Die "Libelle" ist zurück in Flensburg

Hoch und trocken: Der Mini-Liner gestern auf dem Slip der Museumswerft. Hier soll das Unterwasserschiff inspiziert werden. Foto: Ohlsen
Hoch und trocken: Der Mini-Liner gestern auf dem Slip der Museumswerft. Hier soll das Unterwasserschiff inspiziert werden. Foto: Ohlsen

Sie ist wieder da. Der Flensburger Achim von Hacht hat die "Libelle" gekauft und will sie für den Historischen Hafen sanieren. Gestern war Slip-Termin auf der Museumswerft.

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15. Oktober 2009, 06:21 Uhr

Flensburg | Die "Libelle" ist wieder zurück im Heimathafen. Nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt auf den Ochseninseln ist das Butterschiffchen wieder nach Flensburg zurückgekehrt - zur Freude vieler Passanten, die Achim von Hacht seither Löcher in den Bauch fragen. Der 63-Jährige ist seit kurzem Besitzer, und er bekommt täglich zu spüren, wie stark die Verbindung besonders der älteren Flensburger mit dem kleinen Fahrgastschiff ist.

"Ich habe schon Tränen der Rührung gesehen", sagt von Hacht und erzählt von jener älteren Dame, die eines Tages am Liegeplatz am Ostufer auftauchte, sich den Steuerstand anschaute, dann den Blick gen Himmel richtete und sagte: "Papa, Dein Schiff ist wieder da!" Wie sich herausstellte war sie die Tochter eines der "Libelle"-Kapitäne und hatte als Fünfjährige am Ruder gestanden. Ein unvergessliches Kindheitserlebnis.

Gedränge und gezückte Kameras auch gestern, als die "Libelle" auf der Slipbahn der Museumswerft an Land gezogen wurde. Der putzige Mini-Liner soll sein Unterwasserschiff zeigen, das sich über weite Strecken als Muschelfarm erweist. Achim von Hacht lässt sich davon nicht beeindrucken. Die "Libelle" ist als Langzeitprojekt in den Familienalltag integriert, in fünf Jahren will von Hacht die Verwandlung einer zum Wohnschiff umgebauten Mini-Fähre in ein historisches Wasserfahrzeug vollzogen haben, das Flensburgs Historischen Hafen ergänzen soll.

Historie liefert die "Libelle" in Hülle und Fülle. Sie wurde 1934 in den Nachwehen der Weltwirtschaftskrise von der Flensburger Schiffbaugesellschaft gebaut - gemeinsam mit ihrem Zwilling "Forelle", der mittlerweile Touristen vor Klaipeda über die Ostsee fährt. In der Flotte der Butterschiffe waren die beiden die ersten, die einen modernen Dieselantrieb eingebaut bekamen, und aus der Flotte der Butterschiffe die einzigen, die neben dem Salondampfer "Alexandra" bis ins 21. Jahrhundert gekommen sind. Bis 1999 war die "Libelle" im Einsatz, wurde dann von der Flensburgerin Jenny Kowalski gekauft und für sich und ihre Familie zum Wohnschiff umgebaut. Zehn Jahre später kam es während eines Spaziergangs zur schicksalhaften Begegnung. "Ich war mit dem Hund unterwegs und Jenny war mit ihrem Hund an Bord", erzählt von Hacht. "Die Hunde beschnuppern sich, und Jenny erzählt mir, dass sie gerade das Verkaufsschild aufhängen will. Da habe ich mich nur noch kurz mit meinem Sohn Ole besprochen und dann haben wir zugeschlagen. Eigentlich wollte ich die Libelle doch schon vor 25 Jahren haben."

Ole von Hacht ist im übrigen die Zukunft der alten Dame. Der Junior-Partner an Bord absolviert momentan seine Ausbildung zum Kapitän auf großer Fahrt. Und zwischen Hamburg und Tahiti wird in den Ruhezeiten die "Libelle" eine wichtige Rolle spielen. Noch vier Monate, und Ole von Hacht hat genug Seemeilen hinter sich. Dann darf der 32-Jährige Fracht- und Passagierschiffe bis 3000 Tonnen führen. Das sollte reichen. "Libelle" wiegt knapp 50 .

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