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Flensburger Tageblatt

18. November 2017 | 09:27 Uhr

Harrislee : Die Landfrauen und der Physiker

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kreislandfrauentag in Harrislee: Die Themen reichten vom Mitgliedermangel bis zur Überbevölkerung.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 14:14 Uhr

Um die Zukunft der Menschheit steht es schlecht – das lässt zumindest der Vortrag von Volkmar Helbig vermuten. Der Kieler Physiker war gestern als Gastredner beim Kreislandfrauentag im Harrisleer Hotel des Nordens zu Gast und sprach zum Thema „Wie viel Mensch verträgt die Erde“. Ein Vortrag, der die Gäste im vollen Festsaal des Hotels zum Umdenken anregen sollte.
Doch bevor es so weit war, nutzen die Landfrauen und die Gäste das Treffen dazu, ausgelassen und ausführlich zu klönen. Deswegen brauchte Andrea Gosch-Petersen, Vorsitzende des Schleswiger Kreisverbandes, auch einige Anläufe, bis ihr wirklich alle zuhörten. „Ich hätte doch meine Glocke mitnehmen sollen“, scherzte sie. Bereits zum sechsten Mal veranstalteten beide Kreisverbände einen gemeinsamen Landfrauentag. „So bündeln wir unsere Kräfte, lernen uns kennen und schonen unsere Ressourcen“, sagte Ilka Wartenberg. Sie ist im Vorstand des Flensburger Kreisverbandes. Wenn man sich die Bilanz des fast vergangenen Jahres anschaue, dann seien viele gemeinsame Aktivitäten, Seminare und Projekte auf einer langen Liste zu finden. „Dazu gab es immer interessante Denkanstöße und gute Gespräche“, so Gosch-Petersen. Also alles in allem eine positive Jahresbilanz.

Ähnlich sieht das auch Ulrike Röhr, Präsidentin des Landesverbandes. Ihr liegt besonders am Herzen, ins Gespräch zu kommen und die Bevölkerung auf dem Lande zu stärken. „Unser Ziel ist ein lebendiger ländlicher Raum“, sagte sie. Dabei gehe es nicht nur um die Weiterbildung der Frauen, sondern auch um den Ausbau und Erhalt von überlebenswichtiger Infrastruktur. „Es muss eine Chancengleichheit auf dem Land existieren. Mobilität, ärztliche Versorgung und schnelles Internet sind für die Zukunft wichtig“, sagte sie. Gleichzeitig forderte sie ihre Zuhörerinnen aber dazu auf, dafür zu sorgen, dass auch junge Frauen sich in den Ortsvereinen einzubringen. Hört man nämlich ganz genau hin, scheint es ein grundsätzliches Nachwuchsproblem zu geben. „Um unsere Ziele umsetzen zu können, brauchen wir ganz viele Mitglieder. Bringen Sie zum nächsten Treffen einfach mal eine Freundin oder Verwandte mit“, sagte Röhr.

Und auch Ilka Wartenberg berichtete wenig später davon, dass es immer schwieriger werde, genügend Frauen für die ehrenamtliche Vereinsarbeit zu finden. „Wir müssen unsere Nische neu definieren“, findet sie. Allein in diesem Jahr hätten sich mit Sieverstedt und Barderup zwei Ortsvereine aufgelöst, weil niemand den Vorsitz übernehmen wollte. Nächstes Jahr stehe die Auflösung des Ortsvereins in Sörup an – aus den gleichen Gründen. „Es hat ein Kulturwandel stattgefunden. Inzwischen sind viele Frauen berufstätig. Da fällt es vielen schwer, ein Ehrenamt zu übernehmen.“ Ihrer Meinung nach müsse die Vereinsarbeit von der Politik gestärkt werden, damit diese wieder attraktiv werde. „An den Themen liegt es nämlich nicht.“

Dass es nicht nur um das ehrenamtliche Engagement, sondern auch um das menschliche Leben auf der Erde nicht zum Besten steht, zeigte Volkmar Helbig in seinem Vortrag. Mit einem Augenzwinkern, vielen Grafiken und Tabellen rechnete er den Zuhörern vor, dass der Erde spätestens 2040 der Kollaps bevorstehen könnte. Überbevölkerung, Umweltverschmutzung und Nahrungsknappheit würden dazu beitragen, dass sich das System nicht mehr tragen könne. „Es müssen drastische Einschnitte vorgenommen werden, damit dieses noch abzuwehren ist“, sagte er und zeigte, wie es gelingen könnte: „Wir müssten das Bevölkerungswachstum stoppen, den Konsum einschränken und den Schadstoffausstoß reduzieren.“ Auf seine Frage „wie viel Mensch verträgt die Welt“ hat er auch eine Antwort parat. Nach seiner Aussage sind es 8,7 oder 13,6 Milliarden Menschen. Je nach Berechnungsformel.

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