zur Navigation springen

Flensburger Hafen : Die lange Reise zum neuen Ostufer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was passiert mit dem Flensburger Hafen-Ostufer? Der Planungsausschuss schiebt den Grundsatzbeschluss weiter auf. Es bleiben viele kritische Fragen.

Es wird ein langer Weg zum neuen Quartier am Flensburger Hafen-Ostufer. Schon bei der ersten Lesung in einem offiziellen Gremium der Stadt kam es zum erwarteten entschlossenen Austausch der Argumente. Dabei fand der Antrag der WiF, das Thema gar nicht erst zu behandeln, keine Mehrheit. Im Gegenzug hatten die Befürworter des Wandels kein Problem damit, einen ersten Beschluss zu vertagen.

Es gab allerdings auch einen nicht ausgesprochenen Konsens. Niemand im Umwelt- und Planungsausschuss wandte sich grundsätzlich dagegen, die Flächen der Silos und des Futtermittelwerks am Ballastkai zwischen Werftkontor und Sicherheitsfläche einer neuen, anderen Nutzung zuzuführen, wenn die Anlagen nicht mehr benötigt werden. Dissens gab es nur über die Frage des Wie – und dieser Dissens war heftig.

Wie berichtet, hat der Pächter, das dänische Unternehmen DLG, den Flensburger Projektentwickler Torsten Koch (Bauplan Nord) damit beauftragt, das Grundstück „zu entwickeln“ – also einen Weg zu finden, die Silos weitgehend abzureißen und auf den Flächen etwas Neues zu bauen. DLG hat einen Pachtvertrag bis 2034 und zahlt einen relativ übersichtlichen Pachtzins für das Grundstück an die Stadtwerke, denen es gehört. Die Stadt wiederum hat die Planungshoheit und möchte hier ihr lang ersehntes Tagungshotel gebaut wissen. Und es wird kein Problem sein, Investoren für Wohnbebauung in dieser Premiumlage am Wasser zu finden.

In der Flensburger Kommunalpolitik türmen sich die Bedenken. Der SSW möchte den Gleisanschluss am Hafenostufer nicht endgültig aufgeben. Der SSW und die WiF wollen keine großen Grundstücke direkt am Hafen verkaufen, sondern nur verpachten – notfalls über 75 oder gar 99 Jahre. Die WiF möchte erstmal ganz genau den bestehenden Pachtvertrag „aufdröseln“ (Harro Teichmann). Manch einer hat ein Problem damit, dass DLG, obwohl sie eigentlich den Pachtvertrag vorzeitig beenden will, einen Planer beauftragt, etwas für das Grundstück zu entwickeln. Schwere Bedenken äußerte Frank Hamann (Die Linke) und FDP-Mann Kim Harder fragte sich, ob die Stadt sich hier mit „kaufmännischem Geschick“ verhalte.

Einigkeit besteht darin, dass eine Umnutzung – egal wie – Geld kosten wird. Viel Geld. Der Abriss der Silos, die zum teil sehr massiv aus Beton gebaut sind, wird teuer. Die Kaikante muss hergerichtet werden. Und vermutlich wird man um eine Abfindung für DLG nicht herumkommen. Wenn die Stadt tatsächlich das Grundstück zurücknimmt, muss sie zumindest einen Teil dieser Kosten tragen.

Chefplaner Peter Schroeders betonte, dass das Projekt offen für andere Investoren sein müsse. Mit anderen Worten: Bauplan Nord ist nicht automatisch der Investor des Projekts. Es sei durchaus möglich, mehrere einzubinden, „dann muss das Grundstück geteilt werden“. Der Masterplan Hafen müssen für diesen Bereich modifiziert werden.

Zustimmung gab es von der CDU: „Wir sehen große Chancen“, so Arne Rüstemeier, der zudem die frühzeitige Beteiligung der Bürger hervorhob. „Wir wollen das Grundstück entwickeln“, so Axel Kohrt (SPD), „für ein Hotel und eine andere Bebauung, die passt.“ Und auch die Grünen zeigten sich froh: „Wir freuen uns über die Vorlage“, sagte Stefan Thomsen (Grüne), „es geht um den Bebauungsplan und nicht um den Investor.“

 

Das Flensburger Hafen-Ostufer: Eine Chronologie
 

Ende der 80er: Bau einer Promenade, Gestaltung der Hafenspitze mit Stufen

1988: Bau des Bellevue

1990: Gastseglerhafen

1999: Werftkontor

2000: Fischperle/Fischmarkt (nach Brand des alten Hafenschuppens)

2013: Klarschiff (auf Gelände eines Stadtwerke-Schuppens, nach Scheitern der Hotel-Pläne 2007)

ab 2014: Umnutzung Silo / Futtermittelwerk DLG/ HaGe

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 04.Sep.2014 | 00:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen