Grün in Flensburg : Die letzten Reste eines alten Parks

Plätzchen mit Aussicht: Thomas Messerschmidt auf einer Bank oberhalb von Dicker Willis Koppel.
Plätzchen mit Aussicht: Thomas Messerschmidt auf einer Bank oberhalb von Dicker Willis Koppel.

Der Kunsthistoriker Thomas Messerschmidt liebt die grünen Oasen im Norden zwischen Bergmühle und Villa Sol-lie

shz.de von
31. Juli 2018, 06:52 Uhr

Es ist ausgesprochen ruhig an diesem Juli-Morgen ganz oben auf „Dicker Willis Koppel“. Drei leere Halbliterflaschen Bier zeugen von einer geselligen Zusammenkunft am Vorabend rund um die Feuerstelle. Ein Mann führt seine beiden Hunde auf die erste Morgenrunde. Der Lärm der nahen Stadt dringt kaum bis hierher. Der Kunsthistoriker Thomas Messerschmidt ist in Flensburg eher als profunder Kenner der Christiansenschen Parkanlagen am Museumsberg bekannt. Doch seine heimliche Liebe gilt dem kleinen Bruder des großen schönen Parks, der regelmäßig durch Führungen den Menschen näher gebracht wird.

Im Norden der Stadt gab es es vor vielen Jahrzehnten ebenfalls einen ausgedehnten Landschaftspark rund um die Villa Sol-Lie, die wie ein großer Diamant inmitten des ungeschliffenen suburbanen Gemenges der Nordstadt ruht. Dicker Willis Koppel ist ein Teil des früher zusammenhängenden Parks.

„Das ist eine der schönsten grünen Ecken, die wir in Flensburg haben“, macht Messerschmidt klar. „Von hier oben hat man einen traumhaften Blick über die Stadt.“ In der Tat: Über die steil abfallende Koppel – „Flensburgs bester Rodelhang“ – schaut man aus ungewohnter Perspektive auf die Westliche Höhe. Doch was ist was? Nur das Alte Gymnasium ist klar auszumachen, aber die Turmspitzen? „St. Nikolai“, legt sich Messerschmidt fest. „Ich denke eher, es ist St. Marien“, kontert der Fotograf. Die neue Perspektive verunsichert den Kenner der Stadtsilhouette.

Die schmale, steile Koppel liegt hinter der Bergmühle, dem Wahrzeichen der Nordstadt – zusammen mit St. Petri. Die Erbengemeinschaft des früheren Besitzers der Villa Sol-lie hat sie einst dem Bauern Willi – „Den Nachnamen kennt keiner“ – verpachtet. In den 80ern gab es Pläne, die Koppel zu bebauen. Eine große Koalition aus vier Nordstadt-Institutionen hat das verhindert: die Schule Ramsharde, der damals neue Verein zur Erhaltung der Bergmühle, der Bildungsträger, der heute Adelby 1 heißt und aus der Villa eine Kita gemacht hatte, und die Kirchengemeinde St. Petri. Der streitbare Verein Dicker Willis Koppel verhinderte letztendlich die Bebauung der attraktiven Koppel.

Vom Kopf der Koppel führt ein Weg zu einer von Bäumen eingerahmten Wiese mit einem weiteren Grillplatz – auch diese Teil des früheren Parks. Dann geht es steil bergab, und da liegt sie, die sanierte Villa, ein Winkelbau aus dem 19. Jahrhundert, einst errichtet von Direktor Poulsen der Eisenbahngesellschaft, die für die Engländer die Linie nach Husum gebaut hatte. Er war ein Freund seltener Pflanzen und hat hier einige Raritäten anpflanzen lassen. Die Villa und der sie umgebende Garten strahlen immer noch eine erhabene Aura aus. Um die Wegeverbindung von der Meisenstraße durch den alten Park zur Bergmühle offen zu halten, musste, so erinnert Messerschmidt, der neue Eigentümer auf eine Einzäunung verzichten.

Für ihn gehören zwei ebenso kurze wie schöne Straßen zum grünen Gesamtensemble der Nordstadt: der Turnerberg, diese schmale, steile Allee, die von der Petri-Kirche hinauf zum Pastorat führt, und die Lindenallee mit ihren gründerzeitlichen Häusern und schönen Villen samt tollem Fördeblick. „Das sind wunderschöne Häuser und ebensolche Gärten“, freut sich der Ästhet Thomas Messerschmidt.

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