planungsbüro Springer hat die Umgestaltung - in Absprache mit der UNB - geleitet. "Dabei sind wir nicht ausschließlich nach Gesichtspunkten des Naturschutzes vorgegangen, sondern auch nach gestalterischen. Wir wollten, dass die verschiedenen Landschaftstypen - Heide, Sandflächen, Wald und Teiche - zusammenwachsen", sagt Hinrichs und fügt an: "Hier hat sich viel verändert. Das ist sehr beeindruckend." Das empfindet auch Thorsten Roos, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, so: "Wir wünschen uns, dass die Menschen in Zukunft hierher kommen und sagen: Mann, ist das schön hier!" Naturschutz könne nur dadurch effektiv vermittelt werden, wenn man die Menschen mitnehme und deren Bauchgefühl anspreche. "Ich denke, das wird uns hier, in dieser kleinen Version der Lüneburger Heide, gelingen."

Dass sich die aber auch nachhaltig entwickeln und dabei auch stetig verjüngen kann (und nicht wieder von dominanten Pflanzen - wie etwa in den vergangenen Jahren von der eingeschleppten amerikanischen Traubenkirsche - verdrängt wird), dafür sollen vierbeinige Landschaftspfleger sorgen: Fünf junge Galloway-Rinder vom Schleswiger Verein Bunde Wischen können sich auf der riesigen Freifläche nach Herzenslust austoben und vollfressen - "in einer Landschaft, in der es sehr viel blühen wird und die sich durch eine große Artenvielfalt auszeichnen wird", wie nicht nur Thorsten Roos hofft.

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