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Flensburger Tageblatt

20. November 2017 | 20:15 Uhr

Die Kunst des Weglassens

vom

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Essen ist Geschmacksache. (Ach was! ) Bevormundungen - buchstäblich - verbieten sich. Doch Grüne kennen keinen Schmerz. Sie fordern einen Gemüse-Tag in öffentlichen Küchen. Tolle Wurst. Eine moderne Mensa oder Kantine von heute hat längst mindestens ein vegetarisches Gericht im Portfolio. Und an irgendeiner Längswand welkt meist auch ein Salat-Buffet vor sich hin. So könnte für einen cleveren Kantinen-Esser jeder Tag ein "Veggie Day" sein. Mündig sein heißt für die Grünen: Mund zu, essen lassen. Für alle anderen: Mund auf, essen fassen.

Zumindest die Döner-Definition müssen wir nicht mehr der Politik überlassen; was den Namen Döner verdient, ist zum Glück geklärt und zwischen mindestens zwei Paragrafen gestopft.

Auch das KBA, das Kraftfahrtbundesamt, hat eine Kantine, die täglich ein vegetarisches Angebot macht. Einen knackigen Sommersalat mit gebratenen Melonenstückchen und Ofenbaguette oder Tofugeschnetzeltes in Curryfruchtsauce mit Basmatireis gab es für die Freunde des Fleischverzichts in dieser Woche. Am Donnerstag aber mussten die Vegetarier gar auf fleischlose Kost verzichten - in Gestalt einer Variation von Bratlingen auf Kräuterschmand mit Salat. Was war passiert? Urlaubs- und Krankheitsgründe führten dazu, dass der Kantinenvorstand das Gemüse-Gericht auslassen musste. Daran zeigt sich aber, dass im KBA nicht nur mit Wasser gekocht wird, sondern mit Schmackes. Denn ein vegetarischer Kochkünstler ist nicht, wer am besten weglassen kann, sondern wer das Fleisch ersetzt, ohne dass es jemandem aufstößt.

Pikant: Während die Vegetarier in der KBA-Kantine also am Donnerstag auf Spaghetti Bolognese oder eine sommerliche Sülze mit Bratkartoffeln mit Remouladensauce verzichteten, fragte die Grünen-Chefin Claudia Roth nur wenige Meter Luftlinie entfernt gegenüber in der Marineschule: "Wer kocht hier eigentlich?" Ein Zufall hatte die Bundesvorsitzende für einen Besuch der Marineschule Mürwik nach Flensburg verschlagen, nicht etwa der Bundestagswahlkampf. Die Antwort am Fuße des Übungsmastes im Grünen auf dem Festland war so schlicht wie schön: "Der Koch." Die Augsburgerin Claudia Roth, die sympathisch einräumte, dass sie mit verklärt-romantischer Brille erstmalig die Marine besuchte, hatte wohl wenigstens einen deftigen "Smutje" erwartet. Hätte sie gewusst, dass gegenüber im KBA gerade der Veggie Day ausgefallen war, hätte sie sicher für Fleischlos-Ersatz gesorgt.

Noch etwas: Falls es militanten Veganern nun nach dem Kopf der Autorin lechzt, sei ihnen gesagt: Die spielt nicht nur beim Doppelkopf fleischlos.

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