Kunsthandlung Messerschmidt : Die Kunst der Spiegelung

Bilder einer Ausstellung: Galerist Thomas Messerschmidt ist fasziniert von der Kunst eines Till Warwas.
Bilder einer Ausstellung: Galerist Thomas Messerschmidt ist fasziniert von der Kunst eines Till Warwas.

Till Warwas stellt an den Norderhofenden aus

shz.de von
26. Juni 2018, 06:18 Uhr

Auf den ersten Blick sind es ganz normale Stillleben. Kannen, Krüge, Karaffen, dazu Früchte wie Tomaten, Zitronen, Quitten, Paprika. Doch schon der zweite Blick macht klar: Das ist ganz große Kunst, was Till Warwas hier geschaffen hat.

Das liegt an der Zweiteilung dieser Bilder. Die eigentlichen Motive der Stillleben sind sorgsam und im klassischen Sinne positioniert. Doch dann ist da das scheinbar achtlos darunter gelegte Handtuch, die faltige Tischdecke, die transparente Tüte aus dem Supermarkt, in der die Tomaten oder Zitronen ins Atelier gebracht wurden.

Die Falten und Knicks, die Schattierungen und Lichtreflexe zeigen die große Könnerschaft des Bremers, dessen Bilder derzeit in der Kunsthandlung Messerschmidt zu sehen sind. Es scheint, als fasziniere ihn die Stofflichkeit der Dinge: Welche Falten wirft dieser, welche jener Stoff – und wo entwickelt eine Plastiktüte ihre stoffliche Ästhetik?

Der 1962 geborene Warwas, der zu den Norddeutschen Realisten gehört, holt mit fast schon fotorealistischer Akribie die allerkleinsten Details aus seinen Motiven heraus. Auf einer Wasserkaraffe erkennt man als Spiegelung das Fenster seines Ateliers und darin sogar die Andeutung einer Stadtsilhouette. Sehr gezielt und fein dosiert setzt er Farbe ein. Da prägen Weiß- und Grautöne das Bild, und das Rot einer einzelnen Paprika oder das Gelb dreier Zitronen setzen einen fast schon grellen Kontrast.

Auch Landschaften gehören zu der neuen Ausstellung bei Messerschmidt. Der Fußmann-Schüler Warwas ist oft an der Flensburger Förde zu Gast und arbeitet hier. Entsprechend dürfen die klassischen Rapslandschaften nicht fehlen. Doch auch hier zeigt er ein feines Gespür für Licht und Farbe und beschert dem Betrachter einen wunderbaren norddeutschen Sommerhimmel – nicht umsonst lautet der Titel der Ausstellung „Im Licht“. Auch West- und Ostseite des Flensburger Hafens (mit dem St. Jürgen-Hang) sind hier vertreten, ebenso wie die Förde bei Habernis und Rönshoved.




zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen