Tarup-Umgehung : Die K 8 auf dem Weg in die Sackgasse

Das letzte Drittel der K 8 kann vielleicht nicht gebaut werden, weil die benötigten Flächen nicht zur Verfügung stehen.
Das letzte Drittel der K 8 kann vielleicht nicht gebaut werden, weil die benötigten Flächen nicht zur Verfügung stehen.

Die Stadt muss um den Bau der letzten 500 Meter der Tarup-Umgehung zittern. Um die Umgehung bauen zu können und Ausgleichsflächen für das Neubaugebiet zu schaffen, müsste sie mehr als 30 Hektar Flächen erwerben.

shz.de von
01. Juli 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Das neue Baugebiet Tarup Südost wächst und gedeiht. Nur die Erschließungsstraße kommt nicht mehr hinterher. Nach den Vorstellungen der Stadt soll der Ortsteil Tarup bis 2018 im Zuge der Hochfelder Landstraße eine Umgehung erhalten. An ihr hängen die Baugebiete im Osten und eine Entlastung der Taruper Ortsdurchfahrt. Doch wie es aussieht, hat sich die Stadt verspekuliert. Um die Umgehung bauen zu können und Ausgleichsflächen für das Neubaugebiet zu schaffen, müsste sie mehr als 30 Hektar Flächen erwerben – und das wird schwierig.

Flensburg hat das Pferd anscheinend von hinten aufgezäumt. Die Stadt verfolgt zwar seit über zehn Jahren eine detaillierte Planung für die Kreisstraße 8 inklusive Anschluss an die nach Husby und Kappeln führende Landesstraße 21 – aber sie hat sich nicht rechtzeitig die nötigen Flächen gesichert. Um das letzte Straßenstück der K 8 an die L 21 anschließen zu können, muss sie sich mit drei Landwirten einigen. Bei zweien ist das vergangene Woche per Landtausch geglückt, bestätigte die Pressestelle auf Anfrage. Landwirt Nummer 3 aber stellt sich quer. Und ohne ihn geht in Bauabschnitt 4 nichts. Gar nichts.

Er ist sehr heimatverbunden. Wenn Ingo Knop sich weiter als 50 Kilometer von seiner Dorfstraße entfernt, sagt er, ist er nach spätestens drei Tagen krank. Von der Abnahme seines Hofes aus schaut der 52-Jährige mehr als acht Kilometer tief ins sommerliche grüne Land. Sollte die Stadt hier ihre K 8 bauen, wäre es damit vorbei. Dann würde Knop in 25 Metern Entfernung auf einen der landschaftstypischen Lärmschutzwälle blicken, mit denen heutzutage Neubaugebiete und Umgehungsstraßen kaschiert werden. Das ist ist schon mal ein Grund, warum er kein brennendes Interesse verspürt, die noch benötigten 17 Hektar zu verkaufen. Da ist aber noch mehr. Nicht auszuschließen, dass auf dem von ihm billig verkauften Land eines Tages der Traktor eines Pächters seine Runden dreht und dafür teuer an die Stadt bezahlt. Oder die Steuer. „Von einem Euro bleiben mir im Falle des Verkaufs 25 Cent. Dafür gebe ich mein Eigentum nicht her“, sagt Knop, der das bäuerliche Boden- und Erbrecht im Auge behalten muss. Und schließlich ist auch der Auftritt der Stadt für ihn wenig Vertrauen bildend. „Ich habe das letzte Mal vor anderthalb Jahren von denen gehört. Die gehen offenbar davon aus, dass ihnen mein Land zusteht.“

In diesen Zusammenhang stellt er auch die Landtausch-Geschäfte Flensburgs mit seinen Taruper Nachbarn, die anscheinend zu einem sehr guten Kurs von 1:2 ihre eigenen Flächen ortsnah gegen städtische tauschen konnten. Ihm habe man hingegen Ersatz bei Kiel, bei Süderbrarup, sogar in Mecklenburg-Vorpommern angeboten – mit eingebauten wirtschaftlichen Risiken, die er nicht mehr schultern will. „Für mich und meine Mutter ist das hier Heimat. Ich will als 52-Jähriger nicht woanders von vorne anfangen.“

Ingo Knop hat dies und noch vieles mehr in eine Rechnung eingestellt, einen Strich gezogen und der Stadt seinen Preis genannt. „Es kam ein Schreiben zurück. Darin hieß es, meine Vorstellungen seien utopisch. Tja“, sagt er. „Dann müssen wir mal sehen, was weiter geschieht. Mal gewinnt man, mal verliert man.“

Im Moment scheint sich die Stadt auf der Verliererseite zu befinden. Ein Enteignungsverfahren scheidet als letzte Möglichkeit wohl aus. „Das ist in diesem Fall nur innerhalb sehr, sehr enger Grenzen möglich“, räumt Verwaltungssprecher Thomas Kuchel ein. Sollte zudem zutreffend sein, dass die kostspieligen Landtausch-Geschäfte mit den beiden anderen Landwirten ohne Rückabwicklungs-Klausel abgeschlossen werden mussten, und auch zutreffen, dass das Land bei Nichtbau der K 8 die anteilige Rückzahlung von fünf Millionen Euro Fördermitteln verlangen kann, sollte Ingo Knops utopischer Preis immer realistischer werden. Möglich ist natürlich auch, dass die K 8 als Sachgasse endet.

Die Stadtverwaltung darf zu Verträgen mit Privatpersonen keine Auskünfte erteilen. Deshalb war eine Stellungnahme in diesem Fall nicht möglich.

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