St. Franziskus-Krankenhaus : Die Leber-Chirurgie der Zukunft

High-Tech im Operationssaal: Mit dem Spezialskalpell kann Stephan Timm Leber-Tumore  unblutig entfernen.  Foto: Dewanger
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High-Tech im Operationssaal: Mit dem Spezialskalpell kann Stephan Timm Leber-Tumore unblutig entfernen. Foto: Dewanger

St.-Franziskus-Krankenhaus erweitert Versorgung der Patienten: Chefarzt Stephan Timm etabliert aufwendige Leber-Operationen

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23. Juni 2011, 05:46 Uhr

Flensburg | Mensch und Maschine - eine Kooperation, die oft für Entwicklung und Fortschritt bürgt. So zumindest im Falle des Malteser Krankenhauses St.-Franziskus-Hospital: Chirurgie-Chefarzt Dr. Stephan Timm und die Maschine - eine auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Apparatur, in der aber viel steckt - bringen die Flensburger Klinik in Sachen Leber-Medizin einen riesigen Schritt weiter in Richtung Zukunft.

Seit Januar 2010 ist Timm Chefarzt der Chirurgischen Klinik am St. Franziskus, geholt, um die Leber-Chirurgie voranzubringen. Eineinhalb Jahre später sind große Leber-Operationen in Flensburg nun Routine. Häufig geht es um die Entfernung von Metastasen in der Leber, wenn beispielsweise ein Krebstumor vom Darm aus streut. Zur Kategorie der großen OPs zählen auch bösartige Tumore, die sich in der Leber festsetzen, so genannte primäre Lebertumore, zum Beispiel bei Alkoholkranken. Die aufwendigen Eingriffe dauern im Durchschnitt drei Stunden, erklärt Timm. Früher konnten sie in Flensburg nicht durchgeführt werden, die Patienten mussten weggeschickt werden, nach Berlin in die Charité. 50 Patienten wurden im vergangenen Jahr behandelt, in diesem Jahr sind es schon 30. Nur kleinere OPs wie die Entfernung von Zysten waren auch früher im St. Franziskus möglich.

Mit Stephan Timm kam auch das Experten-Wissen über die Leber-Medizin ans St. Franziskus. 13 Jahre hat der gebürtige Saarbrückener an der Universitätsklinik Würzburg gelernt und die Leber-Chirurgie geleitet, später als leitender Oberarzt am Uni-Klinikum in Mainz gearbeitet. "Ich bringe eine überdurchschnittliche Expertise mit", sagt Timm selbstbewusst, weiß aber auch, dass es nur im Team geht. Darauf fußt sein Konzept. Er hat seine Mannschaft geschult und Kollegen aus anderen Fachbereichen ins Boot geholt. "Es braucht einen guten Röntgen-Arzt, einen guten Narkose-Arzt und eben einen guten Chirurgen", sagt Timm. Denn nur im interdisziplinären Setting könne man die richtige Entscheidung treffen, vor allem die, ob der Tumor so entfernt werden kann, dass genug Leber übrig bleibt. "Die Leber ist nicht ersetzbar", erklärt Timm. "Schneidet man zu viel weg, stirbt der Patient." Gleichwohl muss immer auch ein Rand mit gesundem Gewebe entfernt werden, um sicher zu gehen, dass sich keine neuen Tumore bilden. Gleichzeitig kann die Leber während des Eingriffs nicht vom Blutkreislauf abgeklemmt, muss im durchbluteten Zustand operiert werden. Und hier kommt die Maschine ins Spiel, ein Spezialskalpell: Der Ultraschalldissektor - Kosten: rund 50 000 Euro - ermöglicht präzisere und vor allem blutärmere Beseitigungen der Tumore. Mit einer ultraschallgesteuerte Metallspitze werden gesunde Leber-Zellen rund um den Tumor zum Zerplatzen gebracht, das Gefäß bleibt aber intakt. Die kleinen Blutfasern können abgeklemmt, der Übeltäter unblutig abgetrennt werden.

Die Zahl der großen Leber-Operationen wird in den kommenden Jahren zunehmen, glaubt Timm. Zum einen liege es daran, dass die Menschen immer älter werden. "Die meisten Krebsformen treten im hohen Alter auf", erklärt der Chefarzt. Zum anderen werde die Diagnostik immer besser, Metastasen in der Leber werden früher und besser erkannt. Der Anstieg der Patientenzahlen hängt aber auch von einem weiteren Faktor ab: Die Patienten müssen Vertrauen in unsere Arbeit haben, sagt Timm.

Eine Fortbildung für niedergelassene Ärzte mit Chefarzt Stephan Timm und seinen Kollegen findet am Dienstag, 28. Juni, statt. Von 18 bis 20 Uhr geht es im Elisabeth-Saal im Strandhotel Glücksburg um "Lebermetastasen im Fokus - Diagnostik und interdisziplinäre Therapie kolorektaler Lebermetastasen". Um Anmeldung wird gebeten: Telefon: 0461-8162511, E-Mail: martina.weinbrenner@malteser.org, www.malteser-franziskus.de.

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