zur Navigation springen

Zum ersten Mal in Flensburg : Die Lizenz zum unbemannten Flug

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Oktober müssen gewerbliche Drohnennutzer Kenntnisse nachweisen – den ersten Kurs in Flensburg bestanden gestern alle Teilnehmer

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 15:12 Uhr

Wenn Donald Trump mit der Air Force One zum G20-Gipfel reist, kann weder Hinz noch Kunz einfach eine Drohne steigen lassen, um Erinnerungsfotos zu schießen. Vier Männer und eine Frau hören Ralf Jansen zu, der in einem Seminarraum auf dem Flugplatz Schäferhaus Gebiete mit Flugbeschränkung und Luftsperrgebiete unterscheidet, zwischen Nachrichten für und Nachrichten an Luftfahrer differenziert und letztere, die „NOTAM“ (Notice(s) to Airmen), als „Twitter der Luftfahrt“ bezeichnet. Zum ersten Mal fand gestern ein Vorbereitungsseminar mit Prüfung zum Kenntnisnachweis sogenannter UAS in Flensburg statt. UAS steht für „unmanned aerial systems“, unbemannte Fluggeräte.

Wegen des „Wildwuchses“ von Drohnen, die es mittlerweile an jeder Ecke zu kaufen gibt, habe die Politik gefordert und der Gesetzgeber durchgesetzt, dass mit Wirkung vom 1. Oktober für gewerblich eingesetzte Drohnen ab zwei Kilogramm Abfluggewicht ein Kenntnisnachweis erforderlich ist, erläutert Ralf Jansen. Dieser sei nicht zu verwechseln mit dem Kenntnisnachweis für Flugmodelle von Hobby-Piloten, den man einfach online erbringen könne, indem man solange Multiple-Choice-Fragen ankreuzt, bis die Antwort richtig ist, unterstreicht der Flensburger. Am Ende des eintägigen Seminars für UAS hingegen folge die Prüfung mit 51 Fragen aus drei Fachgebieten. Den „Drohnen-Führerschein“ bekommt nur, wer jeweils mindestens 75 Prozent der Fragen aus den Bereichen Luftrecht und Luftraumstruktur, Meteorologie sowie Flugbetrieb und Navigation korrekt beantwortet. Wichtig zu wissen sei, was einem Drohnen-Steuerer theoretisch alles passieren kann, wo, was erlaubt sei, welche Turbulenzen zu erwarten seien, welche Betriebszustände als Störgründe auftreten können. Menschenansammlungen, Unglücksorte seien tabu, ein Höhenband von 100 Metern einzuhalten. Im Vorbereitungsseminar gehe es nicht darum, „dass ich die Drohne fliegen kann, sondern die Regeln kennen lerne“, fasst Jansen das Ziel zusammen.

Der Flensburger, Jahrgang 1963, ist Diplom-Kaufmann für Marketing, doch sein „Herz schlägt für die Fliegerei“. Seit 1975 betreibe er Modellflug, seit 1989 sei er Pilot mit Privatpilotenlizenz. Als er fast 50 war, wollte er auch beruflich etwas tun, das mit der Fliegerei zu tun habe und bei dem er selbst die Zügel in der Hand halte. Er habe sich mit einem Kollegen zusammengetan – ihre Firma Luftprofile GmbH mit Sitz in Hamburg und Flensburg gibt es seit Anfang des Jahres. Inzwischen ist sie eine der ersten bundesweit vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte und zertifizierte Stelle, die die Prüfung zum Kenntnisnachweis-UAS abnehmen und ein Zertifikat (gültig für fünf Jahre) ausstellen darf.

50 Kandidaten habe er schon gehabt, sagt Jansen, 40 davon mit Vorbereitungskurs: Von ihnen bestanden 98 Prozent die Prüfung. Gestern lag die Erfolgsquote bei 100 Prozent. In der Regel seien Fotografen, Architekten und Vermessungstechniker unter den Teilnehmern. Sönke Lassen ist Geschäftsführer einer Flensburger Filmproduktion und hält es in jedem Fall für sinnvoll, die Regeln zu kennen. Bislang habe man sich im Zweifel beim Luftfahrt-Bundesamt erkundigt. Hans Peter Ehlers, der auch als Architekt tätig ist, sieht das ähnlich und nutzt die Gelegenheit, Fragen von einem Experten beantwortet zu bekommen. In Kürze, so kündigt Ralf Jansen an, will sein Unternehmen auch in Kiel eine Prüfstelle einrichten. www.luftprofile.de

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen