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Bühnenball : Die Kunst der politischen Verführung

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bevor die Bühne im Deutschen Haus ganz im Zeichen der Operette stand, wetterte Generalintendant Grisebach über die Landespolitik

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erstellt am 20.Jan.2014 | 10:34 Uhr

Seinen Unmut über die theaterschädliche Landespolitik wollte Peter Grisebach nicht verschweigen. Der Streit um das Schleswiger Haus, ohne welches das Landestheater nach Meinung der Theaterleute nicht existieren kann, erlebt gerade einen neuen Höhepunkt. „Warum entscheiden Menschen, die mit Theater nicht umgehen können?“, fragte der Intendant zum Auftakt des Bühnenballs im Deutschen Haus.

Festlich war es geschmückt, die 700 Plätze ausverkauft. Mit einem bunt-fröhlichem Programm bewiesen der Intendant und seine Truppe, dass sich Theater lohnt, weil es „der eigenen Wirklichkeit etwas Erhöhendes geben kann. Doch dazu braucht es einen geschlossenen Raum“, so Grisebach – wieder eine Anspielung auf Schleswig.

Um die Stimmung einzuheizen, wurde viel ins Fach der Operette gegriffen – mit dem Thema Verführung. „Komm, die Nacht gehört der Sünde“ aus Cloclo von Franz Lehár wurde gespielt und weitere Stücke aus dem Boccaccio über einen begehrenswerten Mann und schöne Frauen in Florenz.

Es folgten Loblieder auf das Chambre separée und die Trunkenheit und Goethes von Lehár intonierte Liebeserklärung „O Mädchen, mein Mädchen“, gesungen von Jin-Hak Mok – so laut, dass die Akustik ins Wanken geriet.

Auch nicht von schlechter Stimme: Svitlana Slyvia sang mit dem Opernchor hingebungsvoll „Oh, mein Papa“. Als Gipfel der Verführung entführte Sängerin Anna Schoeck den Dirigenten Peter Sommerer vom Podest. Er kam aber gleich zurück.

Aus der Welt des Balletts bereicherten moderne Tanzeinlagen aus dem laufenden Cinderella-Programm sowie feurige Szenen aus der Zirkuswelt den Abend. Er komme sich auch manchmal wie ein Zirkusdirektor vor, stichelte Grisebach, „mit Zuckerbrot und Peitsche, der sich manchmal zum Clown macht.“ Und auf ein Wunder hoffe wie im Märchen.

Gabriele Cramer vom Verein der Flensburger Theaterfreunde lobte die „zauberhafte Inszenierung“ und begrüßte Ehrengäste – auch aus der gescholtenen Politik: Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack und Landtagsabgeordnete Simone Lange. Sie warb um neue Mitglieder für ihren Verein. Gerade 2013 seien viele aus Altersgründen ausgeschieden.

Abseits der Bühne sprach sie lobend über den Intendanten: „Er ist der richtige. Wenn es einer schafft, das Landestheater zu erhalten, dann er“, meinte sie und fügte hinzu: „Für einen Theaterbesuch nach Kiel, Hamburg oder Lübeck fahren? Furchtbar.“

„Das Programm hat richtig Lust auf mehr Theater gemacht“, meinte Besucherin Rita Mühlhausen. Viele waren gekommen, um mal wieder auf einem großen Ball zu tanzen. „Es ist doch der einzige offizielle, den Flensburg noch hat“, meint Dramaturgin Karin Heckermann. Nostalgisch ging es aber nicht zu, eher ein bisschen wie auf einem Dorffest, was die Musikauswahl der Band Hale-Bopp-Musik betraf: viel deutscher Schlager. Unterbrochen wurde die Gruppe nach einer Pause (Probleme mit der Technik, wurde gemunkelt) von der Mitternachtschau, die Erotisches eher persiflierte als erlebbar machte. Dann durfte für die 60 Euro Eintritt weiter getanzt werden – in der Hoffnung, noch viele Abende mit den Theaterleuten zu erleben. Zu feiern verstehen sie, das steht fest.


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